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16.08.2012

06:47 Uhr

Prozess gegen Weinmann

MANs fast private Angelegenheiten

VonJan Keuchel, Markus Fasse

Heute startet der Strafprozess gegen den Ex-MAN-Vorstand Anton Maximilian Weinmann. Dem Manager wird Beihilfe zur Bestechlichkeit vorgeworfen. MAN hält sich zurück: Das sei seine „private Angelegenheit“.

Der frühere Vorstandsvorsitzende der MAN Nutzfahrzeuge AG, Anton Weinmann. picture-alliance/ dpa

Der frühere Vorstandsvorsitzende der MAN Nutzfahrzeuge AG, Anton Weinmann.

MünchenSo viel ist schon einmal vor dem mit Spannung erwarteten Strafprozess klar: Anton Maximilian Weinmann fühlt sich nicht schuldig. Und er ist keiner, der die Hände in den Schoß legt. Und weil das so ist, hat der 56-Jährige nicht nur im Vorfeld mehrere Staatsanwälte wegen Verleumdung angezeigt. Seine Anwälte haben zudem das Verteilen der Anklageschrift an Journalisten verhindert.

Das Interesse wird dennoch groß sein, wenn sich der ehemalige Chef der MAN-Nutzfahrzeugsparte heute vor dem Landgericht München verantworten muss. Die Anklage im Sitzungssaal B 166 lautet auf Beihilfe zur Bestechlichkeit im gewerblichen Verkehr. Weinmann bestreitet, von Bestechungsgeldern beim Verkauf von Lastwagen und Bussen nach Belgien und Slowenien gewusst zu haben. Und er wehrt sich mit einem ungewöhnlichen Gutachten. In diesem unterstellt Weinmann, die Anklageschrift enthalte ehrverletzende und beleidigende Äußerungen, die Ankläger hätten sich deshalb selbst wegen Verleumdung strafbar gemacht.

Und sollte der Vorsitzende Richter der sechsten Strafkammer des Landgerichts, Joachim Eckert, die Verlesung heute Morgen zulassen, könne auch er sich strafbar machen. Das ist allerdings seit gestern unwahrscheinlicher geworden. Denn die Generalstaatsanwaltschaft hält das Gutachten für nicht stichhaltig. So heftig hat sich schon lange kein Angeklagter mehr gewehrt, zumal in Wirtschaftsstrafverfahren, bei denen gerne hinter verschlossenen Türen mit der Justiz gedealt wird.

Doch Weinmann kämpft um seinen guten Ruf. 28 Jahre lang hat er für MAN gearbeitet, diente sich vom Controller zum Chef der wichtigen Nutzfahrzeugsparte hoch. Gemeinsam mit Håkan Samuelsson, dem damaligen Konzernchef, hatte er Großes vor, heckte er einen verwegenen Plan aus. MAN sollte 2006 den Rivalen Scania feindlich übernehmen und in die erste Liga der Lastwagenhersteller aufrücken. Doch das schlug fehl: Scania-Großaktionär Volkswagen blockierte den Coup und kaufte sich selbst bei MAN ein.

Dann kam der verhängnisvolle Dienstag im Mai 2009. An diesem Tag saß Weinmann in seiner Zentrale, als Zivilpolizisten und Staatsanwälte zum Hausbesuch erschienen. Die Ermittler wurden fündig: Jahrelang hatte MAN über illegale Provisionen den Verkauf von Bussen und Lastwagen in Europa geschmiert. Der Mehraufwand wurde in den Jahren 2002 bis 2005 bei der Steuer angegeben. Das war Weinmann und MAN durchaus bekannt, behauptet die Staatsanwaltschaft.

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