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09.09.2011

10:53 Uhr

Prozessauftakt

Claassen bekommt seine Entschuldigung

VonAxel Höpner

Die Auseinandersetzung zwischen dem Top-Manager Utz Claassen und seinem Ex-Arbeitgeber Solar Millennium ist spektakulär. Heute trafen sich die Streitparteien vor Gericht.

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende des Energieunternehmens EnBW, Utz Claassen, links, und sein Anwalt Klaus Menge, Zweiter von links, warten im Landgericht in Karlsruhe. ap

Der ehemalige Vorstandsvorsitzende des Energieunternehmens EnBW, Utz Claassen, links, und sein Anwalt Klaus Menge, Zweiter von links, warten im Landgericht in Karlsruhe.

Es ist wohl die entscheidende Botschaft für Utz Claassen. Zum Prozessauftakt betont Claassen, dass er nicht ums Geld kämpft, sondern um seine Ehre. Im Streit ums Geld könne man sich immer einigen. "Die Wahrheit kann man aber nicht teilen." Mit dem Unternehmen selbst und dem Vorstand habe er keine großen Probleme. Mit dem Aufsichtsrat ist das Tischtuch aber wohl endgültig zerschnitten. Der Aufsichtsrat habe ihn "belogen, hintergangen, getäuscht". In einer rhetorisch geschliffenen Rede erhob Claassen schwere Vorwürfe gegen die Kontrolleure. "Mit diesem Aufsichtsrat wird es mit mir keine Einigung geben" - es sei denn, Aufsichtsratschef Pflaumer entschuldige sich öffentlich bei ihm.

Genau diese Chance auf eine gütliche Einigung versucht Solar-Millennium-Aufsichtsratschef Helmut Pflaumer im millionenschweren Abfindungsprozess mit Claassen zu ergreifen. "Es würde mir leid tun, wenn Sie sich beleidigt fühlen", sagt er und blickt dem ein paar Meter entfernt sitzenden Claassen in die Augen. Dafür entschuldige er sich auch. "Das Leben ist zu kurz, als dass wir beide uns mit so einer Auseinandersetzung belasten." Der Streit sei nicht zimperlich geführt worden. Doch eine Einigung sei noch möglich. 

Claassen nimmt das zur Kenntnis. "Es freut mich, Herr Pflaumer, Sie hätte ich auch nicht anders eingeschätzt", sagt er. Die Beleidigungen in den Schriftsätzen seien damit für ihn erledigt. Allerdings will Claassen auch noch bestätigt haben, dass er als verantwortungsvoller Manager rechtmäßig gehandelt habe. Das müsse ohne jede Einschränkung festgestellt werden.

So ist nach nur einer Stunde schon wieder Schluss. Das erwartete Hauen und Stechen habe man nicht geboten, sagt Richter Meyer fast schon entschuldigend. Claassen freut sich über die Entschuldigung. Und Aufsichtsratschef Pflaumer hofft, dass der Albtraum irgendwann vorbei ist. Schließlich wollte er mit Claassen in eine neue Ära aufbrechen - und steht nun vor einem Scherbenhaufen. "Das lastet auf einem", sagt er dem Handelsblatt.

Interview mit Utz Claassen: „Mir geht es um Wahrheit und Rechtmäßigkeit" 

Interview mit Utz Claassen

„Mir geht es um Wahrheit und Rechtmäßigkeit" 

Der Prozess zwischen Solar Millenium und Ex-Chef Utz Claassen hat begonnen. Im Handelsblatt-Interview hat der umstrittene Manager vorab über die Zeit vor und nach seinem Ausscheiden aus dem Solarkonzern gesprochen.

Vor dem Nürnberger Landgericht begann heute Morgen der spektakuläre Scheidungskrieg, bei dem geklärt werden soll, ob Claassens Kündigung nach nur 74 Tagen im Amt rechtmäßig war. Es geht um Begrüßungsgeld und Abfindung.

Der kleine Saal 296 wirkte angesichts der Millionensummen als bescheidenes Forum für die Auseinandersetzung. Die vier Besucherreihen reichten nicht  aus, um allen Beratern, Zuschauern und Medienvertretern Platz zu bieten.

Alle Aufmerksamkeit richtet sich an diesem Morgen auf Claassen, der wenige Minuten vor Prozessbeginn im dunklen Zweireiher, blauer Krawatte und Bodyguard erscheint. Mit eher grimmigem Blick lässt er das Blitzlichtgewitter der Fotografen über sich ergehen.

Die Auseinandersetzung ist spektakulär. Claassen hatte Anfang 2010 überraschend den Vorstandsvorsitz bei der mittelständischen Solarfirma übernommen. Ebenso überraschend verabschiedete er sich nach nur 74 Tagen wieder. Seither streiten sich beide Seiten ums Geld: Claassen hatte eine Stattliche Antrittsprämie von neun Millionen Euro erhalten - und will auch noch eine Abfindung von gut sieben Millionen Euro. Die Firma reagierte mit einer Gegenklage.

Richter Werner Meyer ist ein erfahrener Jurist - und legte Claassen und Solar Millennium erst einmal eine gütliche Einigung ans Herz. "Ein streitiges Urteil hat einen gravierenden Nachteil: einen Verlierer." Eine juristische Auseinandersetzung könne sich über Jahre hinziehen. Und wer wisse schon, ob da überhaupt noch der Euro die Währung sei, sagte er scherzhaft.

Kommentare (6)

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zberg

09.09.2011, 10:14 Uhr

blender unter sich

caesarenwahn

09.09.2011, 11:05 Uhr

Claassen ist ein typisches elitäres Produkt unserer Zeit Alle Menschen sind Kosten, nur er nicht.

Account gelöscht!

09.09.2011, 11:12 Uhr

Parasitären Schröpfer der arbeitenden Bevölkerung unter sich.

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