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17.04.2013

13:46 Uhr

Prozessauftakt in Frankreich

Täuscher des Busen-TÜV vor Gericht

Baustellen-Silikon statt der hochwertigen medizinischen Variante hatte eine französische Firma in Tausende Frauen-Busen implantiert. Der Prozess hat zum Skandal hat in Marseille begonnen. Mittendrin: der deutsche TÜV.

Jean Claude Mas (sitzend), ehemaliger Chef der Firma Poly Implant Prothese (PIP) muss sich vor Gericht verantworten. dpa

Jean Claude Mas (sitzend), ehemaliger Chef der Firma Poly Implant Prothese (PIP) muss sich vor Gericht verantworten.

Der erste Strafprozess wegen des weltweiten Skandals um Billig-Brustimplantate der Firma PIP hat am Mittwoch im südfranzösischen Marseille begonnen. 5250 Frauen klagen dort gegen Firmengründer Jean-Claude Mas, der sich zusammen mit vier früheren Angestellten wegen des Vorwurfs der schweren Täuschung und des Betrugs verantworten muss.

Der heute 73-Jährige hatte im Polizeiverhör bereits gestanden, seine Silikon-Einlagen mit einem billigen Industriegel gefüllt und die Kontrolleure des TÜV getäuscht zu haben. Er versicherte aber, die Einlagen seien nicht gesundheitsschädlich.

Rund zehn Jahre lang hatte Mas weltweit hunderttausende seiner Billig-Implantate verkauft, vor allem in Südamerika, Großbritannien, Spanien und Frankreich. In Deutschland sind etwa 5000 Frauen betroffen. Die Billig-Silikoneinlagen rissen schneller und werden für Entzündungen verantwortlich gemacht. Bisher konnte aber nicht bewiesen werden, dass auch eine Reihe von Krebsfällen bei Frauen auf die Implantate zurückgehen. Die Gesundheitsbehörden mehrerer Länder hatten die Frauen ab Ende 2011 aufgerufen, sich die Einlagen vorsichtshalber wieder herausoperieren zu lassen.

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Mehrere hundert Klägerinnen wollten in Marseille selbst an dem Prozess teilnehmen. Sie stehen dabei erstmals dem PIP-Firmengründer gegenüber, der ihnen im Polizeiverhör vorgeworfen hatte, sie würden nur "wegen der Kohle" gegen ihn klagen. Unklar ist, wer die Opfer entschädigen soll, denn die südfranzösische Firma PIP ist seit 2010 pleite.

Die 47-jährige Angela Mauro aus dem ostfranzösischen Metz, die zum Prozess nach Marseille kam, hatte sich die PIP-Einlagen 2003 nach einem Gewichtsverlust infolge eines Magenproblems einsetzen lassen. Die Einlagen rissen zweimal, sie hatte mit Gesundheitsproblemen, Arbeitsausfällen und einem Arbeitswechsel zu kämpfen: "Ich erwarte, dass wir als Opfer angesehen werden und nicht nur als Frauen, die sich Prothesen einsetzen lassen wollten."

Die Klägerseite wird durch etwa 30 Anwälte vertreten. Zudem sind 200 Journalisten aus verschiedenen Ländern, darunter auch aus Deutschland und Österreich, akkreditiert. Das Gericht zog wegen des Mammutprozesses in eine Halle auf dem Messegelände der südfranzösischen Hafenstadt um.

Kurz vor Beginn des Prozesses hatte am Mittwochmorgen der Kassationsgerichtshof in Paris einen Antrag von Verteidigern auf Vertagung des Prozesses wegen Zweifeln an der Unparteilichkeit des Gerichtes abgewiesen. Zum Prozessauftakt wollte die Verteidigung vor Gericht zudem eine Reihe von Anträgen auf Ungültigkeit des Verfahrens stellen.

Der Prozess soll bis zum 17. Mai dauern. Mas und den vier anderen Angeklagten drohen bis zu fünf Jahre Haft. Gegen Mas laufen in Frankreich noch zwei andere Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Tötung sowie wegen betrügerischen Bankrotts.

Von

afp

Kommentare (1)

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dibbeldidu

17.04.2013, 14:46 Uhr

Hier wurde entweder unsauber recherchiert oder man/frau möchte nicht Ross und Reiter nennen. Denn : "den deutschen TÜV" gibt es nicht. Es gibt mehrere TÜV-Gesellschaften mit regionalem Namenszusatz.

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