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11.01.2011

10:11 Uhr

Prozessbeginn

Der Pleitier vom Wörthersee

VonStefan Menzel

Heute beginnt in Klagenfurt der Prozess gegen den Gründer der AvW-Beteiligungsgruppe. Österreich steht damit vor einem der spektakulärsten Wirtschaftsprozesse. Wolfgang Auer-Welsbach soll Anleger in den vergangenen zehn Jahren um 300 bis 400 Millionen Euro betrogen haben.

So sah sich Wolfgang Auer-Welsbach gerne: Auf einem Motorboot auf dem Wörthersee. Heute beginnt der Prozess gegen ihn. FOLTIN Jindrich / Wirtschaftsblatt / picturedesk.com

So sah sich Wolfgang Auer-Welsbach gerne: Auf einem Motorboot auf dem Wörthersee. Heute beginnt der Prozess gegen ihn.

WIEN. Wolfgang Auer-Welsbach liebt Statussymbole, das steht außer Frage. Natürlich konnte es nur die größte Goldmünze der Welt sein, die er für sein Unternehmen kaufte. Und genauso gern ließ er sich im schmucken Motorboot auf dem Wörthersee in Kärnten ablichten.

Doch von heute an wird der 54-Jährige, der eigentlich Auer von Welsbach heißt, das "von" als Titel aber wie alle Adligen in Österreich seit dem Ersten Weltkrieg nicht mehr tragen darf, im Schwurgerichtssaal in Klagenfurt für Aufsehen ganz anderer Art sorgen. Der Gründer und Inhaber der AvW-Beteiligungsgruppe steht wegen gewerbsmäßig schweren Betrugs und wegen Untreue vor Gericht. Die Schätzungen über die Schadenshöhe schwanken: Die Ermittler sprechen von 300 bis 400 Millionen Euro, um die die AvW-Anleger in den vergangenen zehn Jahren betrogen worden sein sollen. Österreich steht vor einem der spektakulärsten Wirtschaftsprozesse. 8.500 geschädigte Anleger haben sich als Nebenkläger dem Strafverfahren angeschlossen.

Schon seit fast einem Jahr sitzt Auer-Welsbach in Untersuchungshaft. Die Gerichte lehnten Anträge auf eine Freilassung mehrfach ab, weil sie bei dem Finanzunternehmer angesichts des großen Schadens eine Fluchtgefahr sehen. Zehn Jahre Gefängnis drohen dem Unternehmer bei einer Verurteilung.

Vor dem Ausbruch der Finanzkrise sah alles noch viel rosiger bei der AvW-Beteiligungsgruppe und bei Wolfgang Auer-Welsbach aus. Als der elterliche Holzhandel Ende der 90er-Jahre nicht mehr die große Zukunft versprach, entdeckte der studierte Jurist das Beteiligungsgeschäft. Rasant ging es für ihn nach oben: Renditehungrige Anleger gaben dem Klagenfurter ihr Geld, weil er zweistellige Margen versprach.

Schlicht "unseriös", so urteilt der Grazer Gerichtsgutachter Fritz Kleiner über die AvW-Geschäfte. Das Renditeversprechen sei nie zu halten gewesen. Die Kurse der auch an der Börse gehandelten AvW-Papiere seien durch Scheingeschäfte innerhalb der Gruppe künstlich nach oben getrieben worden. Für Kleiner ist das ein "kapitalmarktorientiertes Perpetuum mobile".

Die Staatsanwälte Christof Pollak und Thomas Liensberger kommen zu einem drastischen Urteil über Auer-Welsbach. "Das von ihm kreierte System hatte den Zweck, dem Angeklagten auf Dauer, zumindest aber möglichst lange permanente Einnahmen zu verschaffen und damit den luxuriösen Lebenswandel zu ermöglichen", heißt es in ihrer Anklage. Auer-Welsbach weist alle Vorwürfe zurück. Die Schieflage habe ein AvW-Prokurist mit windigen Anlagegeschäften ausgelöst.

Von der AvW-Gruppe ist nicht mehr viel übrig. Im Frühjahr war die Insolvenz unvermeidlich. Die Zwangsverwalter versuchen seitdem, so viel wie möglich zur Entschädigung der Anleger herauszuholen. Aber mehr als 100 Millionen Euro werden das wahrscheinlich nicht werden. Die Maple-Leaf-Münze ist bereits für drei Millionen Euro verkauft worden. Und für das Motorboot suchen die Insolvenzverwalter immer noch nach einem neuen Eigentümer.

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