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24.10.2015

17:48 Uhr

Pub-Sterben in England

„Die Leute besorgen Dosenbier und gucken Casting-Shows“

Pubs sind Institutionen in England – allerdings eine sterbende. Kneipenbesitzer machen Fernsehshows und das moderne Familienleben dafür verantwortlich. Doch es gibt Ausnahmen: Neue Pub-Konzepte kommen immer besser an.

Die Laune bei Englands Pub-Besitzern ist schlecht. Immer mehr traditionelle Kneipen müssen schließen. dpa

Pub-Sterben in England

Die Laune bei Englands Pub-Besitzern ist schlecht. Immer mehr traditionelle Kneipen müssen schließen.

South ShieldsDrei Viertel von ihnen haben in den vergangenen 40 Jahren dicht gemacht – doch das Verschwinden der britischen Tankstelle hat wohl noch keine Bürgerinitiative auf den Plan gerufen. Beim Pub hingegen, dieser urbritischen Institution, ist der Aufschrei groß: Derzeit machen im Schnitt jede Woche 25 von ihnen zu. So mancher Brite beklagt gar den Verlust eines kulturellen Erbes.

„Der Mist im Fernsehen, der hat dem Pub den Todesstoß versetzt“, sagt Steve Bannister. Er betreibt mit seiner Frau den „Lamb Inn“ im nordenglischen Dorf Rainton. „Die Leute besorgen sich Essen zum Mitnehmen, ein paar Dosen Bier und gucken eine Casting-Show.“

Viele Faktoren machen dem Pub zu schaffen: schärfere Alkoholkontrollen, Rauchverbote und billiger Alkohol aus dem Supermarkt. Aber auch sich verändernde Gewohnheiten – seit 2010 ist der britische Bierumsatz um ein Viertel gesunken, Wein erfreut sich dagegen größerer Beliebtheit. Als eine Reaktion auf die Pub-Krise hat die Regierung die Steuern auf Bier und Cider gesenkt. Es sind aber auch nicht-wirtschaftliche Gründe, die zum Abgesang des Pubs beitragen: Die althergebrachte Domäne des männlichen, weißen Briten, der leicht schäbige Eckpub, wirkt zunehmend verstaubt.

„Pubs müssen sich ändern, sie müssen etwas bieten, das man sonst nirgends bekommt“, fordert David Brazier von der Initiative CAMRA, die sich dafür einsetzt, dass Pubs neben herkömmlichen Bieren auch Ales – also traditionelle obergärige Biere – ausschenken. So mancher der schätzungsweise 45.000 noch bestehenden Pubs hat diese Marktlücke erkannt und verkauft Bier aus örtlichen Kleinbrauereien. Andere konzentrieren sich auf das nicht-flüssige Angebot. Im „Lamb Inn“ der Bannisters etwa gibt es auch Lebensmittel – und die 150 Einwohner Raintons erhalten regelmäßig Flugblätter mit den Menü-Specials.

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