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12.02.2013

08:11 Uhr

Quartalsbilanz

Stahlgeschäft beschert Thyssen-Krupp Gewinneinbruch

Die Flaute am Stahlmarkt belastet den Industriekonzern Thyssen-Krupp weiterhin. Im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres sinken Umsatz und Gewinn drastisch. Der eingeschlagene Sparkurs zeigt noch keine Wirkung.

Stahlwerk des Industriekonzerns Thyssen-Krupp in Duisburg: Die schwache Sparte belastet den gesamten Konzern. dpa

Stahlwerk des Industriekonzerns Thyssen-Krupp in Duisburg: Die schwache Sparte belastet den gesamten Konzern.

EssenDas schwache Stahlgeschäft in Europa macht Thyssen-Krupp auch im neuen Geschäftsjahr gehörig zu schaffen. Der Umsatz sei im ersten Quartal 2012/13 um acht Prozent auf 8,837 Milliarden Euro geschrumpft, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) fiel um 38 Prozent auf 229 Millionen Euro.

Im europäischen Stahlgeschäft, in dem Konzernchef Heinrich Hiesinger mehr als 2000 Stellen streichen will, schmolzen die Gewinne zusammen. Gleichwohl bekräftigte Hiesinger die Prognose, wonach das bereinigte Ebit des Konzerns im Gesamtjahr (per Ende September) bei einer Milliarde Euro liegen soll.


Thyssen-Krupp hatte für das erste Quartal einen operativen Gewinn von rund 200 Millionen Euro in Aussicht gestellt. „Wir sind auf gutem Weg, unsere operativen Ziele im Gesamtjahr zu erreichen“, sagte Hiesinger, räumte jedoch ein, dass der Konzern mit der heutigen Ertragskraft nicht zufrieden sein könne. Der Auftragseingang im Konzern lag ersten Quartal mit 9,6 Milliarden Euro auf Vorjahresniveau.

Unter dem Strich verdiente Thyssen-Krupp noch 29 Millionen Euro nach 41 Millionen im Vorjahreszeitraum. Hier hatten die Marktexperten mehr erwartet. Im Geschäftsjahr 2011/12 hatte Thyssen-Krupp einen Nettoverlust von fünf Milliarden Euro eingefahren.

Die Baustellen von Thyssen-Krupp

Schwere Krise

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Stahlwerke in Übersee

Was der Aufstieg zum weltumspannenden Stahlkonzern werden sollte, endete als Investitionsruine. Fehlplanungen ließen die Kosten explodieren. Schließlich belief sich die Gesamtrechnung auf rund zwölf Milliarden Euro für die riesigen Anlagen in Brasilien und im US-Bundesstaat Alabama. Thyssen-Krupp sieht inzwischen keine Chance mehr, die Anlagen unter dem eigenen Dach profitabel zu machen. Geplant auf dem Höhepunkt des Stahlbooms Mitte des vergangenen Jahrzehnts passen die Annahmen heute nicht mehr. Im Mai vergangenen Jahres stellte Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger die Werke zum Verkauf.

Schelte von den Aktionären

Auf der Jahreshauptversammlung Mitte Januar musste sich die Thyssen-Krupp-Führungsriege heftige Schelte von den Aktionären gefallen lassen. Trotz aller Anstrengungen in der Vergangenheit sei es nicht gelungen, Fehlentwicklungen zu verhindern, räumte Aufsichtsratschef Gerhard Cromme ein. „Rechtlich korrekte Entscheidungen bedeuten nicht zwangsläufig auch gute unternehmerische Entscheidungen.“ Konzernchef Hiesinger zeigte sich zuversichtlich, den geplanten Verkauf der Stahlwerke des Konzerns in Brasilien und den USA bis zum Herbst abschließen zu können. Der Verkauf gehe voran. Bei den Stahlwerken handele es sich um die „größte Baustelle“ des Konzerns.

Schulden

Durch den Bau der neuen Stahlwerke sind die Schulden auf mehr als 5 Milliarden Euro gestiegen. Seit Jahren verbrennt der Konzern Geld. Dadurch sind auch Investitionen in Wachstumsfelder schwierig.

Dubiose Geschäfte

In der Vergangenheit war der Konzern in zahlreiche Kartelle verstrickt - nach unerlaubten Absprachen im Edelstahlsektor und bei Rolltreppen machte zuletzt ein Schienenkartell Schlagzeilen. Thyssen-Krupp wurde jeweils zu hohen Strafen verdonnert und muss sich auf Schadensersatzansprüche einstellen. Hinzu kommen Vorwürfe, dass Mitarbeiter mit zweifelhaften Zahlungen Geschäfte im Ausland angestoßen haben sollen. Cromme betonte auf der Hauptversammlung, dass derartige Verstöße vom Aufsichtsrat „mit Nachdruck“ verurteilt würden.

Während das Aufzugsgeschäft zulegen konnte, brachen im europäischen Stahlgeschäft die Gewinne wegen der schwachen Nachfrage und gefallener Preise ein. Bei Thyssen-Krupp Steel Europe schmolz der Gewinn gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 30 Millionen Euro von 102 Millionen zusammen.


Kommentare (1)

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MBoudik

12.02.2013, 08:36 Uhr

Die Zahlen sind grausam. Hier kommen große Aufgaben auf Vorstand und Mitarbeiter zu. Hoffentlich gelingt die Wende zum Guten. Das wäre eine wirklich anerkennenswerte Management-Leistung.

ThyssenKupp hat einen deutlich negativen Cash flow, egal wie man diesen definiert. Das begrenzt den Handlungsspielraum ganz erheblich.

Das Problem der Betriebsrenten wird - wieder mal - verschwiegen. Hier muss man sich den Tatsachen stellen und aufzeigen, wie man die Zusagen erfüllt. Potentielle Käufer werde diese Last nicht übernehmen wollen.

Immer noch werden diese unzeitgemäßen „Luxus-Betriebsrenten“ teilweise neuen Mitarbeitern versprochen.


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