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13.03.2014

15:37 Uhr

Quelle-Erbin Schickedanz

Naiv in die Pleite

Im Untreue-Prozess gegen die Führung des Bankhauses Sal. Oppenheim gibt sich die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz ahnungslos. Sie habe ihren Beratern voll vertraut – und darum ihr ganzes Vermögen verloren.

Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz muss im Landgericht Köln gegen die Sal.Oppenheim aussagen. dpa

Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz muss im Landgericht Köln gegen die Sal.Oppenheim aussagen.

Köln„Geboren am 20. Oktober 1943“, von „Beruf Hausfrau“ - so beginnt die mit Spannung erwartete Aussage der Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz vor dem Landgericht Köln. Sie sagt im Untreue-Prozess um den Niedergang des Bankhauses Sal. Oppenheim aus, der eng verknüpft ist mit der Pleite des Arcandor-Konzerns 2009, durch den die einst zu den reichsten Deutschen gehörende Frau große Teile ihres Erbes verlor. Schickedanz habe dabei fast blind ihren Beratern vertraut, sagt sie vor Gericht. Zu den Beratern zählte der Immobilienunternehmer Josef Esch, der nur wenige Meter neben dem Zeugenstand ebenso wie Mitglieder der einstigen Sal.-Oppenheim-Führung auf der Anklagebank sitzt.

„Das kann ich nicht beschwören“, „den genauen Zeitpunkt weiß ich nicht“, „das sollten sie besser meinen Mann fragen“ und immer wieder: „Da hab ich mich ganz auf ihn verlassen“, beteuert sie - und meint damit Esch und die Bank. Sie hat den Berater und die ehemalige Hausbank ebenfalls in Köln in einem Zivilverfahren auf 1,9 Milliarden Euro Schadenersatz verklagt. Schickedanz wirft ihnen Falschberatung vor. Die Quelle-Erbin hatte sich in großem Stil an KarstadtQuelle und dem daraus hervorgegangenen Arcandor-Konzern beteiligt - und die Investitionen teils durch Kredite finanziert.

Karstadts Krisen-Chronik (Teil 1)

Keine Wende

Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

1. September 2009

Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird das Insolvenzverfahren eröffnet.

1. Dezember

Zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern sollen nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

15. März 2010

Beim Essener Amtsgericht wird ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu.

1. Juni

Von bundesweit 94 Kommunen haben bis auf drei alle einem Verzicht auf Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher.

7. Juni

Die vom Privatinvestor Nicolas Berggruen gesteuerte Berggruen Holding erhält vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen.

14. Juni

Eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten endet ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

26. August

Berggruen hat sich mit der Essener Valovis-Bank geeinigt. Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es.

2. September

Die Highstreet-Gläubiger stimmen den von Investor Berggruen geforderten Mietsenkungen zu.

30. September

Das Essener Amtsgericht hebt das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

Richterin Sabine Grobecker versucht mit ihren Fragen herauszufinden, in welcher Beziehung die 70-Jährige zu dem Traditionsbankhaus stand und welche Ereignisse die Schieflage und letztlich die Pleite des Arcandor-Konzerns begleiteten. „Der erste Kredit, den ich bei Sal. Oppenheim aufgenommen habe, war 2001“, sagt die dunkel gekleidete Quelle-Erbin mit zittriger Stimme, „das so genannte Krimhild-Darlehen.“ Im ersten Halbjahr 2002 trat dann Esch in ihr Leben - er besuchte sie in St. Moritz. Esch habe gesagt, man müsse Vertrauen aufbauen.

Esch sei dann immer öfter vorbeigekommen. Im Laufe der Zeit habe sie immer mehr Dokumente unterzeichnet - „ich weiß es nicht mehr, was ich alles unterschrieben habe“, resümiert Schickedanz. Sie habe sich vielmehr um ihre schwerkranke Tochter kümmern müssen und habe Esch und dem Bankhaus vertraut. Ihr finanzielles Engagement bei Arcandor stieg immer weiter. An einzelne Kredite könne sie sich aber „weiß Gott“ nicht mehr erinnern.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

13.03.2014, 16:12 Uhr

Wer zahlt eigentlich die Karstadt-Betriebsrenten oder haben die Herrschaften die Altersversorgungen der Mitarbeiter
auch durchgebracht.

Account gelöscht!

13.03.2014, 16:23 Uhr

Hinter jedem stupid money steckt auch ein Kopf. Könnte aus der FAZ sein...und passt auf diese Frau ganz besonders.

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