Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.03.2012

09:30 Uhr

Ranking

Was Deutschlands beste Arbeitgeber anders machen

VonKatrin Terpitz

Das Handelsblatt hat nach „Deutschlands besten Arbeitgebern“ gesucht. Das Ergebnis zeigt: Unternehmen tun gut daran, sich um zufriedene Mitarbeiter zu bemühen. Wie die Arbeit bei den Top-Firmen aussieht.

Der Bremer Bäckermeister Jörn Beckmann beißt in eine Scheibe der Marke „Schiffsbrot“. ap

Der Bremer Bäckermeister Jörn Beckmann beißt in eine Scheibe der Marke „Schiffsbrot“.

BerlinFünf Jahre lang arbeitete IT-Spezialist Uwe Rotermund als Angestellter. Die Zeit verbindet er mit unguten Erinnerungen. „Es herrschte eine Kultur des Misstrauens. Selbst externen Beratern wurde mehr vertraut als den eigenen Leuten“, berichtet er. Damals schwor er sich: „Wenn ich einmal selbst Chef bin, sollen sich alle in der Firma vertrauen und freundschaftlich zusammenarbeiten.“

Ab 1997 konnte er seine guten Vorsätze in die Tat umsetzen. Rotermund kaufte einen Teil einer IT-Beratung in Münster, in der er zuletzt tätig war. Fortan entwickelte er mit Noventum Consulting seine eigenen Ideen von guter Arbeitsplatzkultur. Wichtig für ihn: Mitarbeitern zuhören, sich gegenseitig wertschätzen und jedem genug Freiraum zur Entfaltung geben.

Grundregeln für die Büro-Beziehung

Tratsch und Klatsch

Flirten Sie nicht ganz so ungehemmt wie sonst. Jede Firma hat ihren Tratsch und Klatsch und Ihrer beruflichen Reputation wird es nichts nützen, wenn Sie die Medaille für den „Flirt des Jahres“ bekommen.

Zurückhaltung, bitte!

Wenn Sie gezielt auf der Suche nach kurzfristigen Affären sind, so suchen Sie sich lieber ein anderes Spielfeld dafür.

Keine Vorteile

Verschaffen Sie sich durch einen Flirt oder eine Beziehung keine Vorteile am Arbeitsplatz.

Bleiben Sie professionell

Bleiben Sie auch in einer Beziehung professionell und behandeln Sie den anderen im beruflichen Kontext als Kollegen, Einkäufer, Dienstleister oder was auch immer und nicht als Partner. Wenn Sie das nicht schaffen, weil Sie dann zum Beispiel nicht so hart verhandeln können, dann lassen Sie sich in diesen Situationen vertreten oder Sie lassen sich ganz versetzen.

Missverständnisse vermeiden

Lassen Sie besondere Vorsicht und Sorgfalt walten, wenn es sich um einen Flirt und vielleicht mehr mit einem Vorgesetzten oder Untergebenen kommt. Hier ist es besonders wichtig, von vornherein dafür zu sorgen, dass es keine Missverständnisse gibt und sich Dienstliches nicht mit Privatem vermischt.

Händchen halten

Achten Sie auch in einer besonders verliebten Phase auf Ihre Kommunikation und Ihr Verhalten vor Kollegen. Händchen haltenden Kollegen sind nicht unbedingt gerne gesehen.

Auf die Arbeit konzentrieren

Denken Sie daran, dass es Ihre bezahlte Arbeitszeit ist, die Sie im Unternehmen verbringen und dass Sie sich selbst große Probleme bereiten können, wenn Sie zu oft im Gespräch mit Ihrer neuen Liebe gesehen werden. Bedenken Sie auch, dass Ihre E-Mails gelesen werden könnten!

Zum richtigen Zeitpunkt öffentlich machen

Überlegen Sie gut, wann ein geeigneter Zeitpunkt ist, die Kollegen darüber zu informieren, dass Sie nun ein Paar sind. Warten Sie auf jeden Fall einige Zeit ab, bis Sie diesen Schritt tun. Sie beide sollten sich sicher sein, dass Sie nun in einer festen Beziehung sind. Dann ist es auch wichtig, sich dazu zu bekennen, um eventuelle Gerüchte nicht erst aufkochen zu lassen und auch vorzubeugen, dass man Ihnen Interessenskonflikte vorwerfen könnte.

Gefühle sind Privatsache

Sprechen Sie mit Kollegen nicht ausführlich über Ihre Beziehung und Ihre Gefühle – weder in einer frisch verliebten Phasen, noch wenn Sie sich doch trennen sollten. Bleiben Sie professionell, lächeln Sie und biegen Sie das Gespräch in eine andere Richtung, falls die Fragen zu hartnäckig sind.

Kommen und gehen

Achten Sie darauf, nicht zusammen zu kommen und zu gehen, wenn Sie noch kein offizielles Paar sind.

Arbeitsessen oder Date?

Sorgen Sie auch bei sich selbst dafür, dass Ihnen in einer Phase des Kennenlernens klar ist, ob Sie nun ein Arbeitsessen oder ein „Date“ haben.

Betriebsfeste

Weihnachtsfeiern oder andere Betriebsfeste sind keine gute Möglichkeit, nach einigen Gläsern Wein all seinen Mut zusammen zu nehmen und vor der reizenden Kollegin aus der Buchhaltung auf die Knie zu sinken um ihr endlich zu sagen, wie wunderbar sie ist.

Die Zeit nach der Beziehung

Bedenken Sie bei einer Beziehung im beruflichen Umfeld immer deren mögliche Endlichkeit (auch wenn das nicht sehr romantisch ist), schließlich wird inzwischen rund jede zweite Ehe geschieden. Das Haltbarkeitsdatum für Beziehungen ist also zumindest im Durchschnitt noch kürzer. Bedenken Sie einfach die Konsequenzen, was das für Konsequenzen für Sie, Ihren Beruf und Ihre Karriere hat, wenn Sie Ihre Beziehung nun öffentlich machen und diese in sechs Monaten wieder zu Ende ist. Die Erfahrung lehrt, dass Frauen meist den Kürzeren ziehen und mit negativen Folgen rechnen müssen.

Quelle: Nandine Meyden, „Karrierekiller. Versteckte Fallen auf dem Weg nach oben“, Berlin 2011, ISBN: 978-3-430-20118-6

Rotermunds Strategie ist aufgegangen. Noventum ist heute nicht nur wirtschaftlich erfolgreich. Zum dritten Mal in Folge erreichte die IT-Beratung Platz eins bei „Deutschlands Beste Arbeitgeber“ in der Kategorie 50 bis 500 Mitarbeiter. Auf Platz zwei und drei folgen 2012 Atrias Personalmanagement und der Spielzeughersteller Lego. Great Place to Work, die Experten für Arbeitsplatzkultur, und das Handelsblatt zeichneten gestern Abend in Berlin insgesamt 100 Sieger in vier Firmenklassen aus.

Das Geheimnis des Erfolgs von Noventum Consulting? Eine gute Arbeitsplatzkultur ist hart erarbeitet und kostet viel Zeit und Mühe, betont Rotermund. „Da müssen andere Dinge, die scheinbar wichtiger sind, wie Kundenakquise, auch mal warten.“ Doch die Investition in Mitarbeiter zahle sich langfristig in barer Münze aus.

Das bestätigt die Analyse der 100 besten Arbeitgeber. 48 Prozent der Siegerfirmen bezeichnen ihre Gewinnentwicklung im Branchenvergleich als „überdurchschnittlich“, weitere 24 Prozent sogar als „stark überdurchschnittlich“. Die Besten schaffen zudem mehr neue Stellen als vergleichbare Unternehmen.

„Gute Arbeitgeber sind keine Sozialromantiker, sondern erfolgreiche Leistungsgemeinschaften“, bringt es Frank Hauser, Geschäftsführer von Great Place to Work Deutschland, auf den Punkt. 88 Prozent der Mitarbeiter der 100 Sieger sagen: „Ich bin stolz auf das, was wir gemeinsam leisten.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×