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09.02.2001

10:42 Uhr

Rankings haben vor allem in den USA große Bedeutung

Business Schools: Wharton wird Weltmeister

VonCHRISTOPH MOHR

Welches sind die besten Business Schools? Über die 15 besten MBA-Programme herrscht weitgehend Einigkeit.

HB DÜSSELDORF. "Was haben Business Schools und Fußball gemein? – Hochbezahlte Spieler und Teamchefs und Ranglisten.“ Die ironische und leicht genervte Bemerkung eines britischen Universitätschefs deutet an, wie weit entfernt die internationale Business-School-Welt vom deutschen Hochschulsystem ist.

In der Tat gleicht die Welt der kommerziell operierenden Anbieter von MBA (Master of Business Administration)-Programmen immer mehr dem internationalen Fußball-Zirkus: Management-Gurus verhandeln Höchstgehälter, die Deans (Dekane) werden per Headhunter gesucht, und Ranglisten definieren den Marktwert.

Vor allem in den USA haben solche Rankings spürbare Wirkung. Je besser eine Schule abschneidet, desto mehr Bewerber gibt es für die Programme. Und je besser die Schule bewertet wird, desto mehr kann sie in der Regel auch von ihren Studenten an Studiengebühren verlangen.

So erstaunt es kaum, dass mancherorts das Erscheinen dieser Ranglisten herbeigezittert wird. Zwei Ranglisten (mit unterschiedlicher Methodik) haben besonderen Einfluss: die des US-Wirtschaftsmagazins „Business Week“ und die der britischen Wirtschaftszeitung „Financial Times“.

Als „Business Week“ vor über einem Jahrzehnt daran ging, das MBA-Angebot US-amerikanischer Hochschulen zu bewerten, ging ein Aufschrei durch die Welt der Business Schools. Heute ist das Ranking das wohl einflussreichste in den USA.

Entscheidend bei Ranglisten dieser Art sind Definition und Gewichtung der Bewertungsgrößen. Viele Jahre hat sich „Business Week“ dabei auf das einfachste (und brutalste) Kriterium verlassen: die „costumer satisfaction“. Befragt wurden die „Kunden“, die für die teuren MBA-Programme zahlen, einerseits die Studenten, andererseits die Unternehmen, die MBA-Absolventen deutlich besser bezahlen als andere. Zum ersten Mal hat „Business Week“ auf dem letzten Ranking auch den intellektuellen Output und den Einfluss der Schulen („intellectual capital“) zu bewerten (Gewichtung zehn Prozent) versucht. Befragt wurden über 10 000 Studenten und fast 250 Unternehmen, die MBA-Absolventen einstellen.

Während „Business Week“ im Wesentlichen US-amerikanische Schulen bewertet, geht die „Financial Times“, die erst seit drei Jahren in diesem Geschäft, das auch viele Anzeigenkunden ins Blatt holt, mitspielt, einen anderen Weg: Die FT-Rangliste bewertet einhundert MBA-Programme in aller Welt, ohne Unterschied zwischen Europa und den USA. Gewertet wird nach über einem Dutzend verschiedener Kriterien, wobei der Marktwert des MBA (Gehalt der Absolventen), die Internationalität der Schule und die Forschungsleistung letztlich den Ausschlag geben.

Die „Financial Times“ hält also ihre differenzierende Bewertung der Holzhammermethode von „Business Week“ entgegen. Ihr Problem ist allerdings, dass selbst kleine Veränderungen der Parameter eine Schule um mehrere Plätze auf- oder absteigen lassen können. Und wie sind einzelne Kriterien zu gewichten? Der Umstand etwa, dass die „Financial Times“ in diesem Jahr besonderen Wert auf Promotionsprogramme legt, ließ gute Schulen wie etwa Ashridge, das Instituto de Empresa (Madrid) oder Cornell zu Verlierern werden. „Und wie wichtig für die Qualität eines MBA-Programms ist der Anteil an weiblichen Studenten?“, fragt Professor Bernard Ramanantsoa, Dean der französischen Topschule HEC.

„Die Methodik, die dem FT-Ranking zugrunde liegt, ist sehr US-orientiert“, kritisiert Professor Leo Murray, Dean der Cranfield School of Management. „Wir haben ganz sicher nicht die Absicht, radikale Änderungen an unserem MBA-Programm vorzunehmen, nur um uns auf dem FT-Ranking zu verbessern.“

Als beste Business School der Welt gilt derzeit die Wharton School in Philadelphia. Die Management-Schule der University of Pennsylvania belegt auf dem „Business Week“-Ranking zum vierten Mal in Folge den ersten Platz und entthront nun auch bei der „Financial Times“ erstmals den Erzrivalen Harvard Business School. „Wharton schlägt Harvard“ titelte denn auch die Presse.

Bei genauerer, weniger „schlagzeilenträchtiger“ Betrachtung der FT-Rangliste zeigt sich jedoch, dass sich in der Spitzengruppe im Vergleich zum Vorjahr wenig getan hat. Die erste Liga der Business Schools wird unverändert dominiert von den forschungsstarken US-amerikanischen Schulen, unter die sich die drei europäischen Schulen Insead (Fontainebleau/Frankreich), London Business School und IMD (Lausanne/Schweiz) mischen.

Auch der Vergleich der Ranglisten von „Financial Times“ und „Business Week“ zeigt, dass über die erste Liga der Business Schools weitgehend Einigkeit herrscht. Auf beiden Rankings sind die Namen der fünfzehn besten Schulen nahezu identisch; ihre unterschiedliche Platzierung erklärt sich vor allem durch die unterschiedliche Gewichtung der Bewertungskriterien. Das führt dann schon einmal zu erstaunlichen Resultaten: Die Stanford Graduate School of Business etwa, die in den USA landläufig neben Wharton und Harvard als die beste Business School gilt, findet sich bei „Business Week“ nur auf Platz 11 wieder. Und die University of Chicago, die mehrere Nobelpreisträger zu ihren Dozenten zählt, nur auf Platz 10.

„Business-School-Rankings sind ein notwendiges Übel“, sagt Professor Dominique Turpin, MBA-Programmdirektor am IMD. „Natürlich freut sich die Nummer eins, und alle anderen haben mehr oder minder gute Gründe, sich zu beschweren.“

Und manchmal kommt es auch auf die richtige Lektüre an. Beim Ashridge Management College, das zu den großen „Verlierern“ des FT-Rankings gehört, erklärt MBA-Director Steven Robinson: „Natürlich sind wir enttäuscht über das schlechte Abschneiden. Aber wir liegen bei der FT schlecht, weil wir kein Doktoranden-Programm haben. Doch bei den Verdienstchancen gehören wir auch bei der FT in Europa zu den Top 3.“

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