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10.07.2012

14:21 Uhr

Ratan Tata

Rastloser Revolutionär in Altersteilzeit

VonSebastian Ertinger, Helmut Hauschild, Stefan Mauer

Der indische Industrielle Ratan Tata trat an, den westlichen Autokonzernen das Fürchten zu lehren. Doch die Kampfansage des indischen Industriellen an die etablierte Konkurrenz war nur ein Gefecht unter vielen.

Chef eines Familienimperiums: Ratan Tata. dapd

Chef eines Familienimperiums: Ratan Tata.

Mumbai/DüsseldorfWichtige Entscheidungen fällt Ratan Tata unter den Augen von Urgroßvater Jamsedji. Verewigt als Marmorbüste blickt der legendäre Gründer der Tata-Gruppe streng auf den schweren ovalen Edelholztisch im "Boardroom" der Firmenzentrale in Bombay herab. Der Sitzungsaal mit seinen holzvertäfelten Wänden, weinrot gepolsterten Stühlen und der altmodischen Uhr atmet 140 Jahre Geschichte. Die Zeit, so scheint es, ist bei Tata ein langer ruhiger Fluss.

Doch der Eindruck täuscht. Der Chef der Familienholding Tata Sons entfacht immer wieder Revolutionen. So machte er mit der Einführung des Billigautos Tata Nano den etablierten westlichen Herstellern eine Kampfansage. Er propagierte das Fahrzeug als das billigste viersitzige Auto der Welt und wollte den Markt aufmischen.

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Der Markt für Billigautos soll in den kommenden Jahren massiv wachsen. Doch bisher beherrschen Asiaten das Segment. Die deutschen Autobauer, vor allem VW, drohen den Anschluss zu verlieren, prophezeit eine neue Studie.

Außerdem erhob Ratan Tata erstmals einen Ausländer zum Chef der Tochtergesellschaft Tata Motors, die den Nano baut. Carl-Peter Forster kam vom US-Konzern General Motors, hielt sich aber nur 18 Monate an der Spitze des indischen Autobauers.
Der Patriarch Tata riss auch in anderen Bereichen überkommene Mauern ein. So hat er ein Programm für mehr Frauen in seinem Unternehmen angekündigt, eine Selbstverpflichtung der Industrie gegen Kasten-Diskriminierung gefordert.
Der unruhige Geist von Ratan Tata reicht schon lange zurück. Er formte den Familienkonzern von einem Konglomerat zu einem der erfolgreichsten Unternehmen Indiens, seit er 1991 den Chefposten übernommen hatte. Der Revolutionär drängte gegen heftigen Widerstand zunächst die vergreiste Führungsriege heraus.

Dann verordnete er dem wenig profitablen Konglomerat, das von Salz bis Software fast jedes Produkt im Portfolio hatte, einen radikalen Umbau. Und schließlich startete er entschlossen wie kein anderer indischer Unternehmer die Internationalisierung des fast nur auf dem heimischen Markt präsenten Konzerns.

Doch 75 Jahre sind das höchste zulässige Pensionsalter bei der Tata Group. Das gilt auch für den nun 74-jährigen Chef. Sogar bei der Benennung des eigenen Nachfolgers wagt Tata den Bruch mit Traditionen. Der Bauunternehmer Cyprus P. Mistry rückte als stellvertreter Vorsitzender in den Vorstand von Tata Sons. Bis Ende 2012 soll er das Unternehmen gemeinsam mit Ratan Tata führen, anschließend wird er allein verantwortlich sein.


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