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31.01.2007

13:28 Uhr

Ratan Tata

Ruhiger Kämpfer

VonOliver Müller

Nach Lakshmi Mittal hat die Welt ihren zweiten indischen Stahlbaron bekommen: Durch Tata Steels Übernahme von Corus für 12 Mrd. Dollar wird Ratan Tata künftig über die Zukunft der Branche ein entscheidendes Wort mitreden. Doch wer ist dieser Mann, der als Indiens mächtigster Wirtschaftsboss gilt?

Mit Ruhe und Besonnenheit hat Ratan Tata das Familienimperium zukunftssicher gemacht. Foto: ap ap

Mit Ruhe und Besonnenheit hat Ratan Tata das Familienimperium zukunftssicher gemacht. Foto: ap

DELHI. Dass dem Chairman der Tata-Gruppe der Coup gelingt, hatten bis Dienstagabend selbst in Indien viele bezweifelt. Tata gilt als konservativ und schuldenscheu, sein Rivale um Corus, CSN-Chef Benjamin Steinbruch, als aggressiv und risikofreudig. Die bislang mit Abstand teuerste indische Übernahme in Übersee macht aus der bisherigen Nummer 56 der globalen Stahlbranche mit einem Schlag die Nummer 5. Dieser Sieg macht den Tata-Chef zum Super-Helden in der Heimat. „Die Internationalisierung unserer Firmen hat mit diesem Deal einen neuen Höhepunkt erreicht“, jubelt R. Seshasayee, Chef des Industrieverbands CII, „er ist ein Symbol für ein neues, selbstbewusstes Indien“.

Für viele Analysten hat Tata einen zu hohen Preis gezahlt, die Tata-Steel-Aktie gab am Mittwoch um bis zu 10 Prozent nach. Doch dass Asiens ältester Stahlkocher nun einen fast viermal größeren Rivalen im Westen schlucken kann und dafür hohe Verbindlichkeiten einzugehen wagt, zeigt, wie radikal der Chairman seinen Konzern seit seinem Amtsantritt 1991 umgebaut hat.

Firmen-Labyrinth

Im selben Jahr als Indien seine sozialistische Wirtschaftsordnung über Bord warf, übernahm Ratan Tata von seinem Onkel die Zügel eines labyrinthischen Konglomerats. Unsanft weckte er den Industrieriesen aus dem Dornröschenschlaf. Er pochte gegen massiven Widerstand auf Wachstum und Effizienz, stampfte verkrustete Hierarchien ein und baute den Konzern radikal um. Von 300 Gruppenfirmen sind nach Verschmelzung, Schließung und Verkauf heute noch 90 übrig. Die meisten sind generalsaniert.

Die Stahlsparte Tata Steel zum Beispiel war ein schwerfälliger Koloss, der mit alter Technologie und einer aufgeblähten Belegschaft teuer produzierte. Der neue Chairman setzte harte Kostensenkungen durch, baute die halbe Belegschaft ab und strukturierte die Abläufe um. Das macht den Stahlkocher heute zu einem der billigsten Hersteller der Welt. Mit einer Jahresproduktion von nur 5,2 Mill. Tonnen machte Tata Steel im vergangenen Jahr 840 Mill. Dollar Gewinn, fast so viel wie Corus mit 18 Mill. Tonnen.

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