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25.11.2013

15:01 Uhr

Ratgeber-Buch

Utz Claassens Ratschläge für Manager

VonThorsten Giersch

Utz Claassen gilt als einer der talentiertesten, aber auch streitbarsten Manager. Das zeigt er auch in seinem neuen Buch „Unbequem“ . Die Lektüre des polemischen Ratgebers mit autobiografischen Zügen lohnt sich trotzdem.

Utz Claassen mit seiner Biographie „Unbequem“: Woher nimmt der Manager die Zeit zum Schreiben? dpa

Utz Claassen mit seiner Biographie „Unbequem“: Woher nimmt der Manager die Zeit zum Schreiben?

DüsseldorfNach seinem Ausflug in die Romanwelt ist Utz Claassen zum Sachbuch zurückgekehrt. Zum Glück, möchte man sagen. Wobei sich ohnehin die Frage stellt, woher sich der Manager all die Zeit zum Schreiben nimmt: Nach dem Roman „Atomblut“ (2012) und der politischen Abrechnung „Wir Geisterfahrer“ (2009) ist „Unbequem“ das dritte Buch in wenigen Jahren.

Aber Claassen – so lässt er auch in seinem aktuellen Buch immer wieder wissen – schläft wenig und ist ein sehr fleißiger Mensch. Unbequem ist sein Lebensmotto. Mut zur Wahrheit und die Überbetonung von preußischen Tugenden zeichnen ihn aus. Ebenso wie den Mangel an Bescheidenheit. Claassen nutzt die 300 Seiten, um sich und seine Fähigkeiten in einem völlig ungewöhnlichen Maß an Angeberei darzustellen.

Wie er mit 17 sein Abitur mit der Durchschnittsnote 0,7 („Ich wusste, dass mein Abitur Geschichte schreiben würde“) machte, wird genauso ausschweifend erklärt wie all die Sanierungserfolge bei Seat oder EnBW. Und wie er seine „bildhübsche“ Frau ehelichte. Und dass er bei seinen 19-Stunden-Tagen zwischendurch gern Zigeunerschnitzel und große Hamburger genoss. Ein Schelm, wer sagt, dass man ihm das ansieht.

Die besten Zitate von Utz Claassen

Abitur

Genau um 11:11 Uhr am 11.11. wusste ich, dass mein Abitur Geschichte schreiben würde. Am Ende erreichte ich mit gerade einmal 17 Jahren insgesamt den rechnerischen Notendurchschnitt 0,7.

Respekt

Ich bringe jedem Menschen grundsätzlich den gleichen Respekt entgegen, egal ob er über Milliarden gebietet oder die Toilette putzt.

Querdenker

Der oder die Querdenkende ist nicht nur hilfreich, sondern sogar erforderlich, um durch das Einbringen einer anderen, zusätzlichen Perspektive uns erst in die Lage zu versetzen, die richtigen Beurteilungen und Bewertungen vorzunehmen und darauf aufbauend dann die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Querulant oder Pionier

Wer zielführend querdenkt, ist nicht etwa ein Querulant, sondern vielmehr ein Pionier und Innovator. Wir können als Gesellschaft nicht stets Innovation und Zukunftsfähigkeit fordern, ohne zugleich Raum für Querdenken und Hinterfragen zu geben.

Erfolg

Erfolg lässt sich nicht erzwingen. Aber man kann mit einer angemessenen Mischung aus Kompetenz, Fleiß und Unbequemlichkeit die Wahrscheinlichkeit, erfolgreich zu sein, sehr deutlich erhöhen.

Bewusst leben

Wer nur Bewusstseins- und Glückzustände optimiert, statt bewusst zu leben und zu gestalten, hat am Ende womöglich umsonst gelebt.

Fragen, die sich jeder stellen sollte

Bin ich noch frisch genug? Bin ich noch unbefangen genug? Bin ich noch radikal genug? Bin ich noch revolutionär genug? Bin ich noch schnell genug? Bin ich noch mutig genug? Und vor allem: Bin ich eigentlich noch unbequem genug? Diese Fragen sollte sich jeder von uns jeden Tag stellen.

Selbstüberwindung

Wer sich einmal selbst überwunden hat, wer auch nur ein einziges Mal gegenüber sich selbst so unbequem und so unnachgiebig war, dass er zu einem fast unmöglich erscheinenden Erfolg getragen wurde, der weiß, dass er es im Zweifelsfall immer wieder schaffen kann.

Nur Erfolg zählt

Mir persönlich ist es deshalb egal, ob meine MitarbeiterInnen und Führungskräfte ihre Arbeit in der Badewanne erledigen oder am Schreibtisch, im Whirlpool oder im Büro, freudig am Konferenztisch in Hannover oder konzentriert im Freudenhaus in Bangkok. Solange sie sich dabei rechtmäßig, anständig und korrekt verhalten, zählen für mich nur Arbeitsergebnis und Erfolg.

Nie schwach werden

Werde niemals schwach! Sonst bist du angreifbar – und damit verloren. Werde niemals schwach, egal ob eine Einladung zur Großwildjagd in Botswana auf dem Programm steht, eine Gruppe feuriger und bildhübscher Mulatas im Hotelzimmer wartet – oder auch nur ein einfacher Aktenkoffer voller Geld.

Augen des Teufels

Und lese im Übrigen auch stets mit den Augen des Teufels. Selbst dann, wenn du ein Engel bist. Produziere niemals ein Schriftstück und schreib nie ein Papier, bei dem du Sorgen haben müsstest, wenn du wüsstest, dein größter Feind auf der Welt hätte davon eine Kopie.

Die Botschaft ist eindeutig: Schwimm' gegen den Strom, schone weder dich noch die anderen, sei mutig und wahrhaftig, lasse dich weder brechen noch kompromittieren und sei kein Sklave des Systems. Alles zu hinterfragen, das hält Claassen für eine wesentliche Eigenschaft; kein Stein auf dem anderen zu lassen; Rebellion nicht der Rebellion willen, sondern im Geiste der produktiven Veränderung.

Zu viele Menschen gehen den leichten Weg, so Claassens Kernkritik. Zu wenige sind unbequem, hart zu sich selbst und ehrlich zu den Kollegen, sondern geben sich der „digitalen Verblödung“ hin. Man nehme sich ihn selbst zum Vorbild: Claassen schildert, wie er sich schon als Bub für seine Mitschüler einsetzte und die Lehrer gegen sich aufbrachte. Drei Faktoren seien entscheidend: Man müsse unerpressbar sein, unbestechlich und nicht einzuschüchtern.

Gut sei eben gut, „aber nie gut genug“. Und wenn alle so wären wie er sich selbst darstellt, dann ginge es Deutschland vermutlich wirklich besser. Abgesehen von der Tatsache, dass die allermeisten Menschen mit diesem Mangel an Bescheidenheit, Diplomatie und Rücksicht wohl nicht gut zurecht kämen.

Kommentare (9)

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Der_ewige_Spekulant

25.11.2013, 15:22 Uhr

Utz Claasen: "Gesund, mit 40 in Rente."

Das wär doch mal was - eine Weltformel für die Lösung des Rentenproblems. Hau rein Utz.

ant-iPod

25.11.2013, 15:37 Uhr

Kann mal jemand verraten, warum Utz Claasen so gehypt wird? Außer Unternehmen mit irrwitzigen Abfindungen um ihr Geld zu bringen, hat der Mann doch nichts geleistet.
Warum hört man auf jemanden, der als Synonym für raffgierige Manager ohne Kompetenz das Musterbeispiel abgibt?
Und nein: Andere vertraglich dazu zu bringen, sich abzocken zu lassen, ist keine Leistung!

pitzelpatz

25.11.2013, 16:17 Uhr

Was für ein geisteskranker Hypochonder! Traurig, dass sich ein Sozi wie Oppermann mit dem Abzocker trifft! aber so sind sie halt, die Roten...

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