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21.03.2012

10:03 Uhr

Ratgeber

Die Krisenstrategien für Führungskräfte

VonGero Brandenburg

Fiese Kündigungsgespräche, endlose Meetings, ein voller Terminkalender, unverschämte Mitarbeiter - der Alltag von Vorgesetzten ist hart. Die besten Strategien, um die kniffligsten Probleme von Führungskräften zu lösen.

In der Rubrik „Karriere Tipp“ widmet sich Handelsblatt Online wöchentlich Themen rund um Beruf, Büro und Bewerbung. CAEPSELE

In der Rubrik „Karriere Tipp“ widmet sich Handelsblatt Online wöchentlich Themen rund um Beruf, Büro und Bewerbung.

DüsseldorfEndlich Chef? Herzlichen Glückwunsch. Der Posten bringt neuen Spielraum, aber auch neue Verantwortung mit sich. Ganz gleich ob Sie neu im Unternehmen sind oder in ihrer alten Firma befördert wurden – von Führungskräften wird erwartet, dass sie Probleme lösen. Was machen Sie, wenn Sie einem Mitarbeiter kündigen müssen? Wie bewältigen Sie den wöchentlichen Meeting-Marathon? Wie üben Sie Kritik, ohne zu demotivieren? Und was, wenn Ihr bester Mitarbeiter eine üble Nervensäge ist? 

Die Autoren Timo Hinrichsen und Boris Palluch haben in ihrem Buch „Als unser Kunde tot umfiel …“ 25 knifflige Führungsprobleme analysiert und präsentieren anhand von Musterbeispielen ihre Lösungskonzepte. Handelsblatt Online stellt fünf Strategien vor. Alle Beispiele basieren auf realen Erfahrungswerten der Autoren, die genannten Personen aber sind fiktiv.

Wie Sie ihre Mitarbeiter kritisieren ohne zu demotivieren

Der Fall: Abteilungsleiterin Julia Schröder ist verärgert. Zum wiederholten Mal fühlt sie sich von einer Mitarbeiterin im Stich gelassen. „Wegen meiner zahlreichen anderen Aufgaben kann ich die von Ihnen zugeteilte Aufgabe der Kundenakquise nicht annehmen, weil mir die Zeit fehlt …“ schreibt die Mitarbeiterin in ihrer Antwort-Mail an ihre Vorgesetzte. Zu wenig Zeit? Kaum zu glauben, wohl eher zu wenig Lust, denkt sich Schröder. Ständig sieht sie die Mitarbeiterin in der Kantine oder im Raucherraum. Vor einem Kritikgespräch aber ist der Abteilungsleiterin bange. Zu groß erscheint ihr die Gefahr, dass die Mitarbeiterin auf stur schaltet und zumindest innerlich kündigt. So kurz vor dem vierten Quartal des Geschäftsjahres, dem wichtigsten, erscheint Schröder dies zu riskant. Was tun?

Klassische Fehler:

Auch wenn die Führungskraft zu Recht verärgert sein mag, von einer tüchtigen Gardinenpredigt – schon gar nicht vor dem versammelten Team – sollte man in jedem Fall absehen. So sorgt man nur für eine Atmosphäre der Einschüchterung. Im Kritikgespräch bringt es zudem nichts, zum großen Rundumschlag auszuholen und die Generalabrechnung zu starten („Und überhaupt, was ich Ihnen schon immer mal sagen wollte …“).

Vorsicht auch bei redseligen Mitarbeitern, die sofort 100 Entschuldigungen und Ausreden parat haben und die Führungskraft in die Irre führen wollen, bis überhaupt nicht mehr klar ist, worum es in diesem Gespräch eigentlich gehen sollte. Der Vorgesetzte muss die Zügel in der Hand behalten. Ein Relativieren des Problems bringt ebenfalls nichts („Im Großen und Ganzen machen Sie ja tatsächlich einen guten Job, vergessen wir das also die kleine Unstimmigkeit.“) So kann Kritik nicht funktionieren. Die Führungskraft muss deutlich Stellung beziehen!

So denken Erfolgsmenschen

Der Ratgeber

John C. Maxwell ist einer der meistgefragten Coaches für Mitarbeiterführung in den USA. In seinem Buch „So denken Erfolgsmenschen“ gibt er seine Erfahrungen aus 40 Jahren Beobachtung wieder: Erfolgreiche Menschen haben etwas gemeinsam, nämlich ihre Art zu denken. Es folgen die elf wichtigsten Hinweise in aller Kürze.

Ganzheitlich denken

Denken in großen Zusammenhängen ist eine Grundvoraussetzung. Dafür muss man ständig dazulernen, anderen bewusst zuhören, über den Tellerrand hinausschauen. Das große Ganze zu sehen hilft, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren und leichter in Führungspositionen zu kommen. Dafür braucht es Einsichten aus verschiedenen Quellen und die Abkehr von Sicherheitsdenken.

Konzentriert denken

Fokussiertes Denken bündelt Energien und führt Sie auf ein einziges Ziel hin. Zudem betont Maxwell, dass es Ideen ausreichend Zeit gibt, um sich zu entwickeln. Prioritäten setzen, Ablenkungen vermeiden, klare Ziele und Zeit für Reflektion. Hinterfragen Sie Ihre Fortschritte!

Kreativ denken

Kreatives Denken ist Gold wert, aber nicht zu verwechseln mit originellem Denken, wie man es zum Beispiel von Künstlern kennt. Dazu gehört die Offenheit für neue Ideen und anderen Möglichkeiten zur Problemlösung. Kreative Denker bürsten gegen den Strich, verbinden Unverbundenes und haben keine Angst vor dem Scheitern. Dazu gehört auch eine kreative Umgebung.

Realistisch denken

Jeder Akademiker weiß: Die Unterschiede zwischen Studium und Alltagswelt können immens sein. Bei allem Sinn für das Mögliche: Realistisches Denken verringert Ihr Risiko abzustürzen. Es verleiht Sicherheit und steigert die Glaubwürdigkeit. Also Liebe zur Wahrheit, zwischen Pro und Contra abwägen und fleißig sein bei der Informationsbeschaffung.

Strategisch denken

Strategisches Denken hilft bei der Planung, steigert die Effizient und verringert Risiken. So wird es Ihnen leichter gelingen, sich auf neue Situationen einzustellen. Zerlegen Sie dafür Sachverhalte in kleine Einheiten, fragen Sie nach dem Warum und identifizieren Sie die wesentlichen Ziele.

Möglichkeitsorientiert denken

Auch wenn Barack Obamas Umfragewerte derzeit nicht gut sind – das „Yes we can“ des US-Präsidenten bleibt. Chancen sehen, wo andere nur Risiken vermuten: Das möglichkeitsorientierte Denken verleiht Energie und hält vom Aufgeben ab. Also den Ist-Zustand ständig hinterfragen, eine Nummer größer planen und sich von Leistungsträgern inspirieren lassen.

Reflektierend denken

Halten Sie inne und denken Sie über Ihr Denken nach! Reflektieren verleiht emotionale Integrität und stärkt das Vertrauen. Den Terminkalender ständig überprüfen und die richtigen Fragen stellen. Maxwell gibt hier konkrete Beispiele.

Das gängige Denken hinterfragen

Ein eingefahrener Trott ist selten die effizienteste Arbeitsweise. Hinterfragen Sie das berühmte „Das-Haben-Wir-Schon-Immer-So-Gemacht“. Übernahmen Sie das gängige Denken nicht automatisch! Akzeptieren Sie andere Meinungen und stellen Sie Ihre eigene immer wieder in Frage.

Gemeinsam denken

Mehrere Köpfe denken schneller als einer und gemeinsam ist man innovativer. Also: Laden Sie die richtigen Leute ein, setzen Sie eine effiziente Tagesordnung an, belohnen Sie engagierte Leute und setzen Sie auf Kooperation statt Konkurrenz.

Uneigennützig denken

Uneigennütziges Denken ist nicht nur gut für andere, sondern gibt einem auch selbst Erfüllung. Manchmal tun Sie sich selbst einen Gefallen, wenn Sie anderen den Vortritt lassen. Setzen Sie sich Situationen aus, in denen andere Sie brauchen. Überprüfen sie ständig Ihre persönlichen Beweggründe.

Ergebnisorientiert denken

Jede Tätigkeit hat ein Ergebnis, auf die sie ausgerichtet sein sollte. Was sich trivial anhört, ist im Alltag kompliziert. Ein Strategieplan, um das gewünschte und klar definierte Ziel zu erreichen, hilft dabei. Schwören Sie Ihre Mitarbeiter auf das Ziel ein.

Die Lösungsstrategie:

Wer ein Kritikgespräch führt, sollte sich darüber im Klaren sein, dass das gesamte Team - und auch die eigenen Vorgesetzten – darauf achten, wie man in dieser Situation vorgeht. Gute Vorbereitung ist deshalb ein Muss. Notieren Sie sich die wichtigsten Punkte: Was wollen Sie konkret besprechen? Wie viel Zeit brauchen Sie für das Gespräch? Planen Sie einen zeitlichen Puffer für unvorhergesehene Reaktionen ein, so mancher Mitarbeiter bricht plötzlich in Tränen aus. Welches Ziel verfolgen Sie mit diesem Gespräch? Und, ganz wichtig, können Sie ihre Kritik auch belegen?

Im Gespräch selber sollten Führungskräfte folgende Punkte beherzigen:

1.    Klar und unmissverständlich Stellung beziehen, das Fehlverhalten klar benennen.

2.    Die eigene Position durch Rechtfertigungen des Mitarbeiters nicht aufweichen lassen. Fehlverhalten lässt sich nun mal nicht tolerieren.

3.    Eigene Erwartungen an die Zukunft definieren. Führungskräfte sollten deutlich sagen, was sie haben wollen.

4.    Einfühlungsvermögen zeigen. Wirkt der Mitarbeiter sehr betroffen, bieten Sie eine Pause an.

5.    Das gemeinsame Vorgehen festhalten und Unterstützung anbieten.

Zurück zum Fall: Julia Schröder bittet ihre Mitarbeiterin zum Gespräch, trägt ihren Kritikpunkt deutlich vor, endet aber mit dem Angebot: „Was können wir also tun, damit Sie die Aufgabe der Kundenakquise bewältigen können?“ Die Mitarbeiterin reagiert mit Erleichterung und gesteht, dass sie die administrativen Aufgaben gerne erledigt, bei Akquise aber ihre Schwierigkeiten hat, weil das für sie Neuland ist. Beide vereinbaren am Ende, dass die Mitarbeiterin ein Seminar zur Kundenakquise besucht und für einen Übergangszeitraum noch personelle Unterstützung erhält.

Kommentare (1)

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pauleschendorfer

29.09.2013, 16:21 Uhr

Sehr hilfreicher Artikel, gut strukturiert und gut geschrieben. Das kann man sich einprägen. Mein Tipp zu diesem Thema: Kauft einen wirklich grossen Touchscreen (z.B. von Rentouch) installiert ein paar coole Gesellschaftsspiele — so verschwindet die Langeweile auch. ;-)

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