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28.12.2011

10:26 Uhr

Ratgeber

Russisch Roulette im Vorstellungsgespräch

VonAnna Gielas

Unternehmen müssen die besten Leute treffsicher identifizieren. Die Auswahlstrategien können dabei reichlich schräg sein. „Brainteaser“ im Vorstellungsgespräch sind eine beliebte Taktik. Wie Sie sich darauf vorbereiten.

In der Rubrik „Karriere Tipp“ widmet sich Handelsblatt Online wöchentlich Themen rund um Beruf, Büro und Bewerbung. CAEPSELE

In der Rubrik „Karriere Tipp“ widmet sich Handelsblatt Online wöchentlich Themen rund um Beruf, Büro und Bewerbung.

DüsseldorfAb und zu spielen die Recruiter der Schweizer Bank UBS mit ihren Bewerbern eine Runde Russisch Roulette. Angehende Banker müssen sich auf makabere Gedankenspiele einstellen: Sie sollen sich vorstellen, sie seien an einen Stuhl gefesselt – und der Interviewer habe einen Revolver mit einer Sechs-Schuss-Trommel.

Die Anekdote erzählen ehemalige Bewerber, die das Verfahren durchlaufen haben. Der Interviewer schiebe als nächstes zwei imaginäre Kugeln in aufeinander folgende Kammern und ziehe den Abzug. Nichts passiert. Will der Kandidat, dass der Interviewer den Abzug gleich noch einmal zieht oder zuerst die Trommel dreht? Smarte Kandidaten wissen, dass es besser ist gleich noch einmal den Abzug zu ziehen – so stehen die theoretischen Überlebenschancen bei 75 anstatt bei 67 Prozent.

Puzzle-Frage: Wie schwer ist Manhattan?

Puzzle-Frage

Wie schwer ist Manhattan?

Mit so genannten Puzzle-Frage wollen Personaler Ihre Kreativität testen. Nicht allein die Lösung zählt - sondern auch der Weg dorthin. Wie Bewerber mit solchen Fragen umgehen sollten. Ein Beispiel.

Die Personalabteilungen der UBS stehen ebenso wie andere Unternehmen vor einer doppelten Herausforderung. Einerseits müssen sie in Zeiten des Fachkräftemangels eine Strategie zum Erkennen junger Talente vorweisen. Andererseits sollen sie mit ihren Selektionstaktiken dem „Employer Branding” in die Hände spielen: Kreative Rekrutierungsmechanismen gelten als Chance, sich abzuheben und bei begabten Bewerbern als attraktiver Arbeitgeber zu erscheinen.

Umgang mit Brainteasern und „Puzzle-Fragen“

Erstmal Durchatmen

Die Antwort auf eine Frage ist zwar wichtig, doch nicht entscheidend. Brainteaser und „Puzzle”-Fragen sollen den Bewerber aus dem Konzept bringen und auf diese Weise offenlegen, wie der Kandidat mit Druck umgeht. Daher ist Ruhe das oberste Gebot.

Über den Tellerrand schauen

Mit „Puzzle”-Fragen wollen die Recruiter ebenfalls testen, ob ein Bewerber sein Fachwissen auf andere Themengebiete übertragen und dort anwenden kann. Wenn die Fragen fachfremd klingen, sollte man daher vom eigenen Wissen ausgehen und Transferfähigkeit demonstrieren.

Offene Fragen klären

Unklarheiten bei einer Aufgabenstellung müssen geklärt werden. Wer aus Angst, einen schlechten Eindruck zu machen, auf Zusatzfragen verzichtet, riskiert die Frage unpassend oder falsch zu beantworten. Ein smarter Bewerber stellt Klärungsfragen und erklärt seinem Interviewer, wieso er entsprechende Angaben braucht.

Um die Ecke denken

Viele „Puzzle”-Fragen sollen den Bewerber auf das Glatteis führen: Die Lösung, die am naheliegendsten scheint, ist selten die Richtige. Deshalb sollte man sich Zeit zum Nachdenken lassen und beim Antworten auf die Reaktionen des Interviewers achten.

Fragestellung untergliedern

Es gilt strukturiert vorzugehen, indem man die Problemstellung in weitere Punkte unterteilt. Dieses Vorgehen sollte aber stets einfach gehalten werden, damit die Erwägungen den zeitlichen Rahmen nicht sprengen und sich darin keine Aspekte einschleichen, die über die Inhalte der Frage hinausgehen.

Fehler sind kein Problem

Keine Angst, wenn einige Gedankengänge in Sackgassen enden. Irrtümer sind Chancen: Sie können gekonnten Umgang mit fehlerhafter Logik und einem wachsenden Erwartungsdruck zeigen. Was hier rasch hilft, ist die Neuordnung einer Fragestellung durch die Formulierung von zwei oder drei Unterfragen.

Neuen Ansatz finden

Wem partout keine Lösung in den Sinn kommt, der kann die Aufgabe anders angehen: Es ist ein guter Anfang, dem Interviewer beispielsweise zu erklären, wieso die erste Lösung, die einem eingefallen war, verkehrt ist.

Eine Taktik, die potenziell beiden Anforderungen gerecht wird, ist der Einsatz von Brainteaser- und „Puzzle”-Fragen. Sie gehen auf sogenannte „Puzzle”-Interviews amerikanischer Unternehmen wie „Microsoft” und „Google” zurück.

Wie schwer ist Manhattan? Wieso sind Gully-Deckel rund? Wie viele Smarties passen in einen Golf? Diese Art der Bewerbungsfragen nennen die amerikanischen Personaler „Puzzle”-Fragen. „Ihr Einsatz ist ein unkonventioneller Ansatz, informelle Kompetenzen abzufragen, die für einen Arbeitgeber nicht weniger interessant als ein fundiertes Fachwissen sind”, sagt Rosmarie Schwartz-Jaroß, Leiterin des Career Centers der Humboldt-Universität zu Berlin. 

Tipps für das Mitarbeitergespräch

Nehmen Sie den Termin ernst

Planen Sie für Ihre Vorbereitungen ein paar Stunden Zeit ein, und starten Sie am Besten nicht auf den letzten Drücker, für den Fall, dass Sie noch Informationen einholen müssen. Halten Sie Ihre Leistungen, Argumentationen und Ziele ruhig schwarz auf weiß fest. Liebt Ihr Chef Zahlen oder Kurven, bereiten Sie Ihre Leistungen in entsprechender Form vor. Analog verfahren Sie mit Chefs, die es lyrisch, kurz und knackig oder visionär mögen.

Leitfaden beachten

Im Idealfall hangeln Sie sich an den Jahresgespräch-Unterlagen der Personalabteilung entlang. Ihr Chef wird sie auch als Leitfaden für den Termin benutzen. Notieren Sie aber auch Aspekte, die Ihnen jenseits des Fragenkatalogs wichtig sind.

Üben Sie das Gespräch

Üben Sie das Gespräch – ähnlich wie ein Gehalts- oder Bewerbungsgespräch – zu Hause mit Freunden oder dem Partner. Spielen Sie Ihre Argumentationen durch.

Bleiben Sie realistisch

Bleiben Sie in Bezug auf Ihre Leistungen selbstkritisch und realistisch. Eine offensichtlich schlechte Performance partout schön zu reden ist genauso unsouverän wie nach Ausreden und Ausflüchten zu suchen. Räumen Sie Fehler ruhig ein – sofern Sie in keinem Unternehmen arbeiten, in dem ein Schuldeingeständnis einem Karriere-Kamikaze gleichkommt – bieten Sie dem Chef aber auch Lösungen zur Verbesserung an. Da, wo Selbsterkenntnis schlecht ankommt, sollte man Schuldeingeständnisse vorsichtiger dosieren.

Gesprächsführung

Nimmt der Chef die Gesprächsführung nicht in die Hand – was eigentlich seine Aufgabe wäre – sondern mäandert unstrukturiert durch die Themen, übernehmen Sie sanft die Zügel und lotsen ihn zu den Themen, die Ihnen wichtig sind.

Haken Sie nach

Ist Ihnen im Gespräch selbst noch etwas unklar, sind Sie mit einer Regelung nicht einverstanden oder fühlen sich überfahren, haken Sie unbedingt ein: Mir ist das Ziel noch nicht klar, können wir da noch mal ran? Oder: Um dieses Ziel zu erreichen, würde ich … benötigen. Kann ich da mit Ihrer Unterstützung rechnen?

Geschickt kontern

Falls der Chef Sie als unliebsamen Mitarbeiter abstrafen will – Motto: Sie haben Ihre Ziele nicht erreicht – kontern Sie mit guten Gegenbeispielen. Was haben Sie alles unternommen, um doch noch die Kurve zu bekommen?

Lösungen anbieten

Müssen Sie Fehler oder mangelhafte Leistungen einräumen, bieten Sie Lösungen an: … ist schief gegangen, weil … passiert ist. Damit dies nicht wieder passiert, werde ich ...

Alles Übungssache

Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn der Termin noch nicht so reibungslos verläuft wie erhofft. Auch Jahresgespräche sind Übungssache – und Ihr Chef ist Ihnen einige Trainingsrunden voraus.

Kommentare (33)

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KFR

28.12.2011, 10:41 Uhr

Ach deshalb gehen es soviele Banken und Unternehmungen in Konkurs !

aruba

28.12.2011, 11:12 Uhr

Guten Tag,... Glauben Sie nicht dass das Ganze eher damit zusammenhaengt ob mann aus Gutem Hause;.... Gute Fuersprecher;.... Geschaeftsbeziehungen;.... und Dergleichen hat als mit diesem sinnlosen Oettinger Englisch. Ich habe Vollidioten und Nutten auf Chefposten landen sehen. Ja der ganze Laden ist Bruchgelandet. Die erste Frage lautet in der Bankenwelt immer. Was kannst du an Kunden mit herueberbringen. So laeuft der Hase. So und nicht anders. Besten Dank

Lutz

28.12.2011, 11:23 Uhr

Willkommen in der Bluff-Gesellschaft!

Wie stark kann ich mich als Mensch verbiegen, um einen Job zu bekommen?

Früher reichte die Probezeit aus, um zu zeigen, dass man ein guter Mensch ist und seine Arbeit vernünftig macht.

Unsere Gesellschaft konvergiert stark nach abscheulich und wir merken es kaum noch.






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