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11.04.2012

09:31 Uhr

Ratgeber

Welches Wissen Berufseinsteigern fehlt

VonThorsten Giersch

Praktisch alle Arbeitgeber in Deutschland beklagen sich über den schlechten Ausbildungsstand der jungen Leute, die bei ihnen anfangen. Keine Frage: Schule und Universitäten lehren viel, aber nicht alles. Ein Ratgeber für Berufseinsteiger.

Das Abitur bereitet die Schüler nur bedingt auf die Arbeitswelt vor. dpa

Das Abitur bereitet die Schüler nur bedingt auf die Arbeitswelt vor.

DüsseldorfReinhold Würth spart nicht mit Lob: „Dieses Buch schließt die Lücke zwischen dem Bildungssystem und den Ansprüchen der Arbeitswelt.“ Der Unternehmer muss es wissen, denn er kennt diese Probleme genau, die Thilo Baum und Martin Laschkolnig in ihrem Ratgeber „Die Bildungslücke“ beheben wollen.

Der Kommunikationswissenschaftler Baum und der Unternehmer Laschkolnig haben dafür 20 hochkarätige Fachleute zusammengetrommelt. In kurzen Gastbeiträgen arbeiten sie all die Punkte ab, die Firmen bei vielen Auszubildenden vermissen. Eben das, was sie in den Schulen und Universitäten nicht lernen.

Die Notwendigkeit dieses Buches ist offensichtlich: Nur neun Prozent der Unternehmen sehen laut einer DIHK-Umfrage „keine Mängel“ bei der Ausbildungsreife der Schulabgänger. Dagegen beklagen 74 Prozent die „mangelnde Qualifikation“. Das gilt vor allem für „Soft Skills“  wie Disziplin, Belastbarkeit, Leistungsbereitschaft, Interesse und Umgangsformen.

Der Survival-Guide für Berufseinsteiger

Selbstwertgefühl steigern

Verdiene ich es, glücklich zu sein? Über 90 Prozent der Deutschen haben zum Teil ernsthafte Zweifel, diese Frage mit „ja“ zu beantworten. Viel zu oft fehlt es an Selbstverwertgefühl – übrigens gerade bei den Menschen, die arrogant auftreten. Gelassene Typen balancieren Wert und Kompetenz aus.

Respekt und Anerkennung erringen

Respekt verschaffen Sie sich nicht, indem Sie auf den Tisch hauen. Verwechseln Sie nicht Härte mit Stärke. Wer stark ist, muss nicht hart sein, und das verschafft Respekt. Und der kann nur auf Augenhöhe funktionieren. Denken Sie daran: Das Lateinische „respicere“ bedeutet „zurückblicken“.

Welche Persönlichkeitsmerkmale das Berufsleben fordert

Der erste Schritt ist der Unterschied zwischen Sinn und Gehorsam. In der Schule „muss“ man Dinge tun, im Berufsleben verändert sich das Paradigma der Disziplin im Idealfall hin zu Verantwortung. Man sollte wissen, was wann zu tun ist und einen klugen Umgang mit Energie, Tempo und Dynamik pflegen.  Zudem zählt Teamfähigkeit viel mehr als in der Schule: Man kann nur gemeinsam ans Ziel kommen.

Zeitmanagement lernen

Eines der wesentlichsten Dinge, die an Schulen unzureichend erlernt werden, ist Zeitmanagement und das optimale Setzen von Prioritäten. Entdecken Sie Ihre persönlichen Zeitfallen (schlechte Planung, falsche Ziele oder Prioritäten, ständige Störungen, Ablenkungen…). Und ziehen Sie regelmäßig Bilanz über Ihr Zeitmanagement.

Konflikte geschickt lösen

Konflikte sind im Berufsalltag nicht zu vermeiden und der Umgang mit ihnen entscheidend für das Fortkommen im Betrieb und die Lebensqualität. Allerdings bereiten Pädagogen junge Leute nur unzureichend darauf vor, kein Wunder angesichts der Umstände. Lernen Sie, Mobbing schnell zu erkennen und gehen sie Problem nicht aus dem Weg. Offenheit, Zuhören, Perspektivenwechsel und geschicktes Reden kann man lernen.

Charisma entwickeln

Wissen ist die eine Dimension – doch damit allein wird niemand zur Führungsfigur. Charisma zu entwickeln gelingt einigern Schülern von selbst, aber jeder kann es entwickeln zum Beispiel bei der Beantwortung folgender Fragen: Sind Sie verbindlich in Ihrem Auftreten? Können Sie sich und andere begeistern? Ergreifen Sie die Initiative? Berücksichtigen Sie die Perspektiven anderer? Beherrschen Sie nonverbale Kommunikation? Sind Sie authentisch?

Die richtige Sprache

Kommunikation ist das A und O. Überlegen Sie nicht, was Sie sagen wollen – sondern was bei Ihren Empfängern ankommen soll. Widmen Sie Überschriften und Betreffzeiten besonders viel Zeit. Überlegen Sie auch, was Sie beim Schreiben weglassen können. Verlieben Sie sich nicht in Formulierungen.

Die Initiative ergreifen

Wenn man etwas von den US-Amerikanern lernen kann, dass das Tellerwäscherdenken. Dass sie die Initiative ergreifen in dem Glauben, alles schaffen zu können. Haben Sie Mut, entdecken Sie Ihre Antreiber und Glauben Sie an sich!

Gesundheit bewahren und fördern

Die Buchautoren weisen auch darauf hin, dass es Defizite gibt bei der Vorbereitung der jungen Menschen im Hinblick auf den Umgang mit ihrem Körper. Ernährung, Bewegung, Alkohol und Rauchen. In einem der Gastbeiträge geht es um diese Faktoren, die einer erfolgreichen Karriere sehr oft im Wege stehen.

In den verschiedenen Schulformen – egal ob Gymnasium, Real-, Haupt- oder Berufsschule – wird zwar exaktes Denken gelehrt, aber eben zu wenig Führung oder andere Dinge, die junge Menschen in der immer komplexer werdenden Arbeitswelt brauchen. Denn nicht in der Schule, sondern im Leben lernen wir.

Die Herausgeber fragen durchaus nicht ohne Polemik angesichts der Tatsache, dass Schüler klassische Literatur, höhere Mathematik oder Naturwissenschaften lernen: „All das sind schöne Dinge, aber wo bleibt das Wesentliche?“

Verbesserungsvorschläge für die Schulen haben sie nicht. Wohl aber einen Wust von Ratschlägen, die jungen Leuten helfen sollen, sich in der Arbeitswelt zurechtzufinden. Und in der Tat sind bei den 20 Gastbeiträgen viele wertvolle Hinweise dabei.

Geübte Leser von Management-Ratgebern werden sowohl viele bekannte Namen wie Lothar Seiwert wiederfinden, aber auch eben viele Tipps zum x-ten Mal hören. Daher ist das Buch für Profis nur bedingt wertvoll, dafür aber durchaus für die Zielgruppe: Wer also einen raschen Einstieg in die Welt der Berufsratgeber haben möchte, ist mit der „Bildungslücke“ sehr gut geholfen.

 

Bibliografie:

Thilo Baum und Martin Laschkolnig

Die Bildungslücke. Der komprimierte Survival-Guide für Berufseinsteiger

Börsenmedien, Kulmbach 2012

303 Seiten

Kommentare (1)

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Georges_de_Gueule

18.04.2012, 13:50 Uhr

Ich habe mir das Buch vor einigen Tagen in der Buchhandlung intensiv angeschaut, weil auch ich der Meinung bin, daß Jugendliche manches wissen sollten, was leider in der Schule (woher sollen die Lehrer es auch wissen?) nicht vermittelt wird.

Beim Durchblättern habe ich den Eindruck gewonnen, daß dieses Buch die Lücke nicht schließen kann. Die Texte scheinen mir zu weit entfernt zu sein von der Lebensrealität Jugendlicher. Außerdem frage ich mich, wieso gerade Leute, die meist vorne auf Bühnen stehen und selbst nicht täglich in Unternehmen arbeiten, so genau wissen wollen, wie es richtiger ist.

Mir drängte sich der Eindruck auf, daß hier jemand billig ein Buch zusammengeschustert hat und die Autoren, die ihr Geld mit Vorträgen verdienen, womöglich sogar auf ihr Honorar verzichtet haben könnten, weil ihr Beitrag ja Werbung für ihre Veranstaltungen ist.

Es gibt bereits gute Literatur zum Thema, z.B. Sean Coveys "Die 6 wichtigsten Entscheidungen für Jugendliche" oder die Bücher von Tusch und Kitz.

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