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15.11.2011

13:26 Uhr

Ratgeber

Wie Einsteiger im Mittelstand aufsteigen

VonVanessa Dähn

Mehr als nur irgendeine Nummer sein: Einsteiger in mittelständischen Unternehmen kennen schon bald den ganzen Laden – und jeder kennt sie. Wer früh Verantwortung trägt, kann schnell erste Erfolge für sich verbuchen.

In der Rubrik „Karriere Tipp“ widmet sich Handelsblatt Online wöchentlich Themen rund um Beruf, Büro und Bewerbung. CAEPSELE

In der Rubrik „Karriere Tipp“ widmet sich Handelsblatt Online wöchentlich Themen rund um Beruf, Büro und Bewerbung.

Köln„Zuerst habe ich es für abwegig gehalten, aber dann dachte ich, was soll’s, bewerben kann ich mich ja mal.“ Mit dem Anruf eines Headhunters 2009 ließ sich Stefan Ziegler auf ein längeres Bewerbungsverfahren ein, das ihm genug Zeit für ein paar Überlegungen gab. Was mag ich eigentlich so besonders an meinem derzeitigen Job? Sind die Mentalitätsunterschiede zu meinem französischen Arbeitgeber auf Dauer nicht zu groß? Wäre ich in einem deutschen, mittelständischen Unternehmen vielleicht besser aufgehoben?

Damals Bereichsleiter in einem großen französischen Industriekonzern, trug der promovierte Physiker Verantwortung für rund 60 Mitarbeiter. Dort fühlte Ziegler sich zwar grundsätzlich wohl, kannte aber auch die Nachteile. „Im mittleren Management kann es sehr stressig zugehen: ich hatte noch keine richtige Entscheidungsmacht, war aber verantwortlich, wenn Dinge aus dem Ruder liefen.“ Das Jobangebot der Firma Alanod, einem Aluminium-Veredler aus Ennepetal, schien Ziegler wie auf ihn zugeschnitten. Er wagte den Sprung - in den Mittelstand.

Der Mittelstand hat ein Imageproblem. Denn in vielen Ohren hört er sich oft an wie „Mittelmaß“, während Großkonzerne nach Geld und Erfolg klingen. Ein weit verbreitetes Vorurteil, sagt Klaus Becker. Der Geschäftsführer der Becker Personal- und Managementberatung für den Mittelstand zählt die Vorteile auf: „Mittelständische Unternehmen zahlen zwar etwas niedrigere Einstiegsgehälter als Konzerne, aber das gleicht sich nach wenigen Jahren aus. Und die Aufgaben in einem mittelständischen Betrieb sind meistens von Anfang an vielfältiger, die Verantwortung größer.“

Aus dem Großkonzern in den Mittelstand: Stefan Ziegler hat den Sprung nicht bereut.

Aus dem Großkonzern in den Mittelstand: Stefan Ziegler hat den Sprung nicht bereut.

Fakt ist, das 99 Prozent aller Unternehmen in Deutschland kleine und mittelständische Betriebe sind. Der Mittelstand gilt als Motor der Wirtschaft: fast die Hälfte aller Umsätze werden hier erwirtschaftet und die meisten aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten verdienen hier ihren Lebensunterhalt. Berufseinsteiger, die es sich aussuchen können, entscheiden sich immer öfter für ein mittelständisches Unternehmen – und bereuen es nicht. Denn ein breites Verantwortungsspektrum und der Überblick über das Unternehmen ist ihnen wichtig.

Personalberater Becker sagt: „Wer einmal spürt, welch kreativer Geist im Mittelstand herrscht, möchte nie mehr in den Konzern zurück.“ Auch wenn er dafür ins Niemandsland ziehen oder erst mal eine Wochenendbeziehung in Kauf nehmen muss.

Auch Stefan Ziegler steht weiterhin voll zu seiner Entscheidung. „Alanod befindet sich stark im Wandel und ich habe hier die Möglichkeit, diese Veränderung mitzugestalten.“ Als Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung – einem elfköpfigen Team – habe er nicht nur den Auftrag Innovationen zu schaffen, er könne sie auch tatsächlich durchsetzen.  Und das in einem Umfeld motivierter Mitarbeiter. „Das ist nicht selbstverständlich. Außerdem gibt es viele Neuerungen, die ich angeregt habe, hinter die ich einen Haken machen kann. Das sind für mich Erfolge.“

Ähnliche Erfahrungen hat auch Personalberater Klaus Becker mit Job-Kandidaten aus Konzernen gemacht: „Wer in den Mittelstand wechselt, schätzt oft die Entscheidungsfreudigkeit dort, die Geschwindigkeit und Flexibilität.“

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