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23.02.2012

10:35 Uhr

Ratgeber

Wie Sie ihr Netzwerk erfolgreich nutzen

VonMascha Dinter

Kunden, Kollegen, Freunde, Verwandte: Ein Viertel aller Stellen wird über persönliche Kontakte besetzt. Ohne funktionierendes Netzwerk lässt sich kaum Karriere machen. So profitieren Sie von ihrem Netzwerk.

In der Rubrik „Karriere Tipp“ widmet sich Handelsblatt Online wöchentlich Themen rund um Beruf, Büro und Bewerbung. CAEPSELE

In der Rubrik „Karriere Tipp“ widmet sich Handelsblatt Online wöchentlich Themen rund um Beruf, Büro und Bewerbung.

KölnStephan Sönksen schaltet keine Zeitungsanzeigen und ruft auch keine potenziellen Auftraggeber an, um auf seine Arbeit aufmerksam zu machen. Seit er sich im Anschluss an sein Grafikdesignstudium im Jahr 2006 selbständig machte, hat der Kommunikationsdesigner aus Hamburg keine Kaltakquise betreiben müssen, denn die Kunden kommen von alleine zu ihm. Ein Großteil seiner Aufträge ergibt sich dabei aus persönlichen Kontakten. Schon als Student arbeitete Sönksen freiberuflich, viele Kontakte aus der Studienzeit bestehen bis heute. „Immer wieder kommt jemand aus dem Studium, aus abgeschlossenen Projekten oder der Bekannte eines Bekannten auf mich zu“, erzählt der 32-Jährige.

Wenn er nicht in seinem Home Office oder bei seinen Kunden vor Ort arbeitet, besucht er das Betahaus Hamburg, einen sogenannten Coworking Space, in dem Freiberufler tage-, wochen- oder monatsweise einen Arbeitsplatz anmieten können. „Dort herrscht nicht nur eine tolle Arbeitsatmosphäre, sondern man tauscht sich auch über seine Projekte aus und kommt in Kontakt“, erzählt Sönksen. Seit Kurzem ist er Mitglied im Designer-Club Allianz deutscher Designer (AGD) und nutzt die regelmäßigen Treffen, um sich mit Kollegen auszutauschen.

„Egal ob Angestellter oder selbständig – Karriere machen ohne Kontakte ist heute fast nicht mehr möglich. Man braucht jemanden, der einen weiterempfiehlt“, sagt Business Coach Sabine Osmanovic. Netzwerke sind jedoch keine Erfindung unserer Zeit. „Jeder Mensch verfügt über ein Netzwerk. In das erste Netzwerk, das wir haben, werden wir hinein geboren: unsere Familie.“ Ehemalige Mitschüler, Kommilitonen, Arbeitskollegen, der Sportverein – im Laufe des Lebens erweitert sich unser Netz aus Kontakten. Hinzu kommen organisierte Netzwerke in Form von Clubs und Vereinen. Wichtig ist dabei nicht, Kontakt zu möglichst einflussreichen Personen zu haben, sondern sein Netzwerk erfolgreich für sich zu nutzen.

So nutzen Sie ihre Netzwerke richtig

Erkennen, dass ein Netzwerk vorhanden ist

Viele Menschen sind der Meinung, dass sie gar kein Netzwerk haben. Zwar ist nicht jedes Netzwerk so offensichtlich wie ein branchenbezogener Verein oder ein Golf-Club, doch verfügt jeder Mensch über ein Netz aus Kontakten: Dazu gehören Freunde, ehemalige Schulkameraden, Bekannte, Vorgesetzte, Arbeitskollegen und viele mehr.

Erfolgreiche Netzwerkpflege

Damit ein Netzwerk funktioniert, will es gepflegt werden. „Erfolgreiche Netzwerkpflege besteht darin, sich aktiv einzubringen. Ist ein Netzwerk beispielsweise zugleich ein Verein, bieten sich viele Möglichkeiten, sich zu beteiligen – etwa indem man die Organisation einer Veranstaltung übernimmt oder im Vorstand mitarbeitet“, sagt Business Coach Sabine Osmanovic. Der Kontakt zu anderen Netzwerkmitgliedern sollte nicht nur bei Treffen, sondern auch außerhalb, zum Beispiel per E-Mail, gepflegt werden. Auch Online-Netzwerke eignen sich hervorragend dazu, in Kontakt zu bleiben.

Zeit für das Netzwerk einplanen

Für die Pflege der eigenen Netzwerke sollte zusätzliche Zeit eingeplant werden, unabhängig davon, ob man konventionell oder online netzwerkt. Man sollte sich überlegen, wie viel Zeit man dafür aufwenden kann und möchte und sich ein Zeitfenster setzen.

Etwas geben

Wer von einem Netzwerk profitieren möchte, sollte auch bereit sein, etwas zu geben. Das muss nicht die Vermittlung eines neuen Jobs oder eines Auftrags sein, sondern richtet sich nach dem, was Sie zur Verfügung stellen können. Das können zum Beispiel Ihr Fachwissen oder Ihre Branchenkenntnisse sein oder die Bereitschaft, sich an Diskussionen zu beteiligen und Erfahrungen austauschen.

Die eigene Kompetenz auf den Punkt bringen

Ob im Online-Profil oder auf einem Netzwerktreffen: Sie sollten in kurzen Sätzen ihre berufliche Qualifikation auf den Punkt bringen können. Dem Gegenüber sollte binnen kürzester Zeit klar sein, wofür Sie der richtige Ansprechpartner sind.

Nicht mit der Tür ins Haus fallen

Viele Menschen gehen nach dem Motto vor: Jetzt brauche ich einen neuen Job, jetzt suche ich mir schnell ein Netzwerk. „Das funktioniert nicht, denn solche Beziehungen wollen wachsen, sie wollen gepflegt werden“, sagt Business Coach Osmanovic. Personen, die nur in Netzwerke eintreten, weil sie hoffen, einen Job zu finden oder schnelle Geschäfte zu machen, verschwinden auch schnell wieder aus diesen.

Geduld und Durchhaltevermögen

Ein Netzwerk aufzubauen und es zu pflegen kostet Zeit. Es geht nicht darum, unmittelbar von seinen Kontakten zu profitieren. Geduld und Durchhaltevermögen gehören dazu, wenn man langfristig erfolgreich netzwerken möchte.

Netzwerkpartner nicht als Konkurrenz auffassen

Konkurrenzdruck ist in einem Netzwerk fehl am Platze. Ebenso ein Aufrechnen der Hilfen, die man gibt und bekommt. Wer bereit ist, sich selbst einzubringen, bekommt irgendwann auch automatisch etwas zurück – und umgekehrt.

Nicht zu aufdringlich sein

Den Vorstandschef zum Mittagessen einladen, nach dem ersten Treffen den anderen darum bitten, dass er einen bei seinem Vorgesetzten empfiehlt – Aufdringlichkeit ist tabu. Außerdem gilt: Wenn jemand bereits signalisiert hat, dass er Ihnen nicht weiterhelfen möchte, sollte Sie dies akzeptieren.

Sich nicht ausnutzen lassen

Nicht selten lauert die Gefahr, dass sich andere Netzwerkpartner als Nutznießer des eigenen Angebots entpuppen. „Wenn Sie Dienstleistungen oder Produkte anbieten, kann es vorkommen, dass jemand glaubt, er müsse Vergünstigungen bei Ihnen bekommen. Darauf müssen Sie sich nicht einlassen“, sagt Osmanovic. „Auch wenn ich in einem gemeinschaftlichen Netzwerk bin, muss ich meine Leistung nicht verschenken.“

Vorbereitung auf Netzwerktreffen

Branchentreffen, Messen oder organisierte Netzwerktreffen eignen sich hervorragend für den Austausch. Planen Sie ein wenig Vorbereitungszeit für das Treffen ein und üben Sie, in klaren Worten zu sagen, wer Sie sind und was Sie tun. Und vergessen Sie auf keinen Fall Ihre Visitenkarten.

Früh anfangen

Ein Netzwerk zu pflegen lohnt sich nicht erst mit dem Eintritt in das Berufsleben. Dass auch Studenten über zahlreiche Kontakte verfügen, die ihnen später nützlich sein können, lassen viele außer Acht. Dazu gehören nicht nur Kommilitonen, sondern auch Führungskräfte und Kollegen, die man in Nebenjobs und Praktika kennenlernt. Auch wenn man noch nicht genau weiß, ob man später in diesem Bereich tätig sein will, kann es sinnvoll sein, den Kontakt zu halten und im Gedächtnis zu bleiben.

Der richtige Zeitpunkt

Kaum jemand kann heute noch von sich behaupten, dass er ein Leben lang einen einzigen Job machen wird. Darum lohnt es sich, Netzwerke zu pflegen und auch Kontakte zu ehemaligen Vorgesetzten und Kollegen zu halten. Wer erst in dem Moment in ein Netzwerk eintritt oder alte Kontakte auffrischt, wenn er auf Jobsuche ist, kann kaum auf unmittelbare Hilfe hoffen.

Das eigene Profil schärfen

Ob über eine Website, einen Blog, Online-Dienste wie Twitter oder die Präsenz in digitalen Netzwerken: Die Möglichkeiten, im Internet auf sich aufmerksam zu machen, sind vielfältig und können helfen, das eigene berufliche Profil zu schärfen.

Welches Online-Netzwerk ist das richtige?

In den USA geht der Trend aktuell dahin, auch Facebook für den geschäftlichen Dialog zu nutzen. „Diese Entwicklung sehe ich in Deutschland überhaupt nicht“, sagt Kommunikationsberater Oliver Gassner. Abgesehen von Firmen, die sich auf Facebook präsentieren, sei es dem einzelnen Nutzer in der Regel unangenehm, seinen Chef zum Facebook-Freund zu haben. „Da viele hier nicht einmal ihren richtigen Namen angeben, ist es als Business-Netzwerk kaum brauchbar.“

Wer außerhalb von Deutschland, Österreich und der Schweiz wenige Geschäftsbeziehungen hat, dem rät Gassner zum deutschen Online-Business-Netzwerk Xing. „Wer hingegen weltweit geschäftliche Kontakte pflegen will, für den ist LinkedIn zur Zeit das optimale Werkzeug zum beruflichen Online-Netzwerken.“

 

Dass persönliche Kontakte bei Stellenbesetzungen eine wichtige Rolle spielen, spiegelt auch die Betriebsbefragung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) wider, an der jährlich etwa 15.000 Betriebe teilnehmen. Die Zahlen der aktuellsten Befragung aus dem Jahr 2010 zeigen, dass die Suche der Unternehmen nach Mitarbeitern über persönliche Empfehlungen die besten Erfolgsaussichten bietet. Ein Viertel aller offenen Stellen wird so besetzt. Ebenfalls ein Viertel aller Neubesetzungen ergibt sich aus Zeitungsinseraten, dahinter folgen die Vermittlung über Arbeitsagenturen sowie Stellenanzeigen im Internet.

Kommentare (2)

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Paul

23.02.2012, 14:28 Uhr

Wie steht es auf einer der Folgeseiten:"..ein Viertel aller Stellen wird so besetzt". Im Umkehrschluss also 3/4tel aller Stellen anders. Wieder ein Artikel wo eine Minderheiten-Erkenntniss zur Headline wird.

Rolf

23.02.2012, 20:56 Uhr

@Paul
Dieses 1/4 ist auf jeden Fall aber nicht nur von der Kostenseite am Günstigsten, sondern wird auch qualitativ bessere Ergebnisse generieren. Nebenbei kann(wird) auch Neugeschäft erzeugt.

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