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18.01.2012

10:29 Uhr

Ratgeber

Wie Sie sich für den Karriere-Notfall wappnen

VonGero Brandenburg

Umstrukturierungen, Fusionen, neuer Chef – die Karriere kann schneller vorbei sein, als den Mitarbeitern lieb ist. Wie Sie Warnsignale erkennen, einen Notfall-Plan entwickeln und für den Arbeitsmarkt attraktiv bleiben.

Bewerber müssen wissen, worauf sie sich einlassen. iStockphoto

Bewerber müssen wissen, worauf sie sich einlassen.

Düsseldorf2012 wird ein schwieriges Jahr: Die Schuldenkrise hängt weiter wie ein Damoklesschwert über der Eurozone und nach dem Boom im vergangenen Jahr steuert auch die deutsche Wirtschaft der Rezession entgegen. In den  Führungsetagen der Unternehmen rüstet man sich bereits für die Flaute. Das heißt aber auch: Konjunktur haben derzeit vor allem Sparprogramme. Großkonzerne wie die Telekom, RWE und Eon kündigen an, tausende Arbeitsplätze streichen zu wollen. Und auch in der Finanzbranche wird die Luft für die Arbeitnehmer merklich dünner.

In diesen Zeiten ist es auch für Führungskräfte ratsam, einen Plan B in der Tasche zu haben. Auch wenn kein konkreter Personalabbau angedacht ist, können Umstrukturierungen, Strategiewechsel oder aber ein neuer Chef die eigenen Karriereträume ganz schnell platzen lassen. Deshalb ist es wichtig, für den Notfall gerüstet zu sein.

Das wichtigste Gebot lautet daher: Bleiben Sie attraktiv für andere Arbeitgeber! Wie werden ihre persönlichen Fähigkeiten auf dem Arbeitsmarkt eingeschätzt? Wo liegen ihre Stärken, vor allem aber: Was sind ihre Schwachstellen?

Tipps für den Jobwechsel

Aktiv werden, statt frustriert sein

Lassen Sie sich nicht frustrieren. Im Gegensatz zu manch Anderen haben Sie das Glück, noch einen festen Job zu haben. Werden Sie aktiv, nutzen Sie die Zeit lieber, die Fühler nach Alternativen auszustrecken und Businesskontakte aufzubauen.

Den Jobwechsel gut abwägen

Bevor Sie das Handtuch werfen und den Jobwechsel ansteuern, hinterfragen Sie bitte alle Pro- und Contra-Punkte dieser Entscheidung. Haben Sie schon einen neuen Job in Aussicht bzw. wirklich sicher? Wunderbar! Zeichnet sich da noch so ganz und gar keine Alternative ab, harren Sie lieber noch ein wenig aus und nutzen Sie die Zeit dazu, aus gesicherter Position heraus auf Jobsuche zu gehen.

Seien Sie Stratege

Auch wenn Sie innerlich bereits gekündigt haben, lassen Sie sich bitte nicht dazu verleiten, im Team schlechte Stimmung zu verbreiten, den Chef durch den Kakao zu ziehen, nur noch das Notwendigste zu tun oder sich wie auch immer geartet zum Unternehmensfeind Nr. 1 zu machen.

Bewerben Sie sich aus sicherer Position heraus

Bewerben aus gesicherter Position heraus macht nicht nur aus finanzieller Sicht wesentlich entspannter, sondern bringt auch bessere Jobaussichten. Jeder Arbeitssuchende wird Ihnen bestätigen, dass es wesentlich schwerer ist, einen neuen Job zu finden, wenn man bereits ohne Anstellung ist. Gehen Sie deshalb nicht erst auf Jobsuche, wenn Sie bereits gekündigt haben, sondern fangen Sie damit bereits an, wenn Ihnen die ersten Kündigungsgedanken kommen.

Nutzen Sie Ihren Feierabend und das Wochenende – nicht die Arbeitszeit - gezielt dazu, sonst stehen Sie am Ende doch schneller auf der Straße, als gewünscht. Gleiches gilt natürlich, wenn Sie sich selbständig machen möchten. Starten Sie damit aus gesicherter Position heraus und wagen Sie den Absprung erst, wenn ein gewisses finanzielles Polster und andere Sicherheiten vorhanden sind.

Steigern Sie Ihren Marktwert

Hat man sich erst einmal dazu entschlossen, den Job zu wechseln, neigt man dazu, träge zu werden und den Joballtag damit zu verbringen, die Zeit totzuschlagen. Seien Sie klüger. Bilden Sie sich aktiv weiter und vertiefen Sie Ihr Wissen. Das erweitert nicht nur Ihre Fachkenntnisse, sondern erhöht zudem Ihren Marktwert. Natürlich gilt auch hier: Bitte nicht während der Arbeitszeit!

Knüpfen Sie ein Netzwerk von guten Kontakten

Nutzen Sie die Zeit im gesicherten Job dazu, aus Ihrer jetzigen Position heraus Kontakte zu knüpfen. An viele offene Stellen kommt man heutzutage über Vitamin B, also gute Beziehungen. Wer da die richtigen Leute kennt und durchschimmern lässt, dass er sich gerade beruflich neuorientiert, kann schneller zu einem neuen Job kommen, als geplant.

Zeigen Sie Präsenz

Nehmen Sie an fachrelevanten Veranstaltungen, regionalen und überregionalen Netzwerktreffen, Karriere- und Existenzgründermessen etc. teil oder tummeln Sie sich in Online Netzwerken wie z.B. Xing. Dabei sind auch private Aktivitäten förderlich. Wer weiß, vielleicht hat der eine oder andere Bekannte ja einen guten Tipp für eine offene Stelle. Wenn Sie eine eigene Firma gründen möchten, bauen Sie schon jetzt Kontakte zu potenziellen Kunden auf.

Luft anhalten und durch

Auch wenn es manchmal schwer fällt - reißen Sie sich am Riemen, atmen Sie beim nächsten Zoff mit den Kollegen lieber einmal mehr durch, anstatt laut zu werden und stehen Sie innerlich lächelnd über den Dingen. Schließlich haben Sie doch noch Größeres vor!

Quelle: www.careerbuilder.de

Karriere-Beraterin Svenja Hofert rät zum regelmäßigen persönlichen Markttest: „Wer sich von Zeit zu Zeit bei anderen Unternehmen bewirbt, bekommt das nötige Feedback. Wer immer nur Absagen kassiert, sollte dringend an sich arbeiten.“ Natürlich enthält kaum eine Absage eine konkrete Begründung, doch wer stets liest „Leider stimmen Ihre Fähigkeiten nicht mit unserem Anforderungsprofil überein …“ sollte überlegen, was genau er verbessern kann.

Im besten Fall stößt die Bewerbung auf reges Interesse und es folgt ein konkretes Vertragsangebot. Und selbst wer am Ende doch beim alten Arbeitgeber bleibt, „gewinnt neues Selbstbewusstsein, wichtige Kontakte und vielleicht sogar – wenn er gepokert hat – ein besseres Gehalt“, sagt Hofert. 

Gerade Mitarbeiter, die seit vielen Jahren für ihr Unternehmen tätig sind und es sich in den gewohnten Strukturen gemütlich eingerichtet haben, unterlassen es aber, sich regelmäßig einer Analyse zu stellen. Umso größer ist dann der Schock, wenn der Job gekündigt wird. Neben das Gefühl, für den langjährigen Arbeitgeber nicht mehr gut genug zu sein, tritt die bange Frage, welche Qualitäten man bei der Stellensuche geltend machen kann. Hinzu kommt die Furcht, ob man gut genug für den harten Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt ist.

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