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07.05.2012

14:22 Uhr

Reden ohne Killerphrasen

Wie Sie unfaire Angriffe erfolgreich abwehren

VonMascha Dinter

Druck, Drohungen, Täuschungen: Im Job gibt es viele Situationen, in denen es gut ist, die Kunst des Argumentierens zu beherrschen - vor allem dann, wenn die Fairness auf der Strecke bleibt. Wie Sie sich dafür rüsten.

In der Rubrik „Karriere Tipp“ widmet sich Handelsblatt Online wöchentlich Themen rund um Beruf, Büro und Bewerbung. CAEPSELE

In der Rubrik „Karriere Tipp“ widmet sich Handelsblatt Online wöchentlich Themen rund um Beruf, Büro und Bewerbung.

DüsseldorfNahezu täglich stehen Fach- und Führungskräfte in Unternehmen vor der Herausforderung, andere von ihren Ideen, ihren Konzepten oder ihren Projekten zu überzeugen. In Präsentationen, Meetings und Einzelgesprächen gilt es, sich zu behaupten und die eigenen Vorstellungen durchzusetzen. Diskutieren die Gesprächspartner brisante Themen bei unterschiedlichen Auffassungen, kann aus der Diskussion schnell eine hitzige Debatte werden. Dann geht es nicht darum, Kompromisse zu finden, sondern beide Gesprächspartner versuchen, ihre Meinung möglichst gut zu begründen.

Ratgeber: Karriere-Tipps, auf die Sie nicht hören sollten

Ratgeber

Karriere-Tipps, auf die Sie nicht hören sollten

Nach dem Ausland kommt der Aufstieg, gute Netzwerke bringen einen immer an die Spitze und der Doktortitel ist ein Karriere-Turbo? Viele dieser Regeln gelten heute nicht mehr – und können der Karriere sogar schaden.

„Die Voraussetzung für eine faire Debatte ist die Bereitschaft, sich einen Dritten hinzu zu denken, der entscheidet“, sagt Kommunikationstrainer Jens Henning Fischer. Im Wettkampf-Debattieren spricht man von einer Jury, die sich die Argumente der Pro- und der Contra-Seite anhört, und sich schließlich für eine Position entscheidet. Diese dritte Instanz entfällt in aller Regel im Arbeitsleben. Einigt man sich auf einen „Debattenmodus“, können jedoch auch hier Streitgespräche hervorragend funktionieren.

12 Karriere-Mythen

Mit 50 ist man zu alt für die Karriere

Nein! In der Realität gibt es diese Altersschranke oft gar nicht, glaubt Headhunter Marcus Schmidt: „Manche Mandanten suchen sogar explizit Führungskräfte ab 50, weil sie viel Wert auf Erfahrung legen und nicht wollen, dass der Neue gleich wieder weiterzieht.“ Zudem gilt in Deutschland seit 2006 das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, das eine Diskriminierung aus Altersgründen verbietet.

Seine Erfahrungen hat Schmidt in dem Buch „Die 40 größten Karrieremythen“ niedergeschrieben. Handelsblatt Online hat die spannendsten Zitate ausgewählt.

Ohne Doktortitel geht es nicht

„Die Frage, ob man promovieren soll oder nicht, hängt von der angestrebten Karriere ab“, sagt Schmidt. Denn die Promotion koste immer auch Zeit – in der Diplomanden ein vergleichsweise geringes Gehalt beziehen. „Nicht alle jungen Berater, Anwälte und Wirtschaftsprüfer wollen in einem Unternehmen zum Partner aufsteigen oder erreichen dieses Ziel.“

Eine Top-Karriere macht man nur im großen Konzern

Falsch! Entscheidend für die Karriere sei nicht, bei welchem Unternehmen man arbeite, sondern welche Aufgaben und Entfaltungsmöglichkeiten man habe, sagt Personalberater Schmidt. „Gerade in weniger etablierten Unternehmen gibt es oftmals spannendere und weniger standardisierte Aufgaben als in Großkonzernen“, so Schmidt.

Nur wer sich anpasst kommt weiter

Im Gegenteil: Eigene, gut argumentierte Überzeugungen hält Headhunter Marcus Schmidt für unabdingbar. „Wer nur mitläuft, um ja keinen Fehler zu machen, kann nichts Herausragendes leisten und wird nicht dauerhaft auf sich aufmerksam machen“, so Schmidt. So könne man sich nicht profilieren oder für die nächsten Ebenen empfehlen.

Der MBA ist ein Karriere-Turbo

Die deutsche Wirtschaft zeigt ein anderes Bild: Absolventen hätten sich selten in die Führungsetage hochgearbeitet, sagt Schmidt. Anders als der Doktortitel ist der MBA zudem kein normierter akademischer Grad, seine Vergabe wird also grundsätzlich nicht staatlich geregelt oder kontrolliert. Wer Studiengebühren von bis zu 70.000 US-Dollar auf sich nehme, solle deshalb das Renommee der Schule immer überprüfen.

Ohne Examen gibt es keinen Aufstieg

Muss man heute studieren, wenn man Karriere machen will? Nein, glaubt Headhunter Marcus Schmidt. Und einige prominente Konzernlenker geben ihm recht: Telekom-Chef René Obermann etwa hat sein Studium abgebrochen, und auch Klaus-Peter Müller, bis 2008 Vorstandsvorsitzender der Commerzbank und jetziger Aufsichtsratsvorsitzender, hat nie studiert.

Gehalt ist ein untrüglicher Gradmesser des Karriereerfolgs

Die Position mit Perspektive sei nicht immer die am besten bezahlte, sagt Marcus Schmidt. So könne sich für ein renommiertes Traineeprogramm ein kurzfristiger Gehaltsverzicht durchaus auszahlen - etwa, wenn das ausbildende Unternehmen in seiner Branche als Kaderschmiede gilt.

Ein Auslandsaufenthalt fördert die weitere Karriere

Nicht immer, sagt Headhunter Marcus Schmidt – stattdessen kann der Auslandseinsatz sogar zum Nachteil werden. „Oftmals sind es die Daheimgebliebenen, die dann verbleibende Inlandsposten unter sich aufteilen“. Sie säßen dann auf Stühlen, auf die Auslandsrückkehrer vergeblich spekulieren.

Der erste Job muss der richtige sein

Wer auf standardisierte Einstiegsprogramme in Unternehmen mit hohem Bekanntheitsgrad setze, müsse auch in Kauf nehmen, dass die eigene Berufslaufbahn nachgemacht wirkt, sagt Personalberater Marcus Schmidt. „Gehen Sie eigene Wege. Suchen Sie Ihren Einstieg ruhig gegen den Strich. Probieren Sie etwas aus, was sie wirklich interessiert.“

Karriere macht, wer mehr als 60 Stunden pro Woche arbeitet

Falsch, glaubt Headhunter Marcus Schmidt. Ebenso wichtig wie der tatsächliche Zeiteinsatz sei der gefühlte Zeiteinsatz. Und der definiere sich auch durch die Befriedigung mit der getanen Arbeit. „Wer es schafft, aus seines Arbeit weitgehend Befriedigung zu ziehen, muss auch nicht Karriereschablonen zum persönlichen Zeiteinsatz nachjagen.“

Frauen hindert die „gläserne Decke“ am Aufstieg

Tatsächlich finde sich diese „gläserne Decke“ vor allem in den Köpfen der männlichen Entscheider, glaubt Schmidt. Für weibliche Führungskräfte scheine sie hingegen kein Thema zu sein. „Viele Beratungsunternehmen und große Konzerne bitten uns öfter sogar explizit, nach weiblichen Kandidatinnen zu suchen.“

In der Wirtschaftskrise macht man keine Karriere

„In der Krise wählen Unternehmen bei der Besetzung von Stellen zwar sorgfältiger aus. Aber sie stellen trotzdem noch ein“, ist die Erfahrung von Marcus Schmidt. Gerade in Phasen des Umbruchs gebe es etwa die Chance zur Übernahme von Restrukturierungsjobs, bei denen wirklich die Fähigkeit der Verantwortlichen zählt.

Als Gründer der Berlin Debating Union gehört Fischer zu den Urgesteinen der deutschen Debattierszene, die sich vor etwa zehn Jahren zu etablieren begann. Der Diplom-Jurist lernte das aus England stammende Debattieren während seines Studiums kennen. Es faszinierte ihn so sehr, dass er sich heute als Kommunikationstrainer auch beruflich damit befasst. „Ich finde eine Debatte toll, weil sie Fragen schneller klarstellt, weil man schneller weiß, worüber man eigentlich streitet. Das geht in Diskussionen häufig unter und führt zu Unproduktivität.“

Kommentare (4)

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RedenIstSilber

07.05.2012, 20:41 Uhr

Ginge es um das bessere Argument, gäbe es keine EU, denn: die EU ist nicht mit besseren Argumenten durchgesetzt worden sondern mit Betrug. Selbst Theo Waigel gab in seinem Offenbarungsdrang zu: Hätten wir die Deutschen gefragt, gäbe es keinen Euro (SZ)!
Mit diesem Argument ist das große Ganze schon festgelegt. Ständerepublik. Trotzdem noch Kleinkram:
Die meisten vermeintlichen Argumente beruhen auf Eigennutz: der Kommunikationstrainer ist ein Gaukler, der sich über die Kleingläubigen stellt; er will nicht helfen, er kann nicht helfen, er will nur die Einbildung erzeugen, er könne helfen - er will Geld.
Der Boss hat Angst, sein bornierter Habitus würde zerstört werden, wenn er dem besseren Argument folgte. Also tut er es nicht. Er wählt stets das zweitklassige, weil das seine Position nicht gefährdet. Angst, als Dummkopf dazustehen, wenn der Dreher an der Werkbank ihn widerlegen kann, also watscht er ihn ab, so dass der sich hütet.
Tatsächlich geht's um Knete. Damit lässt sich der Untergebene erpressen - sag' was Dummes, etwas, dass meiner erhabenen Meinung widerspricht, und du bist gezeichnet. Dein Leben wird schwer werden.
Der Untergebene wird in der Firmen-Hierarchie zum Kriecher erzogen. Nur wer kriecht, macht Karriere. Kriechen und bekrochen werden.
Ohne Geld ist der Boss ein Wurm. Beweis: nimm' ihm seine Knete ab, seinen Porsche, seine 5 Mill. Dollar-Hütte - wer hört auf ihn? Die USA sind das Land der Fensterspringer, welche sich ein falsches Selbstbild gekauft haben.
Mit NLP ist die Kommunikation nicht neu erfunden worden, auch wenn die sog. Elite sich das suggeriert. Die Technik beruht auf Fangfragen und Selbsttäuschung, das ist nicht mal Gehirnwäsche, bloss ein Überrumpelungsversuch. ABER: wer andere überrumpelt hat, ob beim Verkauf an der Tür, im Laden oder auf Managerebene im sog. Streit um das bessere Argument (der Boss macht jenen unberührbar) - der schafft sich Feinde fürs Leben.
Knete nennt man Knete, weil man andere damit weichkneten kann!

Querdenker

30.07.2012, 11:54 Uhr

Bravo, für die klaren Worte!
Dieser Kommentar spricht mir aus der tiefsten Seele.
Grüsse! Monica

Account gelöscht!

30.07.2012, 17:36 Uhr

@WinfriedSobottka
Sie sollten sich den ersten 'link'
[...ngler.wordpress.com/2010/07/21/15-regeln...]
nochmal genau! - zu Gemüt führen ab dem 2/3!!
bewusst?

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