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06.01.2016

15:18 Uhr

Reeder profitieren von Ölschwemme

Der Siegeszug der Supertanker

Der größte Einbruch des Ölpreises seit einer Generation ist für Rohstoffkonzerne eine Katastrophe. Für die Eigentümer von Tankern erweist sich das billige Öl als milliardenschwerer Glücksfall.

Reedereien profitieren von der Ölschwemme und den immensen Fördermengen. AFP

Tankschiffe schwer gefragt

Reedereien profitieren von der Ölschwemme und den immensen Fördermengen.

Es sind gute Tage für Reeder. Nachdem die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) im Kampf um Marktanteile ihre Förderquote aufgegeben hat, sind Riesentanker mit einer Tragfähigkeit von bis zu zwei Millionen Barrel begehrt, um Rohöl aus dem Nahen Osten nach Asien und Nordamerika zu transportieren. Während die Ölpreise im vergangenen Jahr um etwa 35 Prozent fielen, schoss der Durchschnittsertrag dieser Schiffe auf 67.366 Dollar (rund 62.000 Euro) am Tag und erreichte nach Angaben des weltgrößten Schiffsmaklers Clarkson damit das höchste Niveau seit mindestens 2009.

„Die Sterne stehen derzeit gut für uns“, sagt Nikolas Tsakos, Chef von Tsakos Energy. Der niedrige Ölpreis werde seiner Einschätzung nach in diesem Jahr die Nachfrage und das Frachtaufkommen in die Höhe treiben.

Das Auf und Ab beim Ölpreis im Jahr 2015

Überangebot

Ein weltweites Überangebot bei schwächelnder Nachfrage setzen dem Ölpreis immer stärker zu. Noch im Juni 2014 kostete ein Barrel (Fass zu je 159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent 115,71 Dollar. Derzeit liegt der Preis mit rund 40 Dollar nicht einmal halb so hoch.

Die Gründe

Ein Grund für das Überangebot ist der Schieferölboom in den USA. Ein anderer ist die Förderpolitik der Opec, die anders als in früheren Jahren den Preis nicht durch die Senkung von Fördermengen stützen will. Sie kämpft stattdessen mit Rabatten um ihre Marktanteile.

7. Januar

Der Brent-Preis fällt zum ersten Mal seit Mai 2009 unter 50 Dollar je Fass.

13. Januar

Mit 45,19 Dollar erreicht Brent den niedrigsten Stand seit März 2009. Damit nähert er sich dem im Sog der Finanzkrise im Dezember 2008 erreichten Tief von 36,20 Dollar. Das war so wenig wie zuletzt im Juli 2004.

3. Februar

Spekulationen auf einen deutlichen Rückgang des Überangebots treiben den Preis für Brent wieder über 55 Dollar.

6. Mai

Export-Ausfälle in Libyen schüren Spekulationen auf einen Versorgungsengpass: Der Ölpreis steigt bis auf 69,63 Dollar.

3. Juli

Ein Bericht über den neuerlichen Anstieg von Ölbohrungen in den USA setzt den Preis wieder unter Druck: Brent fällt bis auf knapp 60 Dollar. Am darauffolgenden Montag, den 6. Juli, sinkt der Preis wieder klar unter die 60-Dollar-Marke.

3. August

Erstmals seit Januar rutscht Brent wieder unter die 50-Dollar-Marke. Auslöser ist ein Rekordanstieg der Ölproduktion der Opec-Länder im Juli.

24. August

Aus Sorgen vor einer deutlichen Abkühlung der chinesischen Wirtschaft machen Anleger einen großen Bogen um Öl. Brent verbilligt sich um bis zu 6,5 Prozent auf 42,51 Dollar. Damit kostet Brent so wenig wie zuletzt im März 2009, als der Preis einen Tiefstand von 41,30 Dollar erreichte.

8. Dezember

Nachdem die Opec am Freitag ihre Förderpolitik bestätigt hat und in der Abschlusserklärung nicht einmal mehr eine Zahl für die Obergrenze der Produktion auftaucht, gehen die Notierungen erneut in die Knie: Brent fällt auf bis zu 39,81 Dollar und ist damit so billig wie zuletzt im Februar 2009.

9. Dezember

Auch an den Zapfsäulen kommt der Kursverfall am Rohstoffmarkt langsam an: Bei mehreren Internet-Vergleichsportalen kratzt der Preis für ein Liter Diesel erstmals seit 2009 wieder an der Ein-Euro-Marke.

Tankeranalysten rechnen mit weiterhin hohen Tagesraten und verweisen auf dieselben Gründe wie pessimistische Ölprognostiker: Nichts deutet darauf hin, dass die Opec ihre Marktstrategie über Bord werfen will. Der Iran will seine Ölexporte nach der Aufhebung der Sanktionen hochfahren und die Vereinigten Staaten haben jüngst die seit vier Jahrzehnten bestehende Obergrenze für Ölexporte aufgehoben. Die Rohölvorräte an Land befinden sich bereits auf Rekordständen. Das bedeute, dass letztlich mehr Barrel auf Schiffen gelagert werden müssen, was die Gewinne steigert, erwartet Tsakos.

Die größten Betreiber europäischer Tankschiff-Flotten sind Euronav aus dem belgischen Antwerpen, DHT Holdings, Frontline Management, sowie Tsakos Energy aus Griechenland. Sie alle verzeichneten im vergangenen Jahr Kursgewinne, während die meisten Energieproduzenten Federn ließen. „Wir profitieren von dem für den Energiesektor herausfordernden Umfeld“, erklärt Svein Moxnes Harfjeld, Co-Chef von DHT. „Wir erwarten, dass 2016 ein einträgliches Jahr wird.“

Im vergangenen Jahr dürften sich die Gewinne der Seetransportfirmen mehr als verdoppelt haben, zeigen von Bloomberg zusammengestellte Analystenschätzungen. Die hohen Tagesraten von 2015 würden zu einem zusätzlichen Umsatzerlös von mehr als 5 Milliarden Dollar führen, wenn die Sätze auf die gesamte Flotte angewandt würden.

Prognosen zufolge werden die Tagesraten 2016 zwar fallen, die Tankerschiffe dürften aber noch immer 46.400 Dollar am Tag einbringen, ergab der Median einer Umfrage von Bloomberg unter sechs Analysten. Dem Schiffsmakler Clarkson zufolge wäre das aber noch immer das zweitbeste Jahr seit 2009.

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