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13.07.2014

08:44 Uhr

Reform geplant

Pflegen statt verwalten

Pfleger haben oft zu wenig Zeit für die alten Menschen - stundenlang müssen sie aber Dokumente ausfüllen. Nun soll der bürokratische Aufwand auf das Nötige beschränkt werden. Kein einfaches Unterfangen.

Die Pflege soll reformiert werden, damit wieder Zeit für die Betreuung bleibt. dpa

Die Pflege soll reformiert werden, damit wieder Zeit für die Betreuung bleibt.

BerlinUnnötiger Papierkram soll künftig weit weniger der Betreuung pflegebedürftiger Menschen in Deutschland im Weg stehen. Nach monatelangen Beratungen und Prüfungen haben Krankenkassen und Pflegeeinrichtungen nun eine Reform der Dokumentationen auf den Weg gebracht, die Pfleger im Heim und ambulante Pflegedienste leisten müssen. Der Pflege-Bevollmächtigte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann (CDU), will erreichen, dass die Entbürokratisierung bundesweit umgesetzt wird, wie er der Nachrichtenagentur dpa sagte.

„Unnötige Bürokratie ist einer der größten Motivationskiller für unsere Pflegekräfte“, sagte Laumann. „Überflüssige Dokumentationspflichten rauben ihnen viel Zeit.“ Diese fehle dann für die Betreuung. Künftig sollten keine normalen Routineabläufe - etwa dass genug getrunken wurde - dokumentiert werden müssen, sondern nur noch Unregelmäßigkeiten.

Pfleger klagen häufig über die Pflicht, alles Mögliche aufzuschreiben. Jede siebte bis achte Stunde ist laut Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) heute der Dokumentation vorbehalten. Laut Caritas sind 70 Seiten Papier zu füllen mit Kreuzen und Texten, um die Daten eines neuen Patienten zu erfassen und daraus die Pflegeplanung zu erstellen. Drei Stunden benötige eine Pflegefachkraft dafür. Künftig sollen 20 Seiten und eine Stunde reichen.

Das Rentenpaket der Großen Koalition

Mütterrente

Etwa 9,5 Millionen Frauen, deren Kinder vor 1992 zur Welt kamen, bekommen Kindererziehungszeiten in der Rente künftig besser honoriert. Pro Kind sind das ab 1. Juli brutto knapp 28 Euro monatlich mehr im Westen und gut 26 Euro mehr im Osten. Dies ist eine Verdoppelung des bisher bezahlten Zuschlags. Frauen mit jüngeren Kindern sind bei der Mütterrente aber immer noch bessergestellt.

Abschlagsfreie Rente ab 63

Wer mindestens 45 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt hat, soll schon ab 63 Jahren ohne Abschlag in Rente gehen können. Begünstigt sind die Geburtsjahrgänge zwischen 1952 und 1963. Phasen kurzer Arbeitslosigkeit sollen mit angerechnet werden, aber nicht in den letzten zwei Jahre vor Beginn der Frührente. Das soll eine Welle von Frühverrentungen verhindern. Selbständige, die in ihrem Berufsleben mindestens 18 Jahre lang Pflichtbeiträge in die Rentenkasse entrichtet haben und danach freiwillig weiterversichert blieben, sollen ebenfalls ab 63 eine abschlagfreie Frührente beziehen können. Das kommt vor allem Handwerkern zugute.

Erwerbsminderungsrente

Wer aus gesundheitlichen Gründen vermindert oder gar nicht mehr arbeiten kann, soll brutto bis zu 40 Euro mehr Rente bekommen. Die Betroffenen werden so gestellt, als ob sie mit ihrem früheren durchschnittlichen Einkommen bis 62 – und damit zwei Jahre länger als bisher – in die Rentenkasse eingezahlt hätten.

Reha-Leistungen

Um Frühverrentungen aus gesundheitlichen Gründen zu verhindern, sollen die bislang gedeckelten Mittel für Rehabilitationsleistungen dynamisiert – also schrittweise erhöht – werden.

So einfach ist Befreiung von Papierkram aber keineswegs. Ein bei Laumann eingerichtetes Projektbüro soll weiter daran arbeiten. Geprüft werden soll auch, ob noch Gesetze geändert werden müssen. Der Aufwand für Schulungen der Pflegekräfte sei groß, hieß es.

Gernot Kiefer, Vorstand des Kassen-Spitzenverbandes, sagte der dpa: „Pflegedokumentationen sind weder Selbstzweck noch grundsätzlich überflüssige Bürokratie.“ Auch künftig sei es zum Beispiel nötig, dass der Nachtdienst für den Tagdienst aufschreibe, wie ein offenes Druckgeschwür versorgt wurde. Doch sei nun die Voraussetzung geschaffen, dass tatsächlich Überflüssiges gestrichen werde.

Laumann kündigte eine „Entbürokratisierungstour“ quer durch Deutschland an, um beim Medizinischen Dienst der Kassen und den Verbänden der Heime und Dienste für breite Umsetzung zu werben. So ist Laumann an diesem Dienstag dafür in Münster.

Von

dpa

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