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19.08.2011

09:22 Uhr

Regeln für Manager

In zehn Schritten zum perfekten Chef

VonDaniel Rettig
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Gute Manager können ebenso motivieren wie inspirieren, moderieren wie instruieren. Brillante Chefs können sogar noch etwas mehr als das. Die wichtigsten Managementgebote mit einer Checkliste.

Manager sollen führen, fordern und fördern. Quelle: dpa

Manager sollen führen, fordern und fördern.

Wer es auf einen Chefposten schafft, der hat in der Regel Talent, Fleiß, Biss – und eine gute Portion Glück. Jeder Manager übernahm im Lauf seiner Karriere ehrgeizig Sonderprojekte, sammelte zahlreiche Überstunden und biss sich gegen Konkurrenten durch. Mal lauter, mal unlauter.

Das Problem daran: All diese Fähigkeiten helfen dabei, aufzusteigen. Sie zeichnen aber noch lange keine gute Führungskraft aus. Im Gegenteil. Nicht selten landen Mitarbeiter auf dem Chefsessel, die dazu gar nicht geeignet sind. Jene, die zwar gelernt haben, sich durchzusetzen, die aber umgekehrt keine Menschen führen und inspirieren können. Vom Motivieren mal ganz zu schweigen.

Die zehn wichtigsten Führungsgebote

Regel 1: Du sollst Vorbild sein

Wer sich an der Spitze lange halten will, muss vor allem glaubwürdig und verlässlich sein - authentisch also. Nur so dankt die Belegschaft es mit dem entsprechenden Rückhalt, auch wenn man sich mit „echten“ Ecken und Kanten auch schonmal unbeliebt macht. Dennoch: Wer konsequent zu seinem Wort und seinen Werten steht, wird vielleicht nicht immer von jedem gemocht, dafür aber respektiert und geschätzt. Mindestens aber gibt eine solche Führungskraft ein ebenso exzellentes wie standfestes Vorbild ab, an dem sich die Mitarbeiter orientieren können.

Regel 2: Du sollst Mitarbeiter mitreden lassen

Führungskräfte beschließen oft zu viel im stillen Kämmerlein. Dadurch gewinnen sie zwar viel Zeit, aber sie verlieren etwas viel Kostbareres: Die Loyalität ihrer Mitarbeiter. Die Angestellten brauchen das Gefühl, dass ihre Meinung bei wichtigen Beschlüssen zählt – vor allem dann, wenn diese unmittelbare Auswirkungen auf ihren Arbeitsalltag haben. Wer Entscheidungen dann auch noch oberflächlich kommuniziert, lässt sie erst recht im Unklaren und verhindert, dass diese die Beschlüsse engagiert mittragen. Irgendwann haben die Mitarbeiter das Gefühl, nur noch ein Rädchen im Getriebe zu sein – und in so einem Umfeld entwickeln sie nachweislich weniger Ideen.

Regel 3: Du sollst Freiheiten gewähren

Es gibt sie leider noch. Führungskräfte, die ihre Angestellten behandeln wie Unmündige; die die Arbeitszeiten mithilfe von Stempeluhren kontrollieren und den Plausch in der Kaffeeküche mit der schnippischen Bemerkung "Wohl sonst nichts zu tun?" kommentieren. Doch wo starre Regeln und Kontrolle herrschen, gedeiht keine Kreativität. Und die Nachwuchskräfte wollen sich schließlich entfalten. Manager sollten ihre Mitarbeiter also wie Erwachsene behandeln und sich stets vor Augen führen: Kontrolle ist zwar gut – aber Vertrauen ist besser.

Regel 4: Du sollst Mitarbeitern Ziele setzen

Wer im Alltag planlos vor sich hinwerkelt, verliert irgendwann die Lust: Ohne Kurs keine Orientierung, ohne Ziel kein Erfolg. Haben Angestellte aber ein festes Ziel vor Augen, erkennen sie den Sinn hinter ihrer Arbeit. Das treibt an und hilft zudem, die Prioritäten besser zu ordnen. Führungskräfte sollten also Ziele setzen, um das Engagement und den Teamgeist zu steigern. Wer seine Abteilung anspornen will, kann sie beispielsweise auf besondere Herausforderungen einschwören, die Bedrohung durch einen Wettbewerber etwa, einen Markteinbruch oder eine externe Krise. Die Ziele sollten allerdings spezifisch, zeitlich begrenzt, messbar und realistisch erreichbar sein.

Regel 5: Du sollst ein Coach sein

Eine Langzeitstudie teilte Mitarbeiter in zwei Gruppen: Die einen arbeiteten still und leise vor sich hin, die anderen trafen sich alle zwei Wochen zum Feedbackgespräch mit ihrem Vorgesetzten – mit weitreichenden Folgen. Die regelmäßige Resonanz sorgte dafür, dass die Sachbearbeiter konzentrierter, strukturierter und produktiver arbeiteten. Zufriedener mit ihrem Job waren sie auch. Feedback spielt demnach eine entscheidende Rolle, damit Mitarbeiter produktiv bleiben. Kurz gesagt: Menschen strengen sich mehr an, wenn sie mit rascher Rückmeldung rechnen. Die bloße Antizipation führt bereits zu besseren Leistungen – aus Sorge, den Chef sonst zu enttäuschen.

Regel 6: Du sollst Leistung wertschätzen

Viele Beschäftigte leisten nur noch Dienst nach Vorschrift weil sie sich kaum gewürdigt fühlen. Öffentliche oder symbolische Auszeichnungen wie der klassische „Mitarbeiter des Monats“ sind tatsächlich effektiver als Bonuszahlungen. Denn Menschen streben nicht alleine nach Geld – soziale Anerkennung ist ihnen viel wichtiger. Auch und gerade am Arbeitsplatz. Wichtig sind zwei Aspekte: Zum einen müssen die Auszeichnungen für alle sichtbar sein, zum anderen sollten die Kriterien für die Vergabe transparent und begründbar sein. Geraten sie in den Ruch von Willkür und Günstlingswirtschaft, demotivieren sie eher, stigmatisieren die Ausgezeichneten und überführen die Manager des Manipulationsversuchs.

Regel 7: Du sollst Fehler zulassen

Eine Studie ergab: Unternehmen, die besonders offen und konstruktiv mit Fehlern umgingen, erreichten nicht nur ihre Ziele schneller – sie erwirtschafteten auch höhere Renditen und schlugen sich besser als die Konkurrenz. Fehler sind wichtig. Jedoch immer unter der Voraussetzung, dass man daraus lernt. Außerdem: Fehlurteile sind nicht zwangsläufig ein Zeichen von Inkompetenz oder Schwäche, sondern eher ein Beleg dafür, dass jemand neue Wege wagen wollte und sich dabei verrannt hat.

Regel 8: Du sollst konsequent sein

Führungskräfte müssen dafür sorgen, dass ihr Team an einem Strang zieht. Und sie müssen Leistung ebenso konsequent belohnen, wie sie das Gegenteil bestrafen müssen. Denn schon ein Faulpelz reicht, um das gesamte Team zu demoralisieren. Das belegen gleich mehrere Studien. Manager sollten vor allem auf drei Charaktere achten: den Trittbrettfahrer, der in Gruppenprojekten gerne untertaucht; den Dauernörgler, der ständig rummosert; und den Intriganten, der permanent Kollegen anprangert. Selbst wenn es unangenehm ist: Führen heißt eben auch, wiederholtes Fehlverhalten zu ahnden.

Regel 9: Du sollst zuhören

Immer wieder stellt sich bei Umfragen heraus, dass Angestellten ganz banale Dinge wichtig sind: Nämlich dass ihr Chef sich für sie interessiert, verfügbar ist und sich regelmäßig mit ihnen unterhält. Kurzum, er sollte vor allem eines können: zuhören – eine Eigenschaft, die viele Manager offenbar völlig vernachlässigen, sonst wäre sie nicht so gefragt. Und wer als Führungskraft immer nur redet, trifft mitunter falsche Entscheidungen und begeht kostspielige Fehler. Er überhört womöglich Warnungen, gute Ideen oder die Wünsche von Kunden.

Regel 10: Du sollst die Wahrheit ertragen

In der Isolation der Chefetage wird aus Selbstbewusstsein schnell Selbstüberschätzung und Überheblichkeit – ohne dass die Betroffenen das merken. Klar, niemand hört gerne, dass er etwas besser machen könne oder gar falsch gemacht hat. Die Wahrheit tut weh. Doch gerade wenn Führungskräfte mit ihrer eigenen Fehlbarkeit souverän umgehen, werden sie von ihren Mitarbeitern geschätzt. Und nicht selten bewahrt die Fähigkeit, die Wahrheit zu ertragen, vor noch schlimmeren Fehlern.

"Die meisten Manager entwickeln sich nur bis zu einem bestimmten Punkt", sagt die Harvard-Professorin Linda Hill, "und dann hören sie einfach auf." Fatal! Denn wer erst einmal in der Chefetage angekommen ist, braucht mehr als harte Ellenbogen und profunde Expertise. Er muss vor allem das Beste aus seiner Belegschaft herausholen – und dabei gelten andere Regeln als beim bisherigen beruflichen Fortkommen.

Viele Personalentwickler haben das bereits verstanden. In Unternehmen wie Bosch, Henkel oder SAP laufen aktuell neue Programme zur Führungskräfteentwicklung. Manager aus der zweiten und dritten Ebene durchlaufen dabei unter anderem 360-Grad-Feedbacks, bei dem auch ihr Führungsstil überprüft und notfalls verbessert wird – und die Top-Manager stehen als Mentoren zur Verfügung.

Damit machen sie vor, was viele andere Unternehmen derzeit diskutieren: Wie schaffen wir es, gute Führungskräfte zu exzellenten Top-Managern zu formen?

Wirklich brillante Chefs haben Seltenheitswert. Dabei hängt viel von ihnen ab. Rund 61 Prozent der deutschen Manager finden, dass ihre beruflichen Anforderungen in den vergangenen zwei Jahren enorm gestiegen sind, fand das Hernstein Institut für Management und Leadership erst im Mai bei einer Umfrage heraus. Die Wissenschaftler wollten von gut 300 Führungskräften wissen, womit die sich im Job am meisten beschäftigten. Die wenigsten Stimmen bekam das Thema "Umsatz generieren". Mit weitem Abstand auf Platz eins: "Mitarbeitermotivation" – eine Kerndisziplin des Managements. Und eine zunehmend wichtige.

Kommentare (1)

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aruba

19.08.2011, 17:42 Uhr

Guten Tag,.... Die Menschen sollten auch friedlich und gut zueinander sein. Aber was tun sie. Sie setzen die groessten Arschloecher an die Spitze. Siehe... Politik. Besten Dank

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