Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.02.2013

15:03 Uhr

Regierungskommission

Vorstandsgehälter werden begrenzt

Die Kommission für gute Unternehmensführung bringt eine Neuerung auf den Weg: Aufsichtsräte sollen dafür sorgen, dass nicht unbegrenzt verdient werden kann. Die Obergrenze soll dann jeder nachlesen können.

An dem Gehalt von VW-Chef Martin Winterkorn hat sich eine Diskussion entzündet. Er könnte 2012 mehr als 20 Millionen Euro verdient haben. dpa

An dem Gehalt von VW-Chef Martin Winterkorn hat sich eine Diskussion entzündet. Er könnte 2012 mehr als 20 Millionen Euro verdient haben.

FrankfurtBörsennotierte Unternehmen in Deutschland sollen künftig Obergrenzen für die Gehälter und Boni ihrer Vorstände festlegen. Die von der Bundesregierung eingesetzte Corporate-Governance-Kommission will den Aufsichtsräten dabei aber keine Vorgaben machen, was sie noch für eine angemessene Entlohnung hält. „Das bleibt allein in der Entscheidungsfreiheit des Aufsichtsrats. Die Vergütungssysteme sollten aber nicht nach oben offen sein“, betonte der ehemalige Daimler-Finanzvorstand Manfred Gentz, der die Vorschläge federführend ausgearbeitet hatte. Die Unternehmen sollen im Geschäftsbericht angeben, wie viel ihre Vorstände maximal verdienen können.

Die Kommission für gute Unternehmensführung reagiert mit dem Gehaltsdeckel auf Auswüchse, die zu astronomischen Vergütungen geführt hatten, etwa weil die Vorstands-Boni mit dem Gewinn stiegen. So hatte VW-Vorstandschef Martin Winterkorn für 2011 ein Gehalt von mehr als 17 Millionen Euro bekommen. Für 2012 könnte es deutlich mehr sein (siehe kostenpflichtiger Handelsblatt-Artikel: „Der Zuviel-Verdiener“).

„Die Diskussionen der letzten 24 Monate sind sicher nicht ohne Einfluss geblieben“, sagte der Vorsitzende der Kommission, Commerzbank-Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller. Die Vorschläge werden nun bis Mitte März zur Diskussion gestellt.

Die Aufsichtsräte, die die Vorstandsgehälter festlegen, sollen nach dem Willen der Kommission auch darauf achten, dass die Gehälter für Vorstände nicht zu weit von denen der zweiten Führungsebene und von denen der Gesamtbelegschaft abweichen. „Die Zuwächse bei den Vorständen waren zuletzt höher als in den Belegschaften“, sagte Gentz. „Der Aufsichtsrat sollte zumindest darüber nachdenken. Wir wollen die Aufsichtsräte nicht bevormunden, aber ihre Aufmerksamkeit erhöhen.“ Forderungen aus der Politik, die Vorstandsvergütungen auf ein Vielfaches des Durchschnittsgehalts zu beschränken, erteilte Müller aber eine Absage.

Gewerkschaften fordern bis zu 6,6 Prozent mehr Lohn und Gehalt

Diesjährige Tarifrunde

In der diesjährigen Tarifrunde fordern die Gewerkschaften zwischen fünf und 6,6 Prozent mehr Lohn und Gehalt. Wie das WSI-Tarifarchiv der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung zum Start der Tarifrunde 2013 mitteilte, laufen in diesem Jahr für rund 12,5 Millionen Beschäftigte die Lohn- und Gehaltstarifverträge aus.

Tarifforderung im öffentlichen Dienst

Nach einer Übersicht der Stiftung lautet die Tarifforderung im öffentlichen Dienst der Länder 6,5 Prozent. Erster Verhandlungstermin ist der 31. Januar. Bei der Deutschen Bahn fordert die Verkehrsgewerkschaft EVG ebenfalls 6,5 Prozent. Für die Holz- und Kunststoffindustrie, wo regional bereits verhandelt wird, will die IG Metall fünf Prozent mehr Geld für die Beschäftigten.

Verhandlungen in der Energiewirtschaft

In der Energiewirtschaft beträgt die Forderung der Gewerkschaften ver.di und IG BCE 6,5 Prozent. Verhandelt wird in einzelnen Energieunternehmen und regionalen Verbänden. Bei E.ON laufen nach der ergebnislosen dritten Runde und einem Arbeitgeberangebot von 1,7 Prozent die Vorbereitungen für Urabstimmung und Arbeitskampf.

Verträge der IG Metall und der IG Bau

In der Eisen- und Stahlindustrie laufen die Verträge Ende Februar aus. Die IG Metall hat noch keine konkrete Forderung aufgestellt. Im Bauhauptgewerbe geht die IG BAU mit einer Tarifforderung von 6,6 Prozent in die Verhandlungen. Die Verträge laufen Ende März aus.

Der Einzelhandel

Im Einzelhandel haben die Arbeitgeber bundesweit sämtliche Einkommens- und Manteltarifverträge gekündigt. Ver.di bewertet das als Generalangriff auf die Tarifstandards. Die Verträge laufen regional unterschiedlich Ende März, April und Mai aus. Eine konkrete Tarifforderung von ver.di liegt noch nicht vor. Im Bereich Nahrung-Genuss-Gaststätten fordert die Gewerkschaft NGG zwischen fünf und 6,0 Prozent mehr Geld.

Sonstige Branchen

Branchen, in denen in diesem Jahr ebenfalls verhandelt wird, sind unter anderem: Metall- und Elektroindustrie (April), Deutsche Post (März), Versicherungsgewerbe (März), Groß- und Außenhandel (März/April), Kfz-Gewerbe (April/Mai), Volkswagen (Juni), Maler- und Lackiererhandwerk (September), Leih-/Zeitarbeit (Oktober).

Tarifsteigerungen 2012

Im vergangenen Jahr betrug die jahresbezogene Tarifsteigerung nach Angaben der Hans-Böckler-Stiftung 2,7 Prozent (2011: Zwei Prozent). Dies habe zu einer realen (preisbereinigten) Anhebung der Tarifverdienste um 0,7 Prozent geführt.

Zudem will die Corporate-Governance-Kommission eine Schneise in das Dickicht der Vergütungsberichte in den Geschäftsberichten schlagen. „Wir haben deutliche Klagen über mangelnde Transparenz und Vergleichbarkeit“, sagte Müller. Die Experten haben deshalb Mustertabellen entwickelt, in denen die Konzerne von 2014 an die Vorstandsgehälter aufschlüsseln sollen.

Doch sind sie nur eine „Anregung“ der Kommission, verwendet werden müssen sie nicht - zum Missfallen der Anlegerschützer von der DSW. „Das hätte den Druck nochmals deutlich erhöht“, sagte DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler. Er forderte die Firmen auf, die Angaben schon in diesem Jahr zu veröffentlichen. „Die notwendigen Daten und Zahlen liegen vor.“

Sparkassen NRW: Die Spitzenverdiener

Platz 10

Sparkasse Westmünsterland

Heinrich-Georg Krumme

484.200 Euro

Platz 9

Sparkasse Bochum

Volker Goldmann

489.000 Euro

Platz 8

Stadtsparkasse Wuppertal

Peter Vaupel

500.000 Euro (geschätzt)

Platz 7

Sparkasse Leverkusen

Manfred Herpolsheimer

522.000 Euro

Platz 6

Sparkasse Essen

Hans Martz

542.800 Euro

Platz 5

Sparkasse Köln-Bonn

Artur Grzesiek

578.000 Euro

Platz 4

Sparkasse Münsterland Ost

Markus Schabel

593.000 Euro

Platz 3

Sparkasse Aachen

Hubert Herpers

650.000 Euro (geschätzt)

Platz 2

Stadtsparkasse Düsseldorf

Peter Fröhlich (bis Juni 2012)

664.000 Euro

Platz 1

Kreissparkasse Köln

Alexander Wüerst

756.000 Euro

(Daten für das Geschäftsjahr 2011, Quelle: Bundesanzeiger, Schätzungen)

Von

rtr

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Rumpelstilzchen

05.02.2013, 15:18 Uhr

Immerhin ein Anfang, aber er genügt nicht! Die Vorstandsbezüge sollten wenigstens beim 100fachen des niedrigsten Gehalts liegen - und selbst das scheint mir noch fragwürdig. Kann ein einzelner Mensch das hundertfache dessen leisten, was ein einfacher Mitarbeiter verdient?

esm

05.02.2013, 15:36 Uhr

hey cool, in dtl. wird wieder aktiv über wirtschaftliche spielregeln nachgedacht. 20 jahre blind den amis hinterhergelaufen wirds endlich zeit wieder zu einem vernünftigen balancierten wirtschaftssystem zurückzukehren.

wenn wir jetzt noch verstehen, dass wir im vgl. zu usa und schweden überbevölkert sind und deshalb human resources zuhauf haben, dann ist viel gewonnen. nie war es einfacher fachkräfte mit hilfe des internets umzuschulen!!

Rene

05.02.2013, 15:59 Uhr

Ich bin absolut gegen staatlichen Dirigismus bei Preisen. Aber die Vorstandsgehälter sind unmoralisch hoch.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×