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17.05.2013

13:52 Uhr

Regulierungswut

EU verbannt Olivenöl-Kännchen von Restauranttischen

VonCarina Kontio

Drinnen keine Kännchen: Die EU will Olivenöl auf Restaurant-Tischen verbieten. Ab 2014 soll es nur noch versiegelte Flaschen geben. Der Gaststättenverband Dehoga ist außer sich: „Das ist die Lachnummer schlechthin.“

Panschen, Mischen, Täuschen - in vielen Olivenölen steckt nicht das, was dem Verbraucher versprochen wird. gms

Panschen, Mischen, Täuschen - in vielen Olivenölen steckt nicht das, was dem Verbraucher versprochen wird.

DüsseldorfAls „die vielleicht schrägste Entscheidung seit der legendären Gurkenkrümmungsverordnung“ beschreibt die „Sueddeutsche Zeitung“ (SZ) die bisher geräuschlose Reform der „Durchführungsverordnung über die Vermarktungsvorschriften für Olivenöl“.

Am Freitag hat die Europäische Union entschieden, dass auf den Tischen von Restaurants schon bald keine Kännchen mit Olivenöl mehr stehen dürfen. Nach der Neuregelung müssen Gastronomiebetriebe ab dem 1. Januar 2014 nur noch Einwegflaschen anbieten, die versiegelt und nicht nachfüllbar sind. Es fehlt nur noch der Eintrag ins Amtsblatt der Europäischen Union, der im kommenden Monat geschehen soll, heißt es bei der „Sueddeutschen“.

Dienen soll die Entscheidung dem Verbraucherschutz: Damit werde sichergestellt, dass der Restaurantkunde kein minderwertiges Öl angedreht bekomme, sagte der Sprecher, der auch auf Hygiene-Probleme hinwies. Bleibt nur die Frage, warum es für ebenfalls auf Gasthaustischen zu findende Essigkaraffen, Tabascoflaschen oder Salzstreuer keine Regelung gibt.

So finden Sie ein gutes Olivenöl

Wahl des Geschäfts

Suchen Sie sich ein Geschäft, in dem Sie Olivenöle vor dem Kauf verkosten können und dessen Personal ein paar grundsätzliche Fragen dazu beantworten kann, wie, wo und von wem sie hergestellt wurden. Olivenölfachgeschäfte und Ölbars gibt es immer mehr – auch bei Feinkostanbietern, auf Märkten und in Supermärkten.

Wahl anderer Anbieter

Wenn Sie das Öl vor dem Kauf nicht kosten können, wählen Sie einen Anbieter mit strikten Qualitätskontrollen bei Produktion und Auswahl. Dazu gehören Olive Press (www.theolivepress.com), Zingerman's (www.zingermans.com), Beyond the Olive (www.beyondtheolive.com) oder Corti Brothers (www.cortibros.biz).

Frisches Öl

Natives Olivenöl wird nicht im Alter besser wie ein guter Wein. Im Gegenteil, es ist leicht verderblich und verliert nach dem Pressen an Geschmack und Aroma. Das passiert noch schneller, wenn das Öl in Flaschen abgefüllt ist. Deshalb sollten Sie so nah am Produzenten (z.B. einer Olivenmühle) wie möglich kaufen und das Öl in sauberen Edelstahlcontainern lagern.

Behälter

Am besten eignet sich als Behälter dunkles Glas – es schützt vor Licht.

Etiketten

Wenn Sie keinen Verkäufer zu rate ziehen können, vertrauen Sie auf das Etikett. Besonders wichtig ist dabei, dass das Öl als „nativ extra“ ausgezeichnet ist. Bei anderen Bezeichnungen wie zum Beispiel „rein“ oder „Olivenöl“ wurde das Öl noch chemisch raffiniert.

Haltbarkeitsdatum

Um der Frische Ihres Öls sicher zu sein, sollten Sie Produkte mit Haltbarkeitsdatum oder gar Erntetermin kaufen. Nach Möglichkeit sollten Sie Öle aus der diesjährigen Ernte bevorzugen. Wenn ein Öl noch zwei Jahre lang haltbar ist, wird es vermutlich noch frisch sein. Aber Vorsicht: Auch beim Haltbarkeitsdatum kann gepfuscht werden. Statt der Ernte wird dann der Tag der Abfüllung als Ursprung gewählt. Kontrollierbar ist das nicht.

Herkunft

Wenn ein Etikett besagt, das Olivenöl sei in Italien verpackt oder abgefüllt worden, heißt das nicht, dass das Öl auch aus Italien stammt. Italien ist einer der größten Importeure von Olivenölen. Eine italienische Flagge auf der Verpackung heißt aber noch nichts. Öle, bei denen der genaue Herstellungsort nicht auf der Packung steht, sollten Sie daher meiden.

Farbe des Öls

Die Farbe des Öls sollte keine Rolle spielen. Ob Grün oder Gold oder Strohgelb – echte native Olivenöle sind nicht an der Farbe, sondern am fruchtigen Geschmack und Geruch zu erkennen.

Typ des Öls

Der Öltyp sollte zum Essen passen. Kräftiges Öl – oft bezeichnet als „robust“, „frühe Ernte“ oder „körperreich“ – sollten Sie dabei für deftige Speisen wie Pfeffersteak, bruschetta oder aromatisches Gemüse verwenden. Mildere Öle mit Auszeichnungen wie „mild“, „zart fruchtig“ oder „späte Ernte“ eignen sich besser für Fisch, Hühnchen oder Kartoffeln.

Preis

Auch, wenn der Preis eine Rolle spielt: Wer ein gutes Öl kaufen will, sollte sich nicht von Schnäppchenpreisen verführen lassen. Echtes natives Olivenöl ist kostspielig, dafür sollten Sie mindestens acht Euro einplanen. Natürlich ist aber auch ein hoher Preis kein Garant für Qualität.

Zertifizierungen

Zertifizierungen auf Etiketten sind nicht immer eine Qualitätsgarantie. Vertrauen kann man aber nationalen und staatlichen Olivenölverbänden wie Australian Olive Association, California Olive Oil Council und Association 3E. Auch die North American Olive Oil Association und der internationale Olivenölrat zertifizieren Olivenöl.

Informationen

Ausführliche Informationen und aktuelle Ressourcen zum Kauf und Genuss guter Öle finden Sie auf www.extravirginity.com.

Die neue Verordnung ist Teil eines Aktionsplans der EU, um das Image von europäischem Olivenöl bei Verbrauchern zu fördern – die Europäische Union ist größter Hersteller, Konsument und Exporteur von Olivenöl der Welt. Demnach müssen auf Olivenölflaschen generell Herkunft und Art des Produkts künftig besser und lesbarer ausgezeichnet werden. Die Bestimmungen passierten in dieser Woche ein Expertengremium der EU-Mitgliedstaaten mit dem amüsanten Namen „Einheitlicher Verwaltungsausschuss Obst und Gemüse“, von denen sich eine Mehrheit dafür aussprach. Die Kommission bekam somit grünes Licht, ihre Pläne umzusetzen.

Die Hauptgeschäftsführerin des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) ist außer sich. „Wir haben kein Verständnis für diese Regelungswut“, sagt Ingrid Hartges im Gespräch mit Handelsblatt Online. „Das ist eine Lachnummer. Als ob es in der EU nichts Wichtigeres zu tun geben würde.“

„Uns sind keinerlei Missstände bekannt bei Olivenöl“

Sie vermutet hier ganz klar sachfremde Interessen. „Vielleicht freut das die Olivenölfabrikanten, wenn sie ihr Produkt in kleinen Flaschen mit entsprechenden Margen verkaufen können. Aber der Schuss kann nach hinten losgehen.“ Ein Restaurantbesuch mit Olivenölkännchen auf dem Tisch sei für viele Verbraucher nicht mehr weg zu denken. Eine solche Verordnung führe nur zu Unverständnis und Missmut gegenüber Europa, statt Akzeptanz zu fördern. Außerdem: „Noch mehr Wegwerfprodukte können wir nicht gebrauchen“, so Hartges. „Die sollen sich raushalten, aus Ölkännchen-Fragen.“

Vor allem das Argument mit dem Verbraucherschutz hält sie für fadenscheinig. „Uns sind keinerlei Missstände bekannt bei Olivenöl.“ Selbst wenn das der Fall wäre, dürfe man nicht die Gastronomie dafür bestrafen. „Da muss man die Olivenölproduzenten- und Händler härter an die Leine nehmen. Es ist besser, das regelt jedes Land für sich alleine. Die EU soll sich lieber um wichtigere Dinge kümmern.“

Kommentare (102)

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www_wissensmanufaktur_net

17.05.2013, 13:55 Uhr

"EU verbannt Ölivenöl-Kännchen...."

Wer bitte ist die "EU"???

EU = EU-Kommission

Die EU-Kommission besteht aus 27 Personen, nur sie darf in
Europa Gesetze vorschlagen und verabschieden!!!

Die EU-Kommission ( 27 Personen ) wird von keinem Bürger gewählt!!

Wer kontrolliert die 27 Personen ( EU-Kommission ) die von keinem Bürger gewählt wurden, damit sie ihre Übermacht nicht ausnutzen???

EU = Eine 27 Mann/Frau Diktatur?

Können diese 27 Mann/Frau mit uns machen was sie wollen?

Warum erfahren wir nichts darüber in den Mainstreammedien?

Wer steht hinter den Mainstreammedien?

Bitte nicht löschen, Herr/Frau Zensor danke

fortissimo

17.05.2013, 13:58 Uhr

Was nützt das gut gemeint dem Verbraucher, wenn bereits bei der Herstellung in Norditalien oder anderen Regionen wie Spanien mit seiner krankhaften Genifizierung der Lebensmittel bereits gepantscht wird um Geld zu sparen? Auch in der Provence ist nicht mehr alles heiliger, ölig geschmierter Klang von ewigem Leben, was mit Olivenöl zu tun hat.

Prophet

17.05.2013, 14:01 Uhr

Die Phantasie dieser Herren in Brüssel scheint keine Grenzen zu kennen. Nicht auszudenken, was da noch alles auf uns zukommt. Das Schlimme ist, dass man da keinen Einfluss drauf hat und deren Willkür quasi ausgeliefert ist.

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