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17.12.2014

13:01 Uhr

Reiche Russen

Oligarchen verlieren zehn Milliarden – in zwei Tagen

Die Krise in Russland trifft auch die Superreichen. In kurzer Zeit schmilzt das Vermögen der Milliardäre zusammen. Ein Oligarch hat fast sein gesamtes Geld verloren. Aber es gibt auch Gewinner.

Wladimir Jewtuschenkow war einst der reichste Russe. Jetzt ist er um neun Milliarden Dollar ärmer. dpa

Wladimir Jewtuschenkow war einst der reichste Russe. Jetzt ist er um neun Milliarden Dollar ärmer.

MoskauDer Absturz des Rubels und der Einbruch am Aktienmarkt macht die russischen Oligarchen ärmer. Allein in dieser Woche haben die 20 reichsten Russen rund zehn Milliarden Dollar verloren, wie der Bloomberg Billionaires Index zeigt. Im gesamten Jahr haben die Milliardäre zusammen 62 Milliarden Dollar verloren.

Die russische Währung ist seit Monaten unter Druck, weil die Wirtschaft des Landes unter dem anhaltenden Ölpreisverfall wie auch unter den westlichen Sanktionen infolge der Ukraine-Krise leidet. Seit Jahresbeginn hat der Rubel rund 50 Prozent an Wert verloren. Ebenso stark ist der russische Aktienmarkt gefallen.

Größter Verlierer ist Leonid Mikhelson: Sein Vermögen schrumpfte seit Jahresbeginn um 8,7 Milliarden Dollar. Der 59-Jährige ist Vorstandsvorsitzender von Novatek, Russlands zweitgrößtem Erdgasproduzenten. Laut der Bloomberg-Rangliste beträgt sein Vermögen immer noch 9,2 Milliarden Dollar.

Der Rubel-Verfall - Ursachen und Folgen

Historisches Tief

Die Währung verlor seit Wochenbeginn mehr als 15 Prozent, die jüngste Erholung vom Mittwochvormittag auf einen Kurs von einem Dollar je 64 Rubel eingerechnet. Seit Jahresbeginn summiert sich der Wertverfall auf mehr als 50 Prozent. Allein am Dienstag war der Rubel zeitweise um 24 Prozent eingebrochen und hatte ein Rekordtief von einem Dollar je 80 Rubel markiert. Die Zentralbank hatte die Talfahrt noch in der Nacht zuvor mit einer drastischen Erhöhung des Leitzinses um 6,5 Prozent zu stoppen versucht. Doch vergebens.

Einkaufen bis zum Abwinken

Der Währungsverfall treibt die Russen in die Geschäfte. Begehrt sind bei den Kunden vor allem importierte Autos, Kühlschränke, Fernseher und Waschmaschinen. Ihre Devise: Noch schnell Rubel loswerden, bevor bald Schilder mit höheren Preisen in den Schaufenstern hängen.

„Nun ist genau die Zeit, um sämtliche Einkäufe zu erledigen, die man aufgeschoben hat, weil es morgen andere Preise gibt“ sagt Alexej Malachow, ein 27-jähriger IT-Angestellter, der ein Google-Telefon für 18 000 Rubel (rund 200 Euro) erstanden hat. Vor zwei Wochen habe er eine Waschmaschine gekauft. Seitdem habe sich deren Preis um 25 Prozent erhöht. „Wir haben nicht alles gekauft, was wir bräuchten, aber es ist kein Geld mehr übrig“, klagt er.

Dmitri Rajenko hat einen Ofen und einen Kaffeemacher ergattert. „Man muss das philosophisch angehen: Kauf, was du jetzt brauchst“, sagt der 45-jährige Angestellte im Sport-Marketing. „Wir sind in einem Wirtschaftskrieg, und es ist unwahrscheinlich, dass es bald besser wird.“

Der Öl-Faktor

Im Tandem mit den Sanktionen des Westens wurde der Absturz des Rubels von einem Preisverfall beim Öl angetrieben. Das Barrel sackte von einem Sommerhoch von 107 Dollar auf nunmehr 56 Dollar ab. Dabei kommt der Bärenanteil der Einnahmen der Regierung aus dem Ölgeschäft.

Der Angst-Faktor

Und doch erklärt sich die Währungskrise längst nicht allein aus dem Absturz der Ölpreise. Vielmehr herrsche eine Vertrauenskrise bei jedem, der im Markt involviert sei, konstatiert Philip Hanson, Experte für russische Wirtschaft am Königlichen Institut für Internationale Angelegenheiten in London. „Es ist einfach, das Wort 'Panik' zu benutzen, aber ich denke, das ist genau das, was passiert ist.“

Dazu gehöre, dass Unternehmen versuchten, ihre Rücklagen in Dollar umzuwandeln und auch gewöhnliche Bürger ihr Erspartes retteten, in dem sie Rubel umtauschten.

Zwar versuchen Staatsmedien das Ausmaß der Krise herunterzuspielen, doch selbst einige russische Beamte wirken ratlos. „Die Situation ist kritisch“, räumt der Vize-Chef der Zentralbank, Sergej Schwetsow

Schmerzhafte Sanktionen

Dem Rubel setzen die Sanktionen zu, die die USA und Europa wegen der Rolle Moskaus in der Ukraine-Krise verhängt haben. Hintergrund sind die Schwierigkeiten russischer Firmen, ihre Dollar- und Euroschulden auf den westlichen Kapitalmärkten zu refinanzieren. „Daher streben sie danach, Euros oder Dollars zu erwerben, um externe Schulden zu bezahlen und gehen dabei in einer Art und Weise vor, mit der sie das sonst nicht tun würden, wenn die Sanktionen nicht wären“, sagt Experte Hanson. Mit anderen Worten: Die Unternehmen erbetteln sich Dollars und verkaufen Rubel, um sie zu bekommen - und schicken den Rubel damit nur auf eine noch steilere Talfahrt.

Just auf dem Höhepunkt der Krise kündigte das Weiße Haus am Dienstag an, Präsident Barack Obama werde ein Gesetz mit neuen Strafmaßnahmen gegen Moskau unterzeichnen.

Hinter den Kulissen

Marktanalysten zufolge trug ein Geheimdeal des angeschlagenen staatlichen Ölgesellschaft Rosneft zur Aushöhlung des Rubel bei. Der von Putins Langzeit-Intimus Igor Seschin geführte Konzern ruft bereits seit Monaten nach einem Rettungsring der Regierung, weil die Sanktionen seine Möglichkeiten einschränkten, sich im Ausland Geld zu leihen.

Durch den Verkauf von Anleihen mit niedrigen Zinssätzen - laut Analysten an staatliche Banken - borgte sich Rosneft am Freitag 625 Millionen Rubel. Zu dem Zeitpunkt waren dies 10,9 Milliarden Dollar (rund 8,7 Milliarden Euro). Zwar stritt Rosneft ab, jegliche Erlöse aus den Anleihen in Dollar umgetauscht zu haben. Doch aus Sicht von Experten dürften Gerüchte über den Deal für die Währungskrise mitverantwortlich sein.

Rosneft sei so wichtig, dass es nur schwer vorstellbar ist, dass Russland den Konzern in die Zahlungsunfähigkeit gehen lasse, sagt Ewgeny Solowjow, Analyst bei der Société Générale in London. „Und wir haben eben gesehen, dass sie das nicht zulassen werden.“

Was tun?

Die jüngste Zinserhöhung durch die Zentralbank soll die Händler dazu ermuntern, an ihren Rubel festzuhalten. Doch Analysten zufolge war die Maßnahme schon deshalb unzureichend, weil Banken und Unternehmen viel größere Gewinne durch den Kauf harter Währung erzielen könnten. Im Übrigen könnten sich die höheren Zinssätze als Bumerang erweisen und der Wirtschaft schaden.

Sollten die panischen Rubel-Verkäufe weiter anhalten, könnten die russischen Behörden sich gezwungen sehen, Kapitalkontrollen einzuführen, mutmaßen Experten. Das wären jedoch schlechte Nachrichten für all jene ausländischen Investoren, die ihr Geld noch nicht aus Russland abgezogen haben.

Auf 7,8 Milliarden Dollar beläuft sich der diesjährige Vermögensverlust bei Gennadi Timtschenko, 62, dem 23,5 Prozent an Novatek gehören. Timtschenko ist ein Vertrauter von Präsident Wladimir Putin und wurde von den personenbezogenen Sanktionen der USA im März getroffen. Sein Nettovermögen liegt bei 3,2 Milliarden Dollar.

Die drittgrößten Verluste hatte Wladimir Lisin, 58, Vorsitzender und größter Aktionär von Novolipetsk Steel. Der Aktienkurs des Stahlkonzerns ist dieses Jahr um 42 Prozent gefallen. Lisins Vermögen schmolz um 7,5 Milliarden Dollar ab.

Alischer Usmanow verlor seinen Rang als reichster Russe mit einem Verlust von 6,8 Milliarden Dollar. Der 61-Jährige besitzt mehr als 20 Prozent von MegaFon, Russlands zweitgrößtem Mobilfunkanbieter, der auf Kursverluste von 58 Prozent kommt. Gemildert wurden Usmanows Verluste durch Gewinne bei den chinesischen Technologiefirmen Alibaba Group Holding und JD.Com.

Kommentare (13)

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Frau Pia Paff

17.12.2014, 13:33 Uhr

Bin schon baff, woher die West Presse das weiss!
Zumal die Oligarchen ihr Geld verstreut auf dem Erdball parken. Allein in Asien angeblich eine Billion Dollar. Wenn ich mir dagegen das beschissene Gehalt eines Journalisten anschaue, verstehe ich deren Frust! Aber Gott sei Dank glaubt denen kaum mehr einer!!

Account gelöscht!

17.12.2014, 13:59 Uhr

alles nur theoretische Buchverluste; und machen wir uns nichts vor: der ganze Reichtum stammt doch mit Sicherheit aus der "ich bescheiße und bestehle jeden" Zeit nach dem Ende der SU 1990.

Herr Edmund Stoiber

17.12.2014, 14:00 Uhr

Trotzdem, der Westen spielt mit dem Feuer!

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