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13.02.2013

21:59 Uhr

Reise

Pauschal-Pionier Neckermann muss sich neu erfinden

Die ersten „Neckermänner“ flogen vor 50 Jahren in Propellermaschinen nach Südeuropa. Die Pauschalreise erlebte einen rauschhaften Boom. Heute muss sich der Reisekonzern aber gegen neue Konkurrenz behaupten.

Neckermann-Reisekatalog aus dem Jahr 1963: Erfolg mit Pauschalreisen. dpa

Neckermann-Reisekatalog aus dem Jahr 1963: Erfolg mit Pauschalreisen.

FrankfurtVor 50 Jahren hatte der erfolgreiche Frankfurter Versandhändler Josef Neckermann mal wieder den richtigen Riecher. Nur sechs Seiten dünn war das im Warenkatalog beigelegte Heftchen, aber es enthielt offenbar Antworten auf die Träume vieler erfolgreicher Menschen im deutschen Wirtschaftswunderland. Fertig organisierte Flugreisen nach Mallorca, an die Costa del Sol oder nach Dalmatien zum vorher festgelegten Festpreis - die auf dem deutschen Markt neue Pauschalreise setzte sich in den folgenden Jahren schnell als bequeme und umsatzträchtige Urlaubsform durch.

Bereits im ersten Jahr konnte Neckermann nach eigenen Angaben 18.000 Urlauber begrüßen, die für rund acht Millionen D-Mark Umsatz sorgten. Waschkörbeweise hatten sich die Menschen per Post um die Teilnahme an den noch wenigen Trips des Reiseveranstalters beworben. Bis dahin waren die Deutschen vor allem mit Bussen, Bahn oder auch mit dem eigenen Auto in die Sommerfrische aufgebrochen. Flugreisen waren etwas für Reiche und Abenteurer.

Welche Nation ist Reiseweltmeister?

Platz 10

Italien: Die Italiener, selbst mit einem wunderschönen Land gesegnet, gaben im Jahr 2012 über 20 Milliarden US-Dollar für Reisen ins Ausland aus.

(Quelle: UNWTO, Commerzbank Research)

Platz 9

Australien: Die Australier sind reisesüchtig. Man trifft sie an allen touristischen Hotspots der Welt. Entsprechend hoch sind ihre Ausgaben für Reisen ins Ausland - 2012 betrugen diese über 25 Milliarden US-Dollar.

Platz 8

Japan: Die Bewohner des Inselstaates gaben im vergangenen Jahr knapp unter 30 Milliarden US-Dollar bei Auslandsreisen aus. Sie bevorzugen Ziele in China, Südkorea oder den USA.

Platz 7

Kanada: Auch die Kanadier sind reisefreudig. Sie gaben im Jahr 2012 geschätzte 33 Milliarden US-Dollar dafür aus. Sie mögen besonders gerne europäische Städte: Paris und London zum Beispiel.

Platz 6

Russland: Die Russen gaben im vergangenen Jahr knapp 40 Milliarden US-Dollar bei ihren Reisen ins Ausland aus. Ein besonders beliebtes Reiseziel für betuchte Gäste aus Sankt Petersburg und Moskau: Die Mittelmeerinsel Zypern.

Platz 5

Die Franzosen gaben im Jahr 2012 knapp 40 Milliarden US-Dollar für Reisen aus.

Platz 4

England: Die Touristen aus den britischen Inseln reisen gerne nach Südeuropa - dahin, wo die Sonne den ganzen Tag scheint und das Essen schmeckt. Für ihre Reiseaufenthalte gaben die Briten im Jahr 2012 über 50 Milliarden US-Dollar aus.

Platz 3

BRD: Deutschland, lange Jahre der Reiseweltmeister, rutscht vom Thron auf Platz drei ab. Die Ausgaben betrugen das Jahr 2012 geschätzt 82 Milliarden US-Dollar.

Platz 2

Amerika: Die US-Amerikaner bleiben freudige Fernreisende. Egal, ob in der Welt oder im eigenen Land, wo sie auf faszinierende Ziele wie den Grand Canyon treffen. Ihre Ausgaben für Tourismus & Co lagen im Jahr 2012 bei über 85 Milliarden US-Dollar.

Platz 1

China: Die Touristen aus dem Reich der Mitte haben nicht nur die Deutschen vom Thron der Vielreisenden geschubst, sondern sie geben auch das meiste Geld bei ihren Reisen aus. Schätzungen zufolge betrugen die Urlaubsausgaben der Chinesen im Jahr 2012 über 90 Milliarden US-Dollar. Die Ausgaben nahmen im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent zu. Die Chinesen sind damit Reiseweltmeister.

Die Unternehmen, die unmittelbar mit chinesischen Touristen zu tun haben, stellen sich auf den Ansturm aus Asien ein. Zum Beispiel am Frankfurter Flughafen: Dort sprechen einzelne Mitarbeiter in Duty-Free-Shops mittlerweile Mandarin.

Die Zweifel der anderen versuchte der Veranstalter im ersten Prospekt zu zerstreuen: „Eine Flugreise bietet große Vorteile, wenn sie gewissenhaft geplant und sorgfältig vorbereitet ist. Wir haben an alles gedacht.“ Am Zielort sollten sich die noch unerfahrenen Touristen fühlen wie zu Hause. „Typische Merkmale sind saubere Zimmer, reichliche Hauptmahlzeiten, eifrige Bedienung und eine kleine Bar, in der Sie viel für wenig Geld erhalten“, wurden die gebuchten Unterkünfte auf der künftigen „Putzfraueninsel“ Mallorca gelobt.

Das zeigt auch: Das später so erfolgreiche Konzept „All inclusive“ war damals noch nicht erfunden. „15 Tage alles inbegriffen“ meinte zwar die komplette Reise mit Vollpension, aber selbstredend nicht die Getränke. Dem Erfolg tat dies keinen Abbruch: Im Jahr darauf wurden bei Neckermann bereits Kreuzfahrten angeboten und ab 1965 ging es auch mit Düsenjets in den Süden. 1973 war der erste Club-Urlaub im Angebot, ein Jahr darauf führte die Ölkrise zu den ersten Treibstoffzuschlägen, doch die Reiselust blieb lange ungebrochen.

Die größten Bettenburgen der Welt

Starwood

Zum Hotelbetreiber Starwood gehören neben Meridien auch die Marken Sheraton, Westin und Four Points. In 1100 Hotels warten 315.000 Zimmer auf Gäste.

Choice

In den 6100 Hotels von Marken wie Comfort, Quality und Clarion werden den Gasten 490.000 Zimmer angeboten.

Hilton

Zu Hilton gehört neben den Hilton Hotels selbst auch die Marken Conrad und Waldorf-Astoria. In 3000 Häusern bietet der Konzern 500.000 Zimmer.

Accor

Der Hotelbetreiber Accor ist Deutschlands Nummer eins. In der Bundesrepublik gibt es 330 Hotels, 3.516 sind es weltweit. In diesen Hotels stehen 450.000 Zimmer zum Übernachten bereit. Zum Konzern gehören außer Novotel auch ibis, Mercure, Softitel und Formule 1.

Wyndham

Es hat zwar nicht die meisten Zimmer zur Verfügung, dafür aber mit 7200 Hotels die mit Abstand meisten Gebäude. Zu dem Hotelbetreiber gehören unter anderem Days Inn, Ramada und Howard Johnson.

Marriott

Mit 640.000 Zimmern ist Marriott der zweitgrößte Hotelbetreiber der Welt. Auf Marken wie Marriott, Renaissance und das berühmte Ritz-Carlton verteilen sich 3700 Hotels.

IHG

Zur IHG gehören neben InterContinental auch die Marken Holiday Inn und Crowne Plaza. In 4500 Hotels stehen Besuchern rund 660.000 Zimmer zur Verfügung. Damit ist IHG der größte Hotelbetreiber weltweit.

Josef Neckermann zielte unter der Maßgabe „großer Umsatz, kleine Marge“ auf den Massenmarkt, die Preise lagen teils deutlich unter denen der Konkurrenz. Schnell wurde das Wort der „Neckermänner“ zum Synonym für die gelegentlich belächelten Pauschaltouristen. 1976 führte die auch im Versandhandel genutzte Billigmasche allerdings zum Kollaps des Unternehmens, das schließlich von der Karstadt-Gruppe übernommen wurde.

Aus den bescheidenen Anfängen ist längst ein Riesenmarkt geworden: Laut Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen leisten sich drei Viertel der deutschen Bevölkerung jedes Jahr eine Urlaubsreise von mindestens fünf Tagen.

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