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22.01.2016

06:37 Uhr

Rekordgewinne bei Fluglinien

Warum die Ölpreise fallen, die Flugpreise aber nicht

VonAxel Postinett, Hans-Peter Siebenhaar

Die Preise für Flugbenzin sind so tief wie seit Jahren nicht mehr. Aber die Preise für Flugtickets sinken trotzdem nicht. Im Gegenteil: Sie werden steigen. Wohin geht das Geld, das Fluglinien an Spritkosten sparen?

US-Fluglinien stehen unter dem Verdacht illegaler Absprachen. AFP

Flugzeug vor der Skyline von New York

US-Fluglinien stehen unter dem Verdacht illegaler Absprachen.

San Francisco/WienDie Spritkosten gehören für eine Fluglinie zu den größten Kostenpositionen. Nach Branchenschätzungen machen sie bei den führenden europäischen Airlines wie Lufthansa oder Air France-KLM zwischen 20 bis 30 Prozent der gesamten Ausgaben aus.

Der dramatische Absturz des Preises für ein Fass der Rohölsorte Brent von 114 Dollar Mitte 2014 auf unter 30 Dollar sollte also eine gute Nachricht sein für die Kunden der Fluggesellschaften. Doch wer sich die Statistiken vor allem in den USA anschaut, dem größten Flugmarkt der Welt, der stellt fest, dass Flugreisende nicht von den Einsparungen der Airlines profitieren.

Nach den jüngsten verfügbaren Zahlen des US-Transportministeriums kostete ein inneramerikanisches Flugticket im zweiten Quartal 2015 im Schnitt 385 Dollar. Das sind inflationsbereinigt nur 2,8 Prozent weniger als im Vergleichsquartal 2014 mit 396 Dollar.

Airlines führen keine Preiskämpfe mehr

Seitdem sind die Ticketpreise offenbar kaum weiter gefallen. Einzelne US-Gesellschaften melden für das Weihnachtsquartal Rückgänge der Ticketpreise zwischen zwei und sieben Prozent. Der Preis für Flugbenzin ist dagegen weiter mit dem Rohölpreis auf Tiefststände abgesackt.

Das sind die größten Airlines der Welt

Platz 10

Air China ist die zweitgrößte Fluggesellschaft der Volksrepublik – und die einzige zivile Linie, der es erlaubt ist, die chinesische Nationalflagge auf ihren Flugzeugen anzubringen.
Passagiere 2014: 54,58 Millionen

Platz 9

Die Lufthansa ist die größte deutsche Fluggesellschaft und befördert den Großteil ihrer Passagiere auf internationalen Flügen.
Passagiere 2014: 59,85 Millionen

Platz 8

Easyjet aus Großbritannien ist nach Ryanair die zweitgrößte Billigfluggesellschaft der Welt.
Passagiere 2014: 62,31 Millionen

Platz 7

China Eastern Airlines hat seine Basis in Shanghai, fliegt trotz des Namens nicht nur Ziele im Osten des Landes an, sondern ist sowohl in ganz China als auch internationale unterwegs.
Passagiere 2014: 66,17 Millionen

Platz 6

Die irische Billigfluggesellschaft Ryanair liegt im weltweiten Ranking auf Platz 6, in Europa ist aber keine Airline größer als das Unternehmen aus Dublin. Interessant: Ryanair bietet ausschließlich internationale Flüge an.
Passagiere 2014: 86,37 Millionen

Platz 5

American Airlines mit Sitz in Texas ist eine der ältesten Fluglinien der Welt, sie wurde bereits 1930 gegründet.
Passagiere 2014: 87,83 Millionen

Platz 4

Noch ein wenig älter ist United Airlines, ebenfalls aus den USA. Die Unternehmensgeschichte geht bis ins Jahr 1926 zurück.
Passagiere 2014: 90,44 Millionen

Platz 3

China Southern Airlines ist die größte Fluggesellschaft Asiens. Den Großteil ihrer Passagiere befördert die Airline auf Flügen innerhalb Chinas.
Passagiere 2014: 100,68 Millionen

Platz 2

Southwest Airlines aus den USA ist eine Billigfluggesellschaft mit Sitz in Dallas. 1967 gegründet, ist das Unternehmen Pionier des Billigflugsegments. Sie bietet fast ausschließlich Flüge innerhalb der USA an.
Passagiere 2014: 129,09 Millionen

Platz 1

Delta Air Lines gehört zu den drei verbliebenen traditionsreichen Linienfluggesellschaften in den USA. Ganz knapp verweist das Unternehmen die Southwest Airlines auf Rang zwei.
Passagiere 2014: 129,43 Millionen

Quelle: IATA

Wohin ist das Geld verschwunden? Die eingesparten Kosten nutzen die Fluggesellschaften anders als früher nicht mehr für Preiskämpfe, um sich gegenseitig Marktanteile abzujagen. Im Gegenteil: Das US-Justizministerium hat Mitte 2015 Vorermittlungen eingeleitet mit dem Verdacht, die Gesellschaften würden sich absprechen, um ihre Flugkapazitäten knapp und damit die Preise hoch zu halten.

Im Juli wurde von den Ermittlern sämtliche Kommunikation wie E-Mails oder Schriftwechsel der Fluggesellschaften untereinander angefordert, sowie Daten über Kapazitäten und Flugrouten. Ergebnisse liegen noch nicht vor. Der US-Senator Richard Blumenthal hatte die Untersuchung gefordert, nachdem Manager von Fluglinien auf einer Branchenkonferenz offen von branchenweiter „Disziplin“ beim Aufbau zusätzlicher Kapazitäten und neuer Routen gesprochen hatten.

Kommentare (4)

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Herr x y

22.01.2016, 10:44 Uhr

Was will das HB mit diesem Artikel? Fliegen ist eh' zu billig!

In einer Stunde werde ich zum Flughafen fahren, um für 79.15 € quer über Europa zu fliegen - ein 3 Std.-Flug. Das Taxi zum Flughafen kostet genauso viel.

Und das Pünktchen auf dem i ist, daß die Schwestergesellschaft ihren Flug genau 20 Minuten später hinterherschickt, beide StarAlliance!

Airlines haben langfristige Lieferverträge für Kerosin, oder den Preis gehedged, sie fliegen daher heute noch meist mit teurem Sprit. Wenn HB eine Wirtschaftszeitung wäre, wüßten die 'Redakteure' Bescheid.

chris sänger

22.01.2016, 10:47 Uhr

Ich kann es den Fluggesellschaften nicht verdenken...

Lothar dM

22.01.2016, 11:19 Uhr

Status der südlichen EUR-Zone katastrophal!

In den letzten fünfzehn Jahren ist die Industrieproduktion in Griechenland um 28 Prozent, in Italien um 21 Prozent, in Spanien und Portugal um 18 Prozent und in Frankreich um 15 Prozent gesunken. Alle diese Länder sind meilenweit vom Peak in den Jahren 2007/2008 entfernt, ohne dass sich nennenswert etwas bei den Zahlen verbessert hat. Im Gegenteil: Italien ist auf dem Niveau von vor 30 Jahren. Damals hatte das Land eine vergleichbare Industrieproduktion wie heute (Quelle).

Zudem kommt hinzu, dass der italienische Bankensektor überschuldet ist. Die faulen Kredite in den Büchern der Banken erklimmen seit nunmehr sieben Jahren Monat für Monat ein neues Allzeithoch. Inzwischen liegt es bei 201 Milliarden Euro und entspricht 12,1 Prozent aller Kredite, die an private Haushalte und Unternehmen ausgereicht wurden. Die FAZ berichtete in dieser Woche sogar davon, dass „wackelige Kredite“ in einer Größenordnung von 150 bis 170 Milliarden Euro hinzugerechnet werden müssten. In der Spitze wären es dann über 22 Prozent aller Kredite an den Privatsektor, die problematisch sind. Normal wären 3 oder 4 Prozent. Italiens Banken und damit die gesamte Volkswirtschaft haben ein Riesenproblem. Von Griechenland will ich hier nicht ausführlicher sprechen. Dort ist Hopfen und Malz verloren. Nur so viel: Lediglich 3,6 Millionen der 11 Millionen Griechen sind erwerbstätig. Die Industrieproduktion ist in der Spitze seit November 2007 um 31,6 Prozent eingebrochen. Und auch im November letzten Jahres ist die Industrieproduktion im Vergleich zum Vorjahresmonat um 10,2 Prozent gesunken.

Umgekehrt ist in den letzten 15 Jahren die Industrieproduktion in Deutschland um 20 Prozent gestiegen. Deutschland hat das Vorkrisenniveau seiner Industrieproduktion wieder erreicht. Die deutsche Wirtschaft wächst und die Südländer des Euroclubs kommen nicht von der Stelle. Geht dies so weiter, werden die politischen Zentrifugalkräfte den Euro zerreißen.

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