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30.05.2012

19:37 Uhr

Repower-Verkauf

Ein reicher Inder in Geldnöten

VonMartin Murphy

Er will sein Lebenswerk retten: Deshalb verkauft Tulsi Tanti nach eigenen Angaben Repower, einen Windkraftanlagenhersteller. Denn er braucht das Geld - 1,5 Milliarden Euro erhofft er sich für das Unternehmen.

Tulsi Tanti am Schreibtisch - auf dem steht natürlich ein Windrad. dpa

Tulsi Tanti am Schreibtisch - auf dem steht natürlich ein Windrad.

FrankfurtUm sein Image in Deutschland ist Tulsi Tanti sehr bemüht. Er habe eine sehr hohe Meinung von deutscher Ingenieurkunst, sagte der Chef der Windkraftfirma Suzlon in einem Interview. "Den Deutschen bin ich über ein Jahrzehnt tief verbunden." Doch nun scheint die Liebe erkaltet: Suzlon sucht für seine deutsche Tochter Repower nach einem Käufer, heißt es in Branchenkreisen.

Der indische Windkraftanlagenhersteller, weltweit die Nummer fünf, braucht dringend Geld. Im kommenden Monat wird eine Anleihe über 360 Millionen Dollar fällig, im Oktober eine weitere über 206 Millionen Dollar. Insgesamt schätzen Finanzkreise den Finanzbedarf von Suzlon für dieses Jahr auf rund 800 Millionen Dollar. Viel Geld für eine Firma, vor allem wenn der Industriezweig in einer Krise steckt. Es gebe in der Branche Überkapazitäten und einen starken Wettbewerb, der auf die Preise für Windkraftanlagen drückt, sagt NordLB-Analyst Holger Fechner. An der Börse haben Windfirmen daher stark an Wert verloren, auch Suzlon. Seit 2007 ist die Aktie um über 90 Prozent gefallen.

Was Tulsi Tanti nun braucht, ist ein großer Coup. Einer, der Geld in die Kasse bringt. Wie der Verkauf von Repower. Sein Team hat Branchenkreisen zufolge schon eine Reihe von Firmen angesprochen; Siemens, auch General Electric und einige Finanzinvestoren. Doch der Suzlon-Chef hat anscheinend sehr hohe Preisforderungen. "Er will 1,5 Milliarden Euro für Repower haben", heißt es in der Branche. Derzeit sei das Unternehmen mit Sitz in Hamburg aber nur noch rund die Hälfte wert.

Suzlon hatte 2007 die Mehrheit von Repower übernommen und dafür ebenjene Anleihen aufgelegt, die nun fällig werden. Repower ist ein führender Anbieter von Windkraftanlagen, die im Meer errichteten werden. Mit der Kombination beider Unternehmen wollte Tanti Tulsi beweisen, dass deutsches Ingenieurtalent mit indischem Geschäftssinn verbunden werden kann. Sein Spürsinn hat ihn in der Vergangenheit weit gebracht; Tanti Tulsi gilt als einer der reichsten Männer Indiens. Doch die viel beschworenen Synergien stellten sich nicht ein.

Stattdessen häuften sich in letzter Zeit die Probleme, der Vorstand von Repower änderte sich immer wieder. Im April verkündete Suzlon den Abschied von Finanzchef Derrick Noe und Gregor Gnädig, zuständig im Vorstand für das operative Geschäft. Schmerzlich war vor allem der Abgang von Noe, denn der hatte noch Anfang März mit einem Bankkonsortium Kreditlinien von 750 Millionen Euro für Repower ausgehandelt.

Sein Weggang sorgte in der Finanzwelt daher für Unruhe. Denn wenige Wochen zuvor war bereits Suzlon-Finanzvorstand Robin Banerjee gegangen. Tulsi Tanti versuchte, die Situation zu beruhigen, indem er schnell seinen Vertrauten Kirti Vagadia zum neuen Finanzvorstand machte. Der müht sich nun um Optimismus: "Wir haben kein Verschuldungsthema, sondern ein Zeitthema." Die Gespräche mit den Banken über eine Refinanzierung in Höhe von 300 Millionen Dollar befänden sich in einem fortgeschrittenen Stadium, sagte Vagadia.

Zum anderen würden Randbereiche verkauft, um die Verbindlichkeiten zu tilgen, sagte Vagadia dem Handelsblatt. Auf die Tochter Repower will er nicht genauer eingehen, sagt nur: "Repower ist sehr wichtig für Suzlon." Fragt sich, ob als Kerngeschäft oder als Erlösquelle beim Verkauf.

Kommentare (13)

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vandale

30.05.2012, 20:17 Uhr

Die Winddichte ist auf diesem Planeten zu gering und viel zu unstetig um für eine industrielle Stromerzeugung genutzt zu werden. Deshalb gibt es auf diesem Planeten kaum eine Windmühle die ohne Subventionen errichtet wurde.

Da die Altindustriestaaten finanziell ihren Höhepunkt überschritten haben und von einer von den Notenbanken aufgeblasenen Finanzblase zur nächsten eilen, ist nicht zu erwarten, dass die Subventionen für Windenergie steigen. Einige Staaten wie Deutschland, wo man dies nicht verstanden hat, noch reichlich Kapital vorhanden ist und die Verbraucher sehr gerne hohe Steuern bezahlen, mögen noch einige dieser ökoreligiösen Monumente errichtet werden. Allerdings dürfte die Branche ihren Höhepunkt gesehen haben.

Insofern sollten die potentiellen Investoren besser die Taschen zuhalten.

Vandale

arno.tilsner

30.05.2012, 20:38 Uhr

Wir haben im letzten Jahr 4 Millionen kWh mit einer Windmühle erzeugt und den Strom mit Gewinn für 9,5 Cent pro kWh dem Netzbetreiber am Standort verkauft. 30 km entfernt muss ich Strom von einem anderen Netzbetreiber für 19,5 Cent pro kWh kaufen, weil eine Durchleitung gegen geringe Transportkosten nicht vorgesehen ist. Im konkreten Fall sehe ich es so, dass wir den Netzbetreibern ihr Monopol subventionieren.

Klartext

vandale

30.05.2012, 21:09 Uhr

Sie haben einen umweltschädlichen, wertlosen Zufallsstrom der einen Wert von 1c/kWh hat zum subventionierten Preis von 9 1/2 c verkauft.

Den Strom den Sie kaufen ist vermutlich bedarfsgerechter* Netzstrom der Ihnen zusammen mit Netzgebühren, Marge, Vertriebskosten, EEG Umlage (dient zur Subventionierung wertlosen Windstroms) und vor allem auch Steuern für 19,5c/kWh verkauft wird.

Vandale

*Im Deutschen Stromnetz kann man Strom unabhängig vom aktuellen Wetter, bzw. Wind, in nahezu beliebiger Menge beziehen. Im Fall der mittelalterlichen Windmühlen stehen moderne Wärmekraftwerke in kalter und warmer Bereitschaft um je nach Wind den Strombedarf zu decken. Das ist auch der Hauptgrund für den bescheidenen Wert von Wind- und Solarstrom.

Vandale

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