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14.11.2011

12:28 Uhr

Rezension Hermann Scherer

Wie Menschen zu Glückskindern werden

VonThorsten Giersch

Über 2000 Vorträge, 30 Bücher in zwölf Sprachen – Hermann Scherer ist einer der erfolgreichsten Business-Experten. In seinem neuen Buch erklärt der Selfmade-Millionär, wie jeder Mensch seine Chancen optimal nutzen kann.

Auf den Sechser im Lotto warten - oder sein Glück selbst in die Hand nehmen und die Chancen wahrnehmen? ap

Auf den Sechser im Lotto warten - oder sein Glück selbst in die Hand nehmen und die Chancen wahrnehmen?

DüsseldorfEin junges Ehepaar genießt seinen Urlaub in New York. Dazu gehört natürlich auch die Fahrt hinauf aufs Empire State Building. Doch als die beiden die lange Schlange sehen, verlieren sie die Lust. Sie haben nicht genug Zeit, um eine Stunde oder länger zu warten. Ein Einheimischer erkennt ihr Dilemma und gibt einen Rat: „Sie können 30 statt 15 Dollar bezahlen und sich das Anstehen sparen, indem sie den Express-Fahrstuhl nehmen. Oder sie gehen zum Rockefeller Center. Der Ausblick von dort ist ohnehin noch schöner.“

Doch die beiden hören nicht auf den freundlichen Mann und ziehen enttäuscht ab. Zwar gibt es noch  andere touristische Highlight in New York, aber der ersehnte Überblick aus der Höhe – der bleibt ihnen versagt.

Die besten Zitate von Hermann Scherer

Klare Worte

Sätze wie in Stein gemeißelt – für solche ist Hermann Scherer bekannt und deshalb nicht zuletzt als Referent so beliebt. Auch in „Glückskinder“ hat er so manches knackige Zitate gepackt, das man sich leicht merken kann und in aller Kürze beschreibt, worauf es im (Geschäfts-) Leben seiner Meinung nach ankommt.

 

Anruf vom Headhunter

Die größten Chancenfresser sind die Chancen selbst. Der Anruf eines Headhunters ist meistens auch nur ein Sonderangebot des Lebens. Das schmeichelt der Seele. In Wahrheit fangen Sie aber wieder und wieder nur von vorn an und scheuen sich, die Probleme zu lösen.

Böse Gedanken

Eine Sache, die ich mir selbst fast nicht verzeihen kann, ist, wie dumm ich manchmal bin. Dann habe ich Sorgen und verschwende meine Kreativität, um mir die schlimmsten Szenarien auszumalen.

Chancen entdecken

Jede Chance ist nur eine Betrachtungsweise des Alltags. Wir halten sie für selten, weil Menschen mit der Fähigkeit zur ganz speziellen Betrachtungsweise so selten sind. Chancen sind keine Visionen.

Das eigene Talent

Ich habe mich nie auf meine Talente verlassen. Das Risiko war mir zu groß.

Die richtigen Entscheidungen

Nachdenken kommt immer zu spät, nämlich dann, wenn wir unsere Entscheidung schon gefällt haben.

Ein Leben zweiter Klasse?

Ich ertrage es nicht, ein Leben zweiter oder dritter Klasse zu führen, ein Abklatsch eines tollen Lebens. Das ist meine Taktik. Und Sie können sich vorstellen, dass ich diesem Anspruch leider nur zu selten genüge.

Es gibt keine Sicherheit

Jede Sicherheit ist Illusion. Da braucht man Katastrophen als Beweis anführen. Belohnt wird letztlich immer der, der Sicherheit aufgibt.

Glücklich oder zufrieden?

Jedenfalls ist der allgemeine Hang dazu, Glück und Zufriedenheit gleichzusetzen, ein grandioser Irrtum. Wir haben uns nämlich mehrheitlich für das zufriedene Unglück entschieden.

Gute Chefs schaffen Problem

Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass die besten Mitarbeiter diejenigen werden. Denen am Anfang viele Steine in den Weg gelegt wurden. Die besten Chefs bereiten ihren Mitarbeitern Probleme.

Hart zu sich selbst sein

„Der hat so viel Glück, das es weh tut.“ Kaum einer, der diesen Spruch zitiert, ahnt, wie sehr er Recht hat. Für das Glück sind schmerzhafte Schritte nötig. Glück hat nur, wer sich von all dem lähmenden Ballast um ihm herum und in ihm selbst trennt.

Ich sterbe unzufrieden

Ich weiß schon heute, dass ich unzufrieden sterben werde, denn ich war Zeit meines Lebens immer unzufrieden. Ja, die Unzufriedenheit hält mich am Leben, denn so gibt es immer etwas zu verbessern, immer etwas zu tun.

Studenten des Misserfolges

Wir sind zu Studenten des Misserfolges geworden. Wir studieren, warum etwas nicht geht, sehen die Möglichkeiten nie ohne unsere Meinung darüber – und die ist meistens nicht positiv.

Über das Glück

Glück ist ein Maßanzug. Die meisten sterben aber in abgetragenen Anzügen von der Stange oder aus dem Second-Hand-Laden.

Über das Nachdenken

Langes Nachdenken führt nicht zu besseren Ergebnissen, sondern zu nur späteren Ergebnissen. Aber in diesen dummen Momenten verliere ich die Sicherheit.

Über den Konsum

Wir kaufen damit Dinge, die wir nicht brauchen, um Leute zu beeindrucken, die wir nicht mögen, mit Geld, das wir nicht haben.

Über die Liebe

Die Verliebtheitsphase unterscheidet sich von einer langjährigen Beziehung oder gar einer Ehe so stark wie eine Wolke von einem Meer.

Über Perfektionismus

Perfektionen sind perfekt – im Verhindern von Ergebnissen. Keine andere Grundeinstellung als das ultimative Streben nach Perfektion ist besser geeignet, die Welt auf ihrem Status quo einzufrieren.

Wofür es sich zu leben lohnt

All die Ansprüche ans Leben aufrechtzuerhalten, die nicht erfüllt werden können, für deren Erfüllung wir nicht bereit sind, den Preis zu bezahlen, diese permanente Anstrengung nimmt uns täglich die Kraft, die wenigen klaren Ziele zu verfolgen, für die es sich lohnt, zu leben und zu sterben.

Solches Verhalten kennt Hermann Scherer zur Genüge – im Privaten und vor allem im Beruf. Für den Unternehmer und Berater sind diese Beispiele ein Sinnbild dafür, wie Menschen zu Losern werden. Denn sie nutzen ihre Chancen nicht. „Warum sind sie so fixiert auf das Eine, das sie geplant haben?“, fragt Scherer in seinem neuen Buch „Glückskinder. Warum manche lebenslang Chancen suchen – und andere sie täglich nutzen“.

Hermann Scherer ist mehrfacher Bestsellerautor und als Referent sehr gefragt. In dem aktuellen Werk widmet er sich der Frage, wie Menschen privat und in ihrem Berufsleben glücklich werden und warum so gut wie gar nichts mit Zufall zu tun hat. Ratgeber zu diesen Themen gibt es zuhauf. Dutzende solcher Bücher von ähnlicher Bauart erscheinen in Deutschland Jahr für Jahr. So hat man auch die Hinweise von Scherer durchaus schon gelesen – und dennoch sticht sein Buch heraus.

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