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28.02.2014

07:54 Uhr

Rezension Joachim Llambi

So kritisiert man richtig

VonThorsten Giersch

Joachim Llambi ist als Tanzjuror bei der RTL-Show „Let’s Dance“ berühmt geworden. Anleger kennen den Aktienfachmann außerdem vom Parkett der Frankfurter Börse. Heute wird sein Buch veröffentlich, in dem er ein Plädoyer für richtiges Kritisieren hält. Eine Buchkritik.

Joachim Llambi (rechts) hält in der Jury von "Let's Dance" selten die Zehn hoch. Mit dabei sind Jorge Gonzalez und Motsi Mabuse. dpa

Joachim Llambi (rechts) hält in der Jury von "Let's Dance" selten die Zehn hoch. Mit dabei sind Jorge Gonzalez und Motsi Mabuse.

DüsseldorfEr ist der Günther Netzer des Tanzens und einer der berühmtesten Kritiker Deutschlands: Wenn Joachim Llambi an der Reihe ist, das Gezeigte zu bewerten, schlägt den Kandidaten der RTL-Show „Let’s Dance“ der Puls gleich noch einmal höher. Der 49-Jährige ist in seinem „zweiten Leben“ aber auch Börsenmakler und kennt als gelernter Bankkaufmann die Welt der Wirtschaft ziemlich gut (ein Interview mit ihm aus dem Archiv).

Beide macht ihn in Kombination zumindest theoretisch zum idealen Autor für ein Buch über das Kritisieren. Und immerhin verdient sein Werk „Das wollte ich Ihnen schon immer mal sagen“, das heute erscheint, eine Sieben - ein gelungenes Buch, aber es wäre noch mehr drin gewesen.

Vita - Joachim Llambi

Der Vielseitige

Joachim Llambi streut das Risiko. Er ist nicht nur im Fernsehen aktiv, sondern widmet etwa ein Drittel seiner Arbeitszeit dem Aktienhandel, gibt zudem Tanz-Workshops, hält Vorträge, engagiert sich im Profi-Tanzsport und ist Buchautor.

Jugend

Joachim Llambi ist 1964 in Duisburg geboren, besuchte das Gymnasium in Neudorf und übte bis zum 18. Lebensjahr diverse Sportarten aus, darunter Hockey, Tennis, Wasserball und Fußball.

Ausbildung

Seine Ausbildung zum Bankkaufmann begann er 1984 bei der Sparkasse Duisburg.

Börsenkarriere

1989 wechselte Llambi von der Sparkasse Duisburg zur Düsseldorfer Börse und arbeitete dort als Aktienmakler. An der Frankfurter Börse war er von 1997 bis Mitte 2012 als Börsenmakler aktiv. Seitdem handelt er als selbstständiger Daytrader.

Tanzkarriere

Llambis Mutter arbeitete als Sekretärin in einer Tanzschule. Der Sohn belegte mit 17 Jahren den ersten Tanzkurs, trat in den Tanzclub ein und wechselte 1989 von den Amateuren zu den Profis. Schon ein Jahr später stand er im Finale der Welt- und Europameisterschaft.

Showkarriere

Für die RTL-Show „Let’s dance“ stand Llambi zum ersten Mal 2007 als Chef-Juror vor der Kamera. Am 5. April 2013 beginnt die sechste Staffel. Zudem ist er ein beliebter Co-Moderator bei RTL („Jungen gegen Mädchen“, „Es kann nur einen geben“) und im ZDF („Frühlingsshow im ZDF“) sowie Show-Gast („5 gegen Jauch“, „Wer wird Millionär – Let‘s Dance special“).

Llambi geizt nicht mit Binsenweisheiten und bisweilen klingen Sätze auch mal recht flach. Aber der Kern seiner Ideen sitzt: Es mangelt an einer effektiven und menschlich wertvollen Kritik-Kultur. Auf den ersten Blick wirken die Sätze des Autors recht offensichtlich, doch tatsächlich wird im (Büro-)Alltag gegen die evidenten Wahrheiten im Minutentakt verstoßen.

Sich Luft zu machen ist wichtig: Also Kritik zu üben, auch wenn es Mut erfordert und kurzfristig Nachteile bringen könnte. Doch Llambi sieht so eine positive Kritikkultur niedergehen – auch weil in den Massenmedien vieles falsch vorgemacht und Deutschland zum Land der Nörgler wird. Denn „wer viel nörgelt, streitet wenig“. Ein Verriss ist immer lauter als ein Lob, schreibt er und zieht wunderbare Parallelen zwischen der Fernsehwelt und der Realität im Büro.

Schließlich stellt Llambi eine Reihe von Kriterien auf, wie man richtig Kritik übt – leider muss der Leser darauf gut 170 Seiten lang warten: Der richtige Zeitpunkt sei gewählt und auch der Rahmen müsse stimmen – also Zweiergespräch in entspannter Atmosphäre oder Zusammenfalten vor der Abteilung?! Die Kriterien müssen transparent sein und die individuelle Leistungskritik müsse zu einem fairen Maßstab im richtigen Verhältnis stehen.

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