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10.03.2013

09:31 Uhr

Rezension

„Unternehmen gehen ein, wenn sie zu maßvoll sind“

VonNils Rüdel

Mit spektakulären Entscheidungen hat A.G. Lafley den US-Konsumgütergiganten Procter & Gamble umgekrempelt und zum Erfolg geführt. In einem Buch kürt sich der Manager zum Vorbild – und drängt Misserfolge an den Rand.

A.G. Lafley: Ex-Chef des Pampers-Produzenten Procter & Gamble.

A.G. Lafley: Ex-Chef des Pampers-Produzenten Procter & Gamble.

New YorkEs sollte die rettende Idee sein. Als General Motors in den 80er Jahren mitansehen musste, wie mehr und mehr junge Amerikaner billigere und sparsamere Toyotas kauften, musste der US-Autoriese reagieren. Er gründete die Kleinwagen-Marke Saturn, um in dem wachsenden Markt mitzumischen. Der Plan ging leider schief: 25 Jahre später wurde Saturn nach Milliardenverlusten beerdigt.

Die Strategen in Detroit hatten einen großen Fehler gemacht: Sie spielten nicht auf Sieg. Das ist Urteil A.G. Lafleys, ehemaliger Chef des US-Konsumgüterkonzerns Procter & Gamble (P&G) und Management-Experte. „Saturn wollte im Segment der Kleinwagen für jüngere Käufer teilhaben. Toyota, Honda und Nissan dagegen wollten gewinnen“, urteilt Lafley in seinem neuen Management-Ratgeber „Playing To Win“.

Strategie-Fallen für Manager nach A.G. Lafley

Die Mache-alles-Strategie

Alles hat Priorität, der Manager scheut Entscheidungen.

Die Don-Quixote-Strategie

Als erstes den stärksten Konkurrenten herausfordern. Lieber dort auftreten, wo es auch eine Chance gibt zu gewinnen.

Die Waterloo-Strategie

An mehreren Fronten gegen mehrere Konkurrenten auf einmal kämpfen. Damit schwächt man sich nur selbst.

Die für-jeden-etwas-Strategie

Der Versuch, alle Märkte, Kunden oder Vertriebswege auf einmal einzunehmen. Besser zunächst auf wenige konzentrieren.

Die unerfüllte-Träume-Strategie

Hochfliegende Pläne und Leitsprüche formulieren, die unkonkret bleiben. Bestrebungen sind noch lange keine Strategie.

Quelle

gemäß A.G. Lafley und Roger Martin: „Playing to Win: How Strategy Really Works“, Harvard Business Review Press

Auf Lafley zu hören könnte sich lohnen. Denn wer Procter & Gamble geführt hat, herrschte über das größte Werbebudget der Welt, trug die Verantwortung für Hunderte Marken von Pampers bis Gillette und gehörte zum erlesenen Kreis der Manager eines der 30 wichtigsten Börsenkonzerne der USA.

Gewinnen wollen – das ist die Grundlage jeder erfolgreichen Strategie, predigt Lafley auf gut 260 Seiten. „Zu viele Unternehmen werden irgendwann eingehen, weil ihre Bestrebungen zu maßvoll waren“, so der Autor. Marktführerschaft oder nichts. Und auf dem Weg dahin gelte es, klare Entscheidungen zu treffen und Optionen fallen zu lassen.

Das klingt zunächst trivial – welcher Manager will schon verlieren, welcher Entscheider nicht entscheiden? Doch in dem Buch, das Lafley zusammen mit Roger Martin verfasste, dem Dekan der Rotman School of Management an der Universität von Toronto, steckt wesentlich mehr: Es ist die Quintessenz der Strategie, mit der Lafley gemeinsam mit Martin als Berater in den 2000er Jahren den siechen Riesen P&G zu neuer Blüte führten.

Anzeichen für eine Gewinner-Strategie nach A.G. Lafley

Begeisterte Kunden

Die einen lieben Ihr Produkt, die anderen würden es nicht kaufen. Das bedeutet, Sie haben harte Entscheidungen getroffen.

Friedliche Konkurrenten

Wenn die Wettbewerber selbst noch gutes Geld verdienen, werden sie Sie nicht aus reiner Existenzangst auf Ihrem Kernmarkt attackieren.

Geld übrig

Wenn Sie mehr Geld übrig haben als die Konkurrenz, haben Sie die beste Kostenstruktur und können investieren, um ihren Marktanteil auszubauen.

Streitende Wettbewerber

Wenn sich Ihre Konkurrenten untereinander attackieren und nicht Sie, scheinen Sie das schwerste Ziel auf dem Markt zu sein.

Vorreiter

Die Konsumenten schauen zuerst bei Ihnen nach Innovationen, die ihr Leben verbessern könnten.

Quelle

gemäß A.G. Lafley und Roger Martin: „Playing to Win: How Strategy Really Works“, Harvard Business Review Press

Als Lafley im Jahr Vorstandschef wurde, ließ er keinen Stein auf dem anderen und trennte sich selbst von profitablen Geschäftsbereichen. Er schaffte es bis zu seinem Rückzug im Jahr 2010, den Umsatz zu verdoppeln und Profitabilität, Unternehmenswert und Produktpalette deutlich zu steigern. Die P&G-Story gehört zu den faszinierendsten Turnarounds der US-Unternehmensgeschichte, und „Playing To Win“ ist eine Art Anleitung zum Nachmachen. Und eine Erklärung dafür, warum Marken wie Apple, Nike oder Mars so erfolgreich sind.

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

10.03.2013, 11:17 Uhr

Von ihm können deutsche Manager und die Politik hierzulande einiges lernen!

Herr_Rossi

10.03.2013, 12:02 Uhr

Och bitte... das, was es angeblich von Herrn Lafley zu lernen gibt, steht seit Jahrzenten in jedem Lehrbuch deutschsprachiger Autoren über Strategisches Management!

Das, was die Amis wirklich gut können, ist mit massivem Marketing Geld aus Dreck zu machen und genauso verhält es sich mit diesem Buch.

Dass sich Herr Martin für sowas hergibt ist wohl nur seinem Beratervertrag mit P&G geschuldet. Inhaltlich ist das nämlich Grundstudium-Niveau.

frost

10.03.2013, 12:03 Uhr

"trug die Verantwortung für Hunderte Marken von Pampers bis Gillette"

Also ein Kartell. Ein solches wird nicht geführt, das erledigen die neoliberalen Marionetten und Goldmännern im Weissen Haus. Ein solcher Moloch ist völlig unfähig zur Innovation, ein Klotz wie ein Bunker und verkustet wie eine Borke. Die Konkurrenz wird eingeschüchtert, mit Klagen überzogen und aus den hauseigenen Märkten rausgeworfen.
Und wenn irgendwo was wegbricht, gibt's Steuergeschenke und Rettungspakete.

http://www.reddit.com/r/pics/comments/srk0k/the_illusion_of_choice/

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