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23.09.2013

12:24 Uhr

Rezension zu Richard Branson

„Spielen Sie den Kasper, sonst überleben Sie nicht"

VonPatrick Schultz

Wie ein Irrwisch: Richard Branson gibt in seinem neuen Buch „Like a Virgin“ den zerstreuten Professor. Dort schildert der Ausnahme-Unternehmer seinen Weg zum Überflieger und teilt sein Erfolgsrezept.

Sir Richard Branson ist ein Ausnahme-Unternehmer und Salfemade-Milliardär, der weiß, wie man sich am besten verkauft. AFP

Sir Richard Branson ist ein Ausnahme-Unternehmer und Salfemade-Milliardär, der weiß, wie man sich am besten verkauft.

Düsseldorf„Business school à la Branson“ verspricht der Klappentext zu Richard Bransons neuem Ratgeber. Also: Eine Anleitung zum unternehmerischen Erfolg, aber ohne BWL-Theorie oder Matheaufgaben. „Professor“ ist schließlich der lustige Milliardär Richard Branson, bekannt unter anderem für halsbrecherische Ballonfahrten und Surfausflüge mit nackten Frauen huckepack.

Eine Universität hat der 63 Jahre alte Brite nie besucht. Und trotzdem in den vergangenen 33 Jahren im Alleingang den „Virgin“-Konzern aufgebaut, der inzwischen unter anderem Flugreisen, Handyverträge und CDs verkauft und im vergangenen Jahr rund 15,5 Milliarden Euro umsetzte. Und dabei hat der Self-Made Milliardär, wenn man seinem Buch glauben darf, vor allem eine Menge Spaß gehabt.

In „Like a Virgin“ will Branson seine Erfahrungen und Erfolgsrezepte teilen: „Erfolgsgeheimnisse eines Multimilliardärs“ verspricht der Untertitel. Leider bleibt der inzwischen 4,6 Milliarden Dollar schwere Unternehmer in diesem Buch meist allzu vage. Spaß macht das Lesen trotzdem.

Was Sie nicht über Richard Branson wussten!

Der erste Gedanke beim Aufwachen?

Wie die meisten denke ich über die Zeit nach. Oft gefolgt von der Frage: "In welchem Land bin ich gerade?".

(Quelle: Richard Branson, Like a Virgin)

Wie kriegt man Sie am schnellsten aus dem Bett?

Eigentlich sind es mehrere Wörter: "Richard. Hör auf damit!" gesprochen mit dem Glasgower Akzent meiner Frau.

Die 3 abenteuerlichsten Dinge ihres Lebens?

Die Überquerung des Atlantiks mit einem Schnellboot, Heißluftballonfahren und Kitesurfen. Das Weltraumabenteuer steht auch noch an, obgleich dieses paradoxerweise das vielleicht ungefährlichste auf der Liste ist.

Was bringt Sie zum Weinen?

Ich muss bei lustigen und bei traurigen Sachen weinen. Meine Kinder nehmen immer eine Box mit Papiertüchern ins Kino! Ich habe auch an Orten wie Afrika viele Dinge gesehen, die jedem die Tränen in die Augen treiben würden.

Und was bringt Sie zum Lachen?

Ich bin ein zufriedener Mensch. Ich lache immerzu. Ich liebe das Leben, ich liebe die Menschen, ich liebe einen guten Witz. Ich kann der Theorie, dass Lachen gut für die Seele ist, nur zustimmen.

Was lieben Sie und was hassen Sie?

Ich liebe das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb der Familie. Und ich hasse es, dass ich nicht viel mehr Zeit mit ihr verbringen kann. Eigentlich hasse ich auch das Wort: "Hass". Davon gibt es viel zu viel in dieser Welt.

Wer ist Ihr Mentor?

Das sind meine Mutter und mein Vater. Beide hatten auf mein Leben einen ungeheuer positiven Einfluss.

Die wichtigste Weisheit, die Ihnen je zu Ohren gekommen ist?

Immer nur nach dem Besten im Menschen zu suchen. Und wenn ich mir noch eine zweite aussuchen darf: „Nur ein dummer Mensch ändert niemals seine Meinung.“

Wenn Sie 60 Dollar für eine Firma hätten, wie würden Sie das Geld einsetzen?

Wenn ich bekannt wäre, würde ich die Dollarnoten signieren und jeden Dollar für 20 Dollar verkaufen. Ich würde dann die 20-Dollarscheine signieren und für 50 Dollar verkaufen und so weiter. Wie es so schön heißt: Der Teufel scheißt immer auf den dicksten Haufen.

Was hat am meisten zu Ihrem Erfolg beigetragen?

All die Menschen, die sich über die Jahre für Virgin abgerackert haben, haben den Konzern zu dem gemacht, was er heute ist. Sicher, es war auch ein bisschen Glück dabei, aber ich bin der Überzeugung, dass Glück nicht einfach so passiert – man muss daran arbeiten.

Was treibt Sie in den Wahnsinn?

Eine negative Einstellung. Leute, die in jedem nur das Schlimmste suchen und "Mein Glas ist halb leer"-Typen. Und ich kann Gerüchte nicht ausstehen.

Sind Sie gestresst?

Eigentlich nicht. Ich bemühe mich redlich, Herausforderungen zu meistern, und wenn ich scheitere, rappele ich mich schnell wieder auf.

Haben Sie jemals darüber nachgedacht, für ein politisches Amt zu kandidieren?

Nein. Ich glaube nicht, dass man Geschäfte und Politik mischen kann. Ich müsste dann Virgin aufgeben, aber dafür liegt mir der Konzern zu sehr am Herzen. Ich kann mich für (oder gegen) viele politische Themen engagieren, ohne zum Politiker werden zu müssen.

Um im Unversitäts-Bild zu bleiben: Professor Branson ist der Typ Professor, der eine drollige Geschichte nach der anderen erzählt – wie er für sein Virgin-Label die Sex Pistols unter Vertrag nahm, wie er mit „Virgin Cola“ scheiterte und dass er demnächst Touristen in den Weltraum fliegen will. Ehe man sich’s versieht ist die Vorlesung vorbei, der Notizblock leer.

Das ist vor allem dem Buchkonzept geschuldet: „Like a Virgin“ ist kein stringent aufgebauter, inhaltlich zusammenhängender Ratgeber, sondern eine Sammlung kurzer Texte zu verschiedenen unternehmerischen oder sonstigen Problemen. „Eine Melange aus Antworten auf Fragen, die mir gestellt wurden, und eine Auswahl meiner schriftlichen Ausführungen“, kündigt der Autor im Vorwort an. Man könnte auch sagen: Eine wilde Ideensammlung, in beliebiger Reihenfolge aufgeschrieben. Unternehmer-Irrwisch Branson springt in handgezählt 76 Kapiteln von Thema zu Thema. Er serviert mit Texten wie „Das perfekte Finanzierungsgespräch“ oder „Mitarbeiter sind das wichtigste“ die erwartete Business-Kost. Nahtlos eingefügt sind aber Abhandlungen,  in denen er seine Meinung zu Fitnesstraining („wichtig“), Krawatten („unnötig“) und dem Kampf gegen Drogen („fehlgeleitet“) darlegt. Mehr als zwei Seiten Argumentation braucht er da selten, die Thesen sind knallig, aber vorhersehbar.

Kommentare (2)

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hermann.12

23.09.2013, 16:07 Uhr

Allein mit der Maxime die Mitarbeiter einzubeziehen ist Branson dem Gros seiner Kollegen um Lichtjahre voraus.
Fast jedes erfolgreiche Traditionsunternehmen in Deutschland ist so groß geworden, doch eitlen Angestelltenmanager war das wohl nicht zu vermitteln, was die Misere vielerorts erklärt.
Branson besaß also schlicht den Instinkt Fachkompetenz vor Ort zu nutzen, statt größenwahnsinnig zu glauben das alles selbst zu wissen, wie es vor allem unsere Banker getan haben und immer noch tun.

H.

GrooveIt

24.09.2013, 11:39 Uhr

Jedem das Seine, mir das Meine. Den Kasper macht er wohl erst seit die Virgin Millionen gescheffelt hatte in der Musikindustrie. Dabei sollte man auch mal schauen, ob die Musiker auch was davon hatten. Wie ich das so kenne kommt beim Musiker ja nur ein kleiner Bruchteil an... Branson die Zecke?

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