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19.06.2017

16:21 Uhr

Rheinenergie

Kölner Versorger setzt auf Kooperationen

VonJürgen Flauger

Rheinenergie-Chef Dieter Steinkamp sieht das traditionelle Geschäft mit dem Energievertrieb unter Druck. Um die Herausforderungen am neuen Energiemarkt zu bestehen, braucht es neue Geschäftsfelder – und neue Partner.

Derr Rheinenergiechef (r.) mit NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (M.). Der Chef des Kölner Energieversorgers sucht neue Geschäftsfelder und -partner. dpa - picture alliance

Dieter Steinkamp

Derr Rheinenergiechef (r.) mit NRW-Verkehrsminister Michael Groschek (M.). Der Chef des Kölner Energieversorgers sucht neue Geschäftsfelder und -partner.

Noch laufen die Geschäfte bei der Rheinenergie AG gut. Im vergangenen Jahr stiegen Umsatz und operatives Ergebnis – und unter dem Strich stand auch wieder ein satter Gewinn.

Vorstandschef Dieter Steinkamp macht sich aber keine Illusionen: „Unser bisheriges Kerngeschäft, der Vertrieb von Energie und Wasser, wird sich zurück entwickeln“, hielt er am Montag beim Jahrespressegespräch nüchtern fest. Der Wettbewerb sei hart und die Margen umkämpft. Und Steinkamp sieht noch eine weitere Herausforderung für sein Unternehmen: „Unser Geschäft wird immer komplexer.“ Die Energiewende und die Digitalisierung machten das Management der Energieversorgung immer schwieriger.

Aber Steinkamp will aus der Not eine Tugend machen. „Wir sehen unsere Rolle vor allem darin, komplexe Aufgaben für unsere Kunden zu lösen“, sagte der Rheinenergie-Chef: „Wir sind dafür auch gut aufgestellt, denn traditionell verfügen wir über eine breite Palette an Know-how“. Rheinenergie soll zum Energiedienstleister werden, der mit neuen Produkten und Dienstleistungen Geschäfte macht – und sich dabei als Kooperationspartner anbietet: Für Kunden, aber auch für andere Stadtwerke.

Deutschlands größte Energieversorger

Vattenfall

Umsatz 2016: 9,3 Milliarden Euro

Die hundertprozentige Tochter des staatlichen schwedischen Energiekonzerns Vattenfall AB ging 2002 aus der Fusion der HEW und der Vereinigte Energiewerke AG sowie dem Bergbauunternehmen Lausitzer Braunkohle AG hervor, zu der Anfang 2003 die Berliner Bewag hinzu kam. Vattenfall betreibt in Deutschland die Kernkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel. Wie auch die übrigen Top-Vier-versorger in Deutschland musste der Konzern 2016 einen Umsatzrückgang hinnehmen.

EnBW

Umsatz 2016: 19,4 Milliarden Euro

Die Energie Baden-Württemberg AG erwirtschaftete noch 2010 mehr als die Hälfte ihres Gewinns aus dem Betrieb der vier konzerneigenen Kernkraftwerke Neckarwestheim eins und zwei, sowie Philippsburg eins und zwei. Nach der Atomkatastrophe von Fukushima wurden die Werke Neckarwestheim eins und Philippsburg eins im Rahmen des Atom-Moratoriums 2011 stillgelegt. Der Anteil erneuerbarer Energieträger am EnBW-Energiemix soll bis 2020 von 12 auf 40 Prozent erhöht werden

Eon

Umsatz 2016: 21,8 Milliarden Euro

Der Energiekonzern Eon vollzog 2016 eine radikale Aufspaltung: Das traditionelle Energiegeschäft bestehend aus konventioneller Erzeugung (einschließlich Wasserkraft, ohne Kernenergie), globalem Energiehandel und dem Russland-Geschäft wurde in die eigenständige Gesellschaft Uniper ausgelagert. Eon will sich mit den verbliebenen Sparten erneuerbare Energien, Vertrieb und Netze komplett auf den Energiemarkt der Zukunft ausrichten.

RWE

Umsatz 2016: 25 Milliarden Euro

Den umgekehrten Weg zu Eon ging ebenfalls 2016 RWE. Der Energiekonzern überführte nicht das traditionelle, sondern das Zukunftsgeschäft in eine neu gegründete Tochtergesellschaft mit Namen Innogy und brachte diese an die Börse. Im Zuge des Atom-Moratoriums wurden 2011 die RWE-Reaktoren Biblis A und B durch die Bundesnetzagentur stillgelegt.

Tatsächlich kämpfen die Kommunal- und Regionalversorger, von denen es in Deutschland knapp 1000 gibt, genauso mit den Verwerfungen auf dem Energiemarkt wie die Energiekonzerne Eon, RWE oder EnBW. Zum einen stehen die Margen unter Druck. Wer in eigene Kraftwerke investiert hat, leidet unter den drastisch gesunkenen Großhandelspreisen. Und im Vertrieb an Endkunden jagen bundesweit tätige Discounter den Stadtwerken mit Billigangeboten Kunden ab.

Zum anderen wird die Energieversorgung mit der Energiewende nicht nur grüner, sondern auch dezentraler, weil zunehmend die Kunden auch zu Stromproduzenten werden. Und schließlich stellt die Digitalisierung gerade die Stadtwerke vor große Probleme.

„Wir müssen neue Produkte schnüren“, sagt Steinkamp mit Blick auf den Kampf um die eigenen Kunden. Die Belieferung der Kunden mit Strom, Gas oder Wasser soll durch Energiedienstleistungen ergänzt werden. Er will dabei auf Kompetenzen von kommunalen Schwestergesellschaften zurück greifen, aber auch mit externen Partnern zusammen arbeiten.

So sollen beispielsweise Komplettangebote für Neubaugebiete möglich werden, bei der der Bauträger alle Infrastrukturleistungen aus einer Hand erhält. Im Kölner Stadtteil Mülheim gibt es schon ein Paradebeispiel für diese Pläne: Auf dem 40000 Quadratmeter großen Areal einer ehemaligen Fabrik des Farbenfabrikanten Lindgens sollen 350 Wohneinheiten und Gewerbeflächen gebaut werden.

Rheinenergie wird sich um die Energieversorgung kümmern, um Strom, Wasser und Fernwärme, aber auch Photovoltaikanlagen einbinden und selbst Mietern ermöglichen, eigenen Strom zu erzeugen. Andere Unternehmen, die ebenfalls im Besitz der Stadt Köln sind, kümmern sich um andere Dienstleistungen: Telekommunikation, Fernsehen, Internet, Entsorgung, Rauchmelder oder die Einbindung des öffentlichen Personen-Nahverkehrs in Mobilitätsketten für Car-Sharing, Fahrrad und Elektroauto.

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Rheinenergie versucht aber sogar mit den benachbarten Stadtwerken Düsseldorf enger zusammen zu rücken. Die beiden Versorger vermarkten gemeinsam Strom aus ihren beiden Gaskraftwerken. Weitere Kooperationen, zum Beispiel im Netzbetrieb sind angedacht.

Im vergangenen Jahr konnte die Rheinenergie AG ihren Umsatz von 2,28 Milliarden auf 2,46 Milliarden steigern. In der Gruppe, also inklusive aller Beteiligungen, stieg er sogar von 3,57 Milliarden auf 3,67 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) kletterte von 235 auf 263 Millionen Euro. Das Nachsteuer-Ergebnis blieb mit 155 Millionen Euro konstant.

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