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22.05.2013

15:34 Uhr

Rhetorik-Ranking 2013

Zur Halbzeit ein neuer Spitzenredner

VonClaudia Obmann

Die Hälfte der Dax-30-Chefs sind in dieser Saison auf der Hauptversammlung ihrer Aktionäre aufgetreten. Unser Rhetorik-Ranking zur Halbzeit präsentiert einen „Herbstmeister“, der den Vorjahressieger hinter sich lässt.

BASF-Vorstandschef Kurt Bock schwingt sich – zumindest in der Halbzeitauswertung – zum besten Dax-Redner auf. dpa

BASF-Vorstandschef Kurt Bock schwingt sich – zumindest in der Halbzeitauswertung – zum besten Dax-Redner auf.

DüsseldorfDamit hatte niemand gerechnet: BASF-Chef Kurt Bock, im Vorjahr im exklusiven Rhetorik-Ranking des Handelsblatts und der Uni Hohenheim gerade mal auf Platz 18 unter den 30 Dax-Vorstandsvorsitzenden gelandet, überrundet in dieser Hauptversammlungssaison den bisherigen Spitzenredner René Obermann. Der studierte Betriebswirt Bock löst damit zur Halbzeit unserer Auswertung René Obermann, den scheidenden Vorstandschef der Deutschen Telekom, als redegewandtesten Top-Manager ab.

„Bocks Rede war solide, gut strukturiert und inhaltlich reichhaltig. Vor allem aber wandte er sich in gut verständlichen Worten an ein breites Publikum, nicht nur an Finanz- oder Branchen-Experten, wie das viele Top-Manager auf Hauptversammlungen immer noch tun“, sagt Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider von der Uni Hohenheim. Der gebürtige Ostwestfale Bock hat sich in diesem Jahr sehr viel besser auf sein Publikum eingestellt. „Er hat nur wenig Fachchinesisch verwendet, dafür aber lebendige Beispiele gebracht und die Zuhörer spüren lassen, dass die Veranstaltung für ihn kein lästiger Pflichttermin ist“, sagt Brettschneider.

Das Computerprogramm des Kommunikationswissenschaftlers ermittelt, wie verständlich eine Rede ist. Es analysiert Satzbau, Fremdwortanteil, Abstraktheitsgrad, Wort- und Satzlängen und bewertet dann jede Rede auf einer Verständlichkeitsskala. Sie reicht von Null - der Vortrag ist etwa so unverständlich für den Durchschnittsbürger wie eine Doktorarbeit -, bis 10, was dem besonders hohem Verständlichkeitsgrad von Radionachrichten entspricht. Diese „A-Note“ bewertet sozusagen wie im Tanzsport die „Pflicht“. Außerdem hat Brettschneider eine Checkliste entwickelt, mit der sich der Stil eines Redners bewerten lässt. In Sachen „Kür“ können die Redner in zwei Teilbereichen „Relevanz und Aufbau“ sowie „Präsentationsform“ insgesamt 100 Punkte für ihre B-Note holen.

Bock schaffte 7,4 von 10 Punkten in der A-Note (nach nur 3,2 Punkten in 2012) und gute 80 von 100 Punkten für seinen Vortragsstil. 2012 reichte es gerade mal für 59 Punkte, was ihm damals mit Ach und Krach die Bewertung „der Stil genügt durchschnittlichen Anforderungen“ einbrachte. Zum Vergleich: René Obermann, der bekannt dafür ist, sehr persönlich, mitunter witzig, vor allem aber stets verständlich und anschaulich zu präsentieren, holte 2012 in der Pflichtübung „Verständlichkeit“ 7,2 und in der Kür 85 Punkte.

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