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20.01.2014

09:41 Uhr

Rhetorik-Ranking 2014

Klipp und klar muss die Rede sein

VonClaudia Obmann

ExklusivWelcher Dax-Chef ist der beste Redner? Die Hauptversammlungssaison hat begonnen und der Spitzenredner, BASF-Chef Kurt Bock, trifft auf bekannte und neue Herausforderer. Heinrich Hiesinger hat den Anfang gemacht.

Anshu Jains Deutsch ist zwar noch verbesserungswürdig, seine Reden können sich aber sehen lassen. Reuters

Anshu Jains Deutsch ist zwar noch verbesserungswürdig, seine Reden können sich aber sehen lassen.

DüsseldorfDas Publikum in der Frankfurter Festhalle war verblüfft: Anshu Jain, Co-Chef der Deutschen Bank mit indischen Wurzeln und britischem Pass, lieferte 2013 auf der Hauptversammlung der Aktionäre eine tadellose Ansprache – auf Deutsch. Sollte der Banker nicht nur in Sachen Zahlen besonders talentiert, sondern womöglich außerdem noch ein Sprachgenie sein? Wie es tatsächlich um Jains Deutsch-Kenntnisse steht, brachten nach etwa zehn Minuten Aktivisten ans Licht: Als sie Jains Rede unterbrachen, konnte er nur noch hilflos lächelnd dastehen – bis die Störer vom Aufsichtsratschef zur Ordnung gerufen wurden. Und somit für jeden offensichtlich wurde, dass der Spitzenmanager seine deutsche Rede doch eben nur auswendig gelernt hatte und fehlerfrei aufsagte.

Auch das ist für einen Nicht-Muttersprachler eine beachtliche Leistung. Aber für die Aufnahme in das exklusive „CEO Rhetorik-Ranking“ des Handelsblatts und der Uni Hohenheim reichte das letztes Jahr nicht. Jains Rede war zwar formal betrachtet in punkto Verständlichkeit mit Abstand die beste der 30 Dax-Vorstandsvorsitzenden, aber mit weniger als 800 Wörtern eben auch die kürzeste. Zum Vergleich: Im Schnitt umfasst eine substanzielle Hauptversammlungsrede rund 3700 Wörter. Und so lief Jains Rede-Debüt außer Konkurrenz. Anders der Auftritt von Jürgen Fitschen, mit dem sich Jain den Chefsessel der Deutschen Bank teilt. Für ihn reichte es in Sachen Verständlichkeit und Darbietung im Gesamtklassement nur für Platz 17. Man darf gespannt sein, ob eine Steigerung für einen oder sogar für beide 2014 drin ist.

Die besten Redner 2013

Platz 10

Martin Winterkorn, Volkswagen

Platz 9

Reinhard Ploss, Infineon

Platz 8

Elmar Degenhart, Continental

Platz 7

Ulf Schneider, Fresenius

Platz 6

Dieter Zetsche, Daimler

Platz 5

Johannes Teyssen, Eon

Platz 4

Norbert Reithofer, BMW

Platz 3

Peter Terium, RWE

Platz 2

Deutsche Telekom, René Obermann

Platz 1

Kurt Bock, BASF

Quelle

Rhetorik-Ranking von Handelsblatt und Universität Hohenheim (Detail-Ergebnisse hier)

Undenkbar ist das nicht. Die Auszeichnung als bester Redner 2013 errang ein Manager, dem das so vorher auch keiner zugetraut hat: Kurt Bock. Den Chef des Chemiemultis BASF hielt niemand für einen ernsthaften Anwärter für Platz eins, denn bei seiner Rede-Premiere 2012 hatte der studierte Betriebswirt es nur auf Platz 18 geschafft. Diese Blamage wollte er nicht auf sich sitzen lassen. Und so stammte zwar der erste Rede-Entwurf wieder aus der Feder der üblichen Redenschreiberin, der Konzernchef sorgte dann aber höchstpersönlich für den Feinschliff.

Das führte dazu, dass sich der Schnellsprecher aus Ostwestfalen 2013 sehr viel besser auf sein Publikum eingestellt hatte. Ob Umsatz–Prognose, Wachstums-Strategie oder Dividenden-Versprechen, von der Wortwahl bis zum Satzbau, von der Redestruktur bis zum Vortragstempo – sein 34-minütiger Auftritt im Mannheimer Kongresscentrum Rosengarten stimmte. „Bock hat nur wenig Fachchinesisch verwendet, dafür aber lebendige Beispiele gebracht. Das Publikum spürte, dass die Veranstaltung für ihn kein lästiger Pflichttermin ist“, sagt Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider über die solide Leistung der amtierenden Nummer eins.

Brettschneiders Computerprogramm ermittelt jedes Jahr, wie verständlich die Reden der Vorstandschefs der größten börsennotierten Unternehmen ausfallen. Es prüft jeweils Satzbau, Fremdwortanteil, Abstraktheitsgrad, Wort- und Satzlängen und bewertet dann jede Rede auf einer Verständlichkeitsskala. Bislang reichte diese von Null - der Vortrag ist etwa so unverständlich für den Durchschnittsbürger wie eine Doktorarbeit - bis 10 - das entspricht dem besonders hohen Verständlichkeitsgrad von Radionachrichten.

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