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18.07.2015

15:39 Uhr

Richard Branson wird 65

Der Tausendsassa kommt ins Rentenalter

Richard Branson ist Abenteurer, Clown, und Lebemann. Vor allem aber er ist er einer der erfolgreichsten Unternehmer Großbritanniens. Heute wird der Manager 65 Jahre alt – und denkt nicht im Traum an Ruhestand.

Auch an seinem 65. Geburtstag denkt der Milliardär nicht an Ruhestand. dpa

Richard Branson

Auch an seinem 65. Geburtstag denkt der Milliardär nicht an Ruhestand.

LondonWenn Richard Branson über sein Leben als Unternehmer spricht, dann ist das Wort „Spaß“ eines der am häufigsten benutzten. Branson ist seit weit über 40 Jahren der Hansdampf in allen Gassen der Londoner City, eine Art Klassenclown der britischen Unternehmer-Gilde, die eine oder andere Mutprobe als Abenteurer inklusive - zu Wasser, zu Land und in der Luft.

Branson besitzt meist unter dem Label Virgin ein Firmenimperium, das von der Fluggesellschaft über einen Telefonanbieter bis hin zum Raumfahrtunternehmen reicht. Der laut Forbes-Liste fast fünf Milliarden Dollar schwere Milliardär mit eigener Privatinsel in der Karibik wird am 18. Juli 65 Jahre alt – und denkt nicht im Traum an Ruhestand.

Was Sie nicht über Richard Branson wussten!

Der erste Gedanke beim Aufwachen?

Wie die meisten denke ich über die Zeit nach. Oft gefolgt von der Frage: "In welchem Land bin ich gerade?".

(Quelle: Richard Branson, Like a Virgin)

Wie kriegt man Sie am schnellsten aus dem Bett?

Eigentlich sind es mehrere Wörter: "Richard. Hör auf damit!" gesprochen mit dem Glasgower Akzent meiner Frau.

Die 3 abenteuerlichsten Dinge ihres Lebens?

Die Überquerung des Atlantiks mit einem Schnellboot, Heißluftballonfahren und Kitesurfen. Das Weltraumabenteuer steht auch noch an, obgleich dieses paradoxerweise das vielleicht ungefährlichste auf der Liste ist.

Was bringt Sie zum Weinen?

Ich muss bei lustigen und bei traurigen Sachen weinen. Meine Kinder nehmen immer eine Box mit Papiertüchern ins Kino! Ich habe auch an Orten wie Afrika viele Dinge gesehen, die jedem die Tränen in die Augen treiben würden.

Und was bringt Sie zum Lachen?

Ich bin ein zufriedener Mensch. Ich lache immerzu. Ich liebe das Leben, ich liebe die Menschen, ich liebe einen guten Witz. Ich kann der Theorie, dass Lachen gut für die Seele ist, nur zustimmen.

Was lieben Sie und was hassen Sie?

Ich liebe das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb der Familie. Und ich hasse es, dass ich nicht viel mehr Zeit mit ihr verbringen kann. Eigentlich hasse ich auch das Wort: "Hass". Davon gibt es viel zu viel in dieser Welt.

Wer ist Ihr Mentor?

Das sind meine Mutter und mein Vater. Beide hatten auf mein Leben einen ungeheuer positiven Einfluss.

Die wichtigste Weisheit, die Ihnen je zu Ohren gekommen ist?

Immer nur nach dem Besten im Menschen zu suchen. Und wenn ich mir noch eine zweite aussuchen darf: „Nur ein dummer Mensch ändert niemals seine Meinung.“

Wenn Sie 60 Dollar für eine Firma hätten, wie würden Sie das Geld einsetzen?

Wenn ich bekannt wäre, würde ich die Dollarnoten signieren und jeden Dollar für 20 Dollar verkaufen. Ich würde dann die 20-Dollarscheine signieren und für 50 Dollar verkaufen und so weiter. Wie es so schön heißt: Der Teufel scheißt immer auf den dicksten Haufen.

Was hat am meisten zu Ihrem Erfolg beigetragen?

All die Menschen, die sich über die Jahre für Virgin abgerackert haben, haben den Konzern zu dem gemacht, was er heute ist. Sicher, es war auch ein bisschen Glück dabei, aber ich bin der Überzeugung, dass Glück nicht einfach so passiert – man muss daran arbeiten.

Was treibt Sie in den Wahnsinn?

Eine negative Einstellung. Leute, die in jedem nur das Schlimmste suchen und "Mein Glas ist halb leer"-Typen. Und ich kann Gerüchte nicht ausstehen.

Sind Sie gestresst?

Eigentlich nicht. Ich bemühe mich redlich, Herausforderungen zu meistern, und wenn ich scheitere, rappele ich mich schnell wieder auf.

Haben Sie jemals darüber nachgedacht, für ein politisches Amt zu kandidieren?

Nein. Ich glaube nicht, dass man Geschäfte und Politik mischen kann. Ich müsste dann Virgin aufgeben, aber dafür liegt mir der Konzern zu sehr am Herzen. Ich kann mich für (oder gegen) viele politische Themen engagieren, ohne zum Politiker werden zu müssen.

„Ich kann mir nicht vorstellen damit aufzuhören, die Dinge zu tun, die ich liebe“, sagte Branson der Deutschen Presse-Agentur. Er wolle die Welt besser machen – mit guten Produkten aber auch gezielten Spenden, mit der Weitergabe von Erfahrung an junge Unternehmer und mit dem Kampf gegen den Klimawandel. Und dabei wolle er Spaß haben.

Branson hat die Öffentlichkeit nie gescheut - im Gegenteil. Er sucht sie geradezu, macht sie zum Teil seines Geschäftsmodells. In Großbritannien kennt den Dandy-Typen mit der aschblonden Mähne fast jeder. Auf Pressekonferenzen erscheint er schon mal in kurzen Hosen, in einem seiner Flugzeuge bediente er in Frauenkleidern, als Stewardess verkleidet, die Passagiere. Einst seilte er sich von einem Ballon in New York auf den Times Square ab – nur ein Mobiltelefon seiner Virgin-Marke verdeckte die Scham.

Kritiker sehen in Branson allerdings nicht nur den findigen Unternehmer, den nimmermüden Ankurbler, den Macher mit den Hummeln im Hintern, der niemals stillhalten kann. Der britische Star-Biograf und Investitigativ-Journalist Tom Bower gilt als einer der Intimfeinde Bransons. Er hält dem Unternehmer in seinem Buch „Branson: Hinter der Maske“ vor, gar nicht der kluge Visionär mit dem Gespür für neue Märkte zu sein.

Vielmehr hätten seine ausgezeichneten Kontakte zum britischen Establishment ihm viel Geld gebracht - etwa in Form von begehrten Slots auf dem Flughafen Heathrow oder ertragstarken Bahnstrecken, die an seine Firma Virgin Trains gingen. Bill Clinton, Tony Blair, die britischen Royals: Wer immer Macht und Einfluss hat oder gehabt hat – Richard Branson ist nicht weit, behauptet Bower. Die Geschäftszweige Bransons liefen besonders gut, die staatlich reguliert seien: Luftverkehr, Bahnverkehr, Telekommunikation.

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