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12.08.2015

08:25 Uhr

Riesenminus beim Bau-Dienstleister

Kraftwerke verbrennen Bilfingers Geld

VonMartin Tofern, Robert Landgraf

Sanierer Per Utnegaard steht vor einer Herkulesaufgabe. Der Bilfinger-Chef hat die Kraftwerkssparte zum Verkauf gestellt. Doch noch reißt das Geschäft den Konzern nach unten. Nur in einem Bereich läuft es stabil.

Der Norweger an der Spitze von Bilfinger will den Konzern neu aufstellen. dpa

Per Utnegaard

Der Norweger an der Spitze von Bilfinger will den Konzern neu aufstellen.

DüsseldorfDer angeschlagene Dienstleistungskonzern Bilfinger kommt auch im zweiten Quartal dieses Jahres nicht aus den roten Zahlen. So erzielte Bilfinger im ersten Halbjahr zwar einen Umsatz von 3,117 Milliarden Euro, unterm Strich steht aber ein Konzernergebnis von minus 439 Millionen.

Schuld daran sind vor allem nicht zahlungswirksame Abschreibungen auf Firmenwerte in Höhe von 330 Millionen Euro sowie operative Verluste und Abschreibungen im Kraftwerksgeschäft von 100 Millionen Euro, das durch die Energiewende in Deutschland sein Fundament verloren hat. Der bereinigte Gewinn (Ebita), in den die Zahlen der zum Verkauf gestellten Aktivitäten nicht mehr einfließen, lag im ersten Halbjahr bei 63 Millionen Euro.

Bilfinger baut, betreibt und wartet vor allem konventionelle Kraftwerke – also Gas- und auch Kohlekraftwerke. Die Betreiber haben die Wartungsaufträge für diese Kraftwerke auf das Allernötigste heruntergefahren, für den Mannheimer Konzern ist damit die Geschäftsgrundlage fast komplett weggebrochen.

Das sind Europas größte Baukonzerne

Platz 9

NCC AB – 8,42 Milliarden Euro Umsatz

Das schwedische Unternehmen mit seinen knapp 18.000 Mitarbeitern wurde erst 1988 gegründet. Heute besteht es aus vier großen Geschäftsbereichen, unter anderem „NCC Housing“ und „NCC Roads“.

Platz 8

Ferrovial (Spanien) – 9,7 Milliarden Euro Umsatz

Das Unternehmen aus Madrid baut und betreibt auch Autobahnen und Flughäfen. Der Konzern errichtete unter anderem das Guggenheim-Museum in Bilbao.

Platz 7

Balfour Beatty (Großbritannien) - 11,63 Milliarden Euro Umsatz

Bereits seit 1909 sind die traditionsreichen Briten im Baugeschäft tätig und gehören zu den Platzhirschen in Europa. Die Londoner beschäftigen europaweit rund 30.000 Mitarbeiter.

Platz 6

Strabag (Österreich) – 13,12 Milliarden Euro Umsatz

Aus Wien in die Welt: Die Österreicher haben vor allem in Osteuropa expandiert. Seit 2014 konnte der Konzern den zuvor stark abgerutschten Umsatz stabilisieren und zuletzt wieder leicht steigern.

Platz 5

Eiffage (Frankreich) – 14,06 Milliarden Euro Umsatz

Neben einigen TGV-Trassen gehört auch die Erweiterung des EU-Parlaments zu den großen Projekten des Konzerns. In Deutschland sind rund 3.000 Eiffage-Mitarbeiter beschäftigt.

Platz 4

Skanska (Schweden) - 16,36 Milliarden Euro Umsatz

Kaum eine Straße, ein Kraftwerk oder Bürogebäude in Schweden ist ohne Beteiligung des skandinavischen Bauriesen entstanden. Auch international sind die Schweden aus Solna mittlerweile breit aufgestellt.

Platz 3

Bouygues (Frankreich) - 32,43 Milliarden Euro Umsatz

Neben Immobilien und dem Straßenbau ist der Pariser Konzern Großaktionär des französischen Fernsehsenders TF1. 2015 musste das Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr leichte Umsatzeinbußen hinnehmen.

Platz 2

ACS (Spanien) - 34,93 Milliarden Euro Umsatz

Die Spanier haben in den vergangenen Jahren ein rasantes Wachstum hingelegt. Allein in den vergangenen drei Jahren stieg der Umsatz um rund zehn Milliarden Euro und ACS klettert das Treppchen weiter hoch. Zum Konzern gehört auch das deutsche Unternehmen Hochtief.

Platz 1

Vinci (Frankreich) – 38,52 Milliarden Euro Umsatz

Der größte Baukonzern Europas ist auch der größte Baukonzern der Welt und in der Kleinstadt Rueil-Malmaison nahe Paris beheimatet. Dem Konzern gehört unter anderem die Hälfte aller französischen Autobahnen. 2015 verzeichnete das Unternehmen ein Umsatzminus von knapp 0,5 Prozent.

Quelle: Deloitte

Das Kraftwerksgeschäft wird sich auch in Zukunft nicht wesentlich bessern – Analysten erwarten für das Gesamtjahr einen höheren Nettoverlust als im vergangenen Jahr, das Bilfinger mit einem Verlust von 71 Millionen Euro abgeschlossen hatte.

Der vom Großinvestor Cevian als Vorstandschef gewünschte Norweger Per Utnegaard verkündete Ende Juni seine Lösung des Problems: Die Krisensparte mit einem Umsatz von zuletzt 1,4 Milliarden Euro und 11.000 Mitarbeitern soll binnen eines Jahres verkauft werden. Der angepeilte Verkaufspreis von 750 Millionen bis eine Milliarde Euro dürfte aber kaum zu erzielen sein. Bankenkreise rechnen eher mit einem Erlös von knapp 500 Millionen Euro.

Wie kürzlich bekannt wurde, soll auch die Sparte Water Technologies verkauft werden. Sie ist auf Wasseraufbereitung und Klärwerke spezialisiert und hat zuletzt vor Zinsen, Abschreibungen und Steuern 30 Millionen Euro verdient. In Bankenkreisen wird mit einem Verkaufspreis von 250 bis 300 Millionen Euro gerechnet. Die Verkaufsprospekte sollen Ende August verschickt werden.

Kommentare (1)

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Frau Rosi Raubbau

12.08.2015, 14:13 Uhr

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