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02.06.2014

12:48 Uhr

Rocket Internet

Kopier-Könige zünden Börsenrakete

VonLisa Hegemann

Rocket Internet setzt auf dreiste Kopien statt auf Internet-Innovationen. Doch der Ideenklau funktioniert, wie die Beispiele Zalando, My Video und Co. zeigen. Nun wollen die Kopier-Könige offenbar auch die Börse erobern.

Die Aktien der Start-Up-Schmiede haben bislang nicht gezündet. Getty Images

Die Aktien der Start-Up-Schmiede haben bislang nicht gezündet.

DüsseldorfOffiziell will sich niemand äußern. Wie so oft bei Rocket Internet, wenn es konkret wird. Verschiedene Medien berichten, dass der deutsche Internetgigant einen Börsengang plane – noch in diesem Jahr. Doch Rocket Internet bleibt stumm. Spekulationen kommentiere man nicht, heißt es aus der Pressestelle.

Falls die Nachrichten aus dem Konzern stimmen und Rocket Internet an die Börse geht, könnte es der größte deutsche IPO in diesem Jahr werden. Nach Angaben der „Financial Times“ soll das Unternehmen mit drei bis fünf Milliarden Euro bewertet werden. An der Vorbereitung des Börsengangs soll neben den US-Geldhäusern Morgan Stanley und JP Morgan auch die Berenberg Bank beteiligt sein.

Wenn, hätte, könnte: Noch ist alles reine Spekulation. Kurioserweise beschreibt genau dieser Satz auch das Geschäftsmodell von Rocket Internet am besten. Das Unternehmen investiert in Start-ups und spekuliert auf deren Erfolg. Derzeit gehören rund 75 Firmen zum Dachkonzern. Damit zählt Rocket Internet zu einem der wenigen europäischen Konzerne, die sich im Internet behaupten konnten – allerdings mit einer anderen Strategie als die amerikanischen Vorbilder.

Die USA, insbesondere das Silicon Valley, gelten als Ideenschmiede für IT-Ideen. Unternehmen wie Google, Amazon oder Facebook haben sich mit innovativen Geschäftsmodellen zu Monopolisten in ihrem Bereich aufgeschwungen und verdienen jedes Jahr Milliarden. Doch die Idee hinter Rocket Internet ist nicht, eine Innovation im Netz zu starten – sondern die besten Innovationen zu kopieren und damit Geld zu verdienen.

Deutsche Startups

Neue Gründerzeit

Manch einer spricht von einer neuen Gründerzeit: Immer mehr Start-ups versuchen in Berlin ihr Glück. Aber auch in anderen Teilen des Landes gibt es erfolgreiche IT-Unternehmen. Einige sind bereits über die Grenzen von Deutschland hinaus bekannt geworden. Ein Überblick.

Researchgate

Researchgate ist ein Online-Netzwerk für Wissenschaftler. Dort tummeln sich Biologen, Chemiker aber auch Philosophen. Die Idee: Forscher sollen sich inhaltlich austauschen und Kontakte knüpfen können. Der studierte Virologie Ijad Madisch gründete die Firme mit zwei Freunden. Längst sind Investoren aus den USA aufmerksam geworden – darunter Microsoft-Gründer Bill Gates: Er steckte im Juni 2013 gemeinsam mit Tenaya Capital 35 Millionen Euro in Researchgate.

Wooga

Der Spiele-Anbieter Wooga profitierte in seinen Anfangsjahren vom Boom der Sozialen Netzwerke: Immer mehr Nutzer verbrachten immer mehr Zeit bei StudiVZ, Facebook und Co – und begeisterten sich für Spiele wie „Monster World“, die das Berliner Start-up dort anbot. Inzwischen steckt Wooga mehr Anstrengungen in die Apps für mobile Geräte. Weltweit verzeichnet die Firma monatlich 50 Millionen Nutzer.

Bigpoint

Kein klassisches Start-up mehr ist Bigpoint: Heiko Hubertz gründete die Firma bereits 2002. Sie bietet Spiele wie „Drakensang Online“ und „Farmerana“ an, sowohl eigene Entwicklungen wie auch die anderer Hersteller. Die mehr als 300 Millionen registrierten Nutzer können grundsätzlich kostenlos spielen, zahlen aber für Extras. 2012 war allerdings ein schwieriges Jahr: Weil sich das Geschäft schlechter entwickelte als erwartet, strich das Unternehmen 120 Stellen und schloss das Studio in San Francisco. Dieses Jahr will Bigpoint wieder wachsen.

Soundcloud

Der schwedische Unternehmer Alexander Ljung hat sich bewusst für den Standort Deutschland entschieden: Er gründete seine Firma Soundcloud in der Hauptstadt. Sie bietet eine Plattform an, auf die Nutzer eigene Audioproduktionen hochladen können und mit anderen teilen können. Monatlich nutzen 250 Millionen Menschen den Dienst.

6Wunderkinder

Das Start-up 6Wunderkinder entwickelt eine Anwendung, mit der Nutzer ihren Alltag wie auch ihre Arbeit organisieren können sollen. Die Basisversion ist kostenlos, die Team-Version kostet eine monatliche Gebühr. Bislang hat das Unternehmen nur sechs Millionen Nutzer, aber eine Partnerschaft mit dem bekannten Kapitalgeber Sequoia Capital rückt das junge Unternehmen ins Rampenlicht.

Zalando

Hinter dem Online-Modehändler Zalando stehen die Samwer-Brüder, die sich als Seriengründer von Internet-Unternehmen einen Namen gemacht haben. Der Umsatz ist seit der Gründung 2008 rasant auf 1,15 Milliarden Euro im vergangenen Jahr gewachsen, allerdings arbeitet der Händler nicht profitabel. Internationale Investoren, darunter die deutsche Tengelmann-Gruppe und ein kanadischer Rentenfonds, finanzieren die internationale Expansion.

Wie erfolgreich das funktionieren kann, zeigt die Liste der Portale, an denen Rocket Internet bereits beteiligt war oder immer noch ist: Das früher erfolgreiche soziale Netzwerk StudiVZ, eine Kopie von Facebook. Das Videoportal My Video, eine Kopie von Youtube. Der Kleidungshändler Zalando, eine Kopie von Zappos. Durch alle Branchen hinweg hält sich das in Berlin gegründete Unternehmen Start-ups, die oftmals die Geschäftsmodelle amerikanischer IT-Größen übernehmen.

Hinter dem fragwürdigen Konzept stecken drei Brüder. Alexander, Marc und Oliver Samwer haben Rocket Internet 2007 gegründet. Ihr Vater war Rechtsanwalt. Auch Marc Samwer, der Älteste, studierte Rechtswissenschaften. Sein Bruder Oliver machte seinen Abschluss in Betriebswirtschaftslehre (BWL), wurde dann Trainee bei der Investmentbank Sal. Oppenheim. Der Dritte und Jüngste im Bunde, Alexander Samwer, konzentrierte sich zunächst auf Volkswirtschaftslehre und Politik. Später machte er seinen Master in BWL.

Ihre erste erfolgreiche Kopie entwickelten die drei Brüder bereits vor dem Start ihres Unternehmens. Der Klon hieß Alando und war ein Abklatsch von Ebay. Mit dem Verkaufsportal schickten sich die Samwers an, dem großen US-Giganten Konkurrenz zu machen. Ebay löste das Problem auf seine eigene Art: Der Konzern zahlte rund 40 Millionen Euro für die deutsche Kopie – der erste große Deal der Samwer-Brüder.

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