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20.01.2014

06:42 Uhr

Rohstoffverwertung

„Wir brauchen mehr Recycling“

Die Deutschen sortieren ihren Müll wie die Weltmeister – mancher ausländische Besucher schüttelt den Kopf über so viel Mühe mit dem eigenen Dreck. Aber es müsse noch mehr gehen, fordern Umweltexperten.

Obwohl sich die meisten beim Müll trennen viel Mühe geben, landet in der grauen Tonne immer noch zu viel. dpa

Obwohl sich die meisten beim Müll trennen viel Mühe geben, landet in der grauen Tonne immer noch zu viel.

WiesbadenEine bunte Reihe Mülltonnen steht in Frankfurt vor den Häusern: Braun für Bio, Grün für Papier, Gelb für Verpackungen mit dem Grünen Punkt, Grau für den Rest. Flaschen müssen zum Glascontainer, ausgediente Elektrogeräte zum Wertstoffhof gebracht werden, für Farbreste gibt es gesonderte Termine, Sperrmüll wird nach Bedarf abgeholt. Alles perfekt geregelt - aber der Gedanke an Langlebigkeit oder Reparatur kaputter Geräte komme dabei gar nicht auf, kritisieren Umweltexperten.

In der grauen Tonne für den vermeintlich unbrauchbaren Rest lande immer noch zu viel, bemängelt Günter Dehoust, Abfallexperte beim Öko-Institut. Dabei ist die Menge an Restmüll von 2006 bis 2012 schon um eine Million Tonnen auf 13,2 Millionen Tonnen gesunken, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Donnerstag berichtete. Aber beim Sortieren gehe noch mehr, meint Dehoust.

Schon jetzt ist Müll für die Bürger eine logistische Herausforderung: Dass der verwelkte Blumenstrauß unter den braunen Deckel gehört und die ausgelesene Zeitung unter den grünen, ist noch leicht. Leergelöffelte Joghurtbecher wandern nach Gelb. Aber wohin mit dem Plastikschälchen, in das der Metzger um die Ecke den Fleischsalat gefüllt hat? Auch Gelb? Falsch, denn der Metzger hat für den Grünen Punkt keine Lizenzgebühr bezahlt, das Schälchen ist im Jargon der Branche eine „stoffgleiche Nichtverpackung“ wie ausgedientes Plastikgeschirr oder die kaputte Bratpfanne und gehört nach Grau.

Die gelbe Tonne sei die mit den meisten Fehlwürfen, sagt Michael Werner von der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH. In der Stadt läuft noch bis zum April ein Versuch mit der Wertstofftonne für Plastikabfälle mit oder ohne Grünen Punkt, Metall oder Holz. „Ich bin jetzt eine Wertstofftonne“ steht auf den gelben Tonnen vor 60.000 Haushalten. Damit solle die Verwirrung um die Verpackungsabfälle beendet und zugleich Material eingesammelt werden, das sonst in die Graue Tonne wanderte, etwa kaputtes Plastikspielzeug oder -Geschirr.

Die größten Rohstoffkonzerne der Welt

Platz 5

Anglo American

Das südafrikanisch-britische Unternehmen verdient sein Geld vor allem mit Industrie- und Edelmetallen, Diamanten - und Kohle. Der Konzern machte 2014 insgesamt 20,4 Milliarden Dollar Umsatz. Zu dem Portfolio gehört etwa auch der Diamantenschürfer De Beers. Anglo American ist der größte Platinförderer der Welt.

Quelle: Bloomberg,

Platz 4

Xstrata

Der Minenkonzern Xstrata ist der größte Zinkproduzent der Welt und hat sich mit dem berühmt-berüchtigten Rohstoffhändler Glencore zusammengeschlossen. Xstrata hatte an der Börse einen Wert von 55,1 Milliarden Dollar. Beide Unternehmen aus der Schweiz waren bereits eng verflochten. Glencore hielt rund 34 Prozent an Xstrata.

Platz 3

Vale

Der brasilianische Rohstoffkonzern Vale kommt auf einen Börsenwert von 107,9 Milliarden US-Dollar. Das einstige Staatsunternehmen verzeichnete ein rasantes Wachstum und stieg zum weltweit größten Förderer von Eisenerz auf. Zudem betreibt Vale die weltgrößte Eisenerzmine in Brasilien. In der Ferr Carajas-Mine werden 110 Millionen Tonnen Erz pro Jahr gefördert. Der Grundstoff für die Stahlerzeugung wird über rund 900 Kilometer per Eisenbahn in den nächsten Hafen gefahren.

Platz 2

Rio Tinto

Der britisch-australische Gigant rangiert auf Platz zwei der Eisenerzförderer. Das Traditions-Unternehmen mit zwei Hauptsitzen, in London und Melbourne, kommt auf eine Börsenwert von 111,6 Milliarden Dollar. Zudem betreibt Rio Tinto wichtige Kupferminen, wie etwa in West Australien. Die Anglo-Australier übernahmen sich 2007 fast am Kauf des kanadischen Aluminiumkonzerns Alcan und wurden selbst Ziel eines Übernahmeversuchs durch den Konkurrenten BHP Billiton.

Platz 1

BHP Billiton

Ein echtes Schwergewicht an der Börse mit einer Marktkapitalisierung von 199,7 Milliarden Dollar ist der britisch-australische Gigant BHP Billiton. Das Unternehmen betreibt Eisenerz- und Kupferminen, erweitert aber auch sein Geschäft etwa auf Schiefergasressourcen in den USA.

„Auf die Wertstofftonne warten wir seit Jahren“, sagt Abfallexperte Dehoust. Auch die Biotonnenpflicht sei noch immer nicht konsequent umgesetzt. „Wir brauchen mehr Recycling.“ Die Abfallwirtschaft selbst habe aber gar kein Interesse daran, den Restmüll weiter zu reduzieren, denn dann drohten Überkapazitäten bei der Verbrennung. Noch sei die Restmüllverbrennung ein lukratives Geschäft, die alten Anlagen seien abgeschrieben und daher besonders profitabel.

Die Öfen prägten immer noch die Kreislaufwirtschaft, seien aber nicht zukunftstauglich und mit den Zielen der Energiewende nicht vereinbar, sagt Dehoust. Denn wenn 90 Prozent der Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen stammten, sei die Müllverbrennung nicht mehr als Ersatz für andere Brennstoffe nötig und werde zur Belastung. „Wir brauchen ein gezieltes Programm zum Zurückfahren der Anlagen“, fordert der Fachmann des Öko-Instituts.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

20.01.2014, 07:55 Uhr

Besonders interessant ist hier die Rolle des DSD. Allgemein bekannt ist, dass das Sortieren durch die Bürger völlig sinnfrei ist. Sortieranlagen sortieren viel besser und kommen auch mit der Mischung aus Restmüll und Wertstoffen brillant zurecht. Entsprechende Versuche beispielsweise in Köln und Dresden zeigten dies eindrucksvoll.
Nun musste aber das Duale System Deutschland verkauft werden, was nur mit einer Bestandsgarantie für dieses sinnlose System möglich war. Und so fahren weiter zwei Müllautos fein getrennt unseren Müll ein.
Übrigens, die Bürger entsorgen in ihrer Tonne WERT-stoffe. Wieso bekommen sie diese nicht bezahlt? Für Papier funktioniert die ja schon recht gut. Es wird Zeit, dass auch dieser Markt geöffnet wird, und der Bürger seinen Kübel meistbietend verkaufen kann. Ganz offensichtlich sind bei der Müllentsorgung hohe Gewinne zu machen, wird Zeit, dass die Bürger an den Gewinnen beteiligt werden.

Account gelöscht!

20.01.2014, 17:53 Uhr

Überkapazitäten der MVA dürfen nicht dazu führen, dass wertvolle Sekundärrohstoffe in die Verbrennung gelangen – vor allem nicht in einem so rohstoffarmen Land wie Deutschland. Vielmehr ist die Vorsortierung im Haushalt eine notwendige Voraussetzung für ein qualitativ hochwertiges Recycling. Bereits heute wird die deutsche Industrie zu 14 Prozent mit recycelten Rohstoffen versorgt. Auch die einheitliche Wertstofferfassung ist bereits auf einem guten Weg: Schon heute nutzen ca. 15 Mio. Bundesbürger eine gemeinsame Wertstofftonne. Welchen Mehrwert das Recycling für die Umwelt hat, zeigt eine aktuelle Studie des Fraunhofer-Instituts UMSICHT (http://www.recyclingnews.info/Rohstoffe/ALBA_Group_veroeffentlicht_Fraunhofer-Studie)

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