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02.09.2014

15:10 Uhr

Roland Berger im Middelhoff-Prozess

Die besten Feinde

VonLisa Hegemann

Beim Untreue-Prozess gegen Thomas Middelhoff trifft der Angeklagte auf einen ehemaligen Weggefährten. Die Herren grüßen sich freundlich, doch zu sagen haben sie sich wenig. Einen verbalen Schlagabtausch gibt es trotzdem.

Roland Berger vor dem Saal 101 im Landgericht Essen. Der Unternehmensberater war am Dienstag Zeuge im Untreue-Prozess gegen Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff. dpa

Roland Berger vor dem Saal 101 im Landgericht Essen. Der Unternehmensberater war am Dienstag Zeuge im Untreue-Prozess gegen Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff.

EssenSpannend wird es erst am Schluss, als die Befragung zum Fall schon vorbei ist. Da fragt Richter Jörg Schmitt: „Sie fordern derzeit Geld von Herrn Middelhoff?“ Der Unternehmensberater Roland Berger, offenbar irritiert, hakt noch mal nach, ob er die Frage auch richtig verstanden hat – und bestätigt sie dann mit einem kräftigen „Ja“.

Wenn man es genau nimmt, ist die Frage für den Untreue-Prozess gegen Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff irrelevant. Im Landgericht Essen geht es schließlich nicht um alte Forderungen von alten Weggefährten. Das Gericht beschäftigt sich eigentlich mit der Frage, ob Middelhoff private Charterflüge auf Kosten seines damaligen Arbeitgebers Arcandor abgerechnet hat. Auch die Kosten einer Festschrift sollen auf Weisung von Middelhoff von Arcandor-Konten bezahlt worden sein. Die Staatsanwaltschaft beziffert den entstandenen Schaden auf 1,1 Millionen Euro.

Berger soll als Zeuge im Prozess dabei helfen, einen Flug als geschäftlich oder eben privat zu identifizieren. Als der 76-Jährige im schwarzen Anzug und mit schwarzer Aktentasche den Gerichtssaal 101 im Essener Landgericht betritt, nickt er dem Angeklagten freundlich zu, Middelhoff nickt zurück und grinst. Die beiden Ex-Geschäftspartner, zwischen denen eine Millionenforderung steht, grüßen sich, wie man sich eben so grüßt unter streitenden Gentlemen: Höflich, aber zurückhaltend.

Die Rechsstreitigkeiten des Thomas M.

Charterflüge

Die Staatsanwaltschaft Bochum wirft dem 61-Jährigen Untreue in 49 Fällen vor. In dem Strafverfahren vor dem Essener Landgericht geht es vor allem um Charterflüge auf Firmenkosten, die von Arcandor bezahlt worden waren, obwohl sie laut Staatsanwaltschaft privaten Zwecken dienten. Middelhoff hatte öffentlich erklärt, er habe sich korrekt verhalten.

Sal. Oppenheim

Das Kölner Institut Sal. Oppenheim hatte das Ehepaar Middelhoff Ende 2013 auf knapp 78 Millionen Euro verklagt. Kredite seien nicht zurückgezahlt worden. Zuvor hatte Middelhoff seinerseits die Bank auf 101 Millionen Euro verklagt.

Arcandor I

Im September 2013 erklärte das Landgericht Essen, es halte einen Sonderbonus, den der Manager kurz vor seinem Arcandor-Ausscheiden erhielt, für nicht gerechtfertigt. Er soll rund 3,4 Millionen Euro an den Insolvenzverwalter zahlen, hat aber Berufung angekündigt.

Arcandor II

Der 61-Jährige verlangt seinerseits von den Insolvenzverwaltern wegen angeblichen Rufmords Schadenersatz in Höhe von 120 Millionen Euro. Gegen einen entsprechenden Mahnbescheid haben die Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg und Hans-Gerd Jauch Widerspruch eingelegt. Sie hatten Middelhoff und andere Arcandor-Manager auf Schadenersatz von insgesamt 175 Millionen Euro verklagt, unter anderem wegen angeblicher Managementfehler. Der Prozess vor dem Oberlandesgericht Hamm könnte Jahre dauern.

Josef Esch

Mit seinem ehemaligen Vermögensverwalter Josef Esch liegt Middelhoff ebenfalls im Clinch. Im Streit um Unterhaltskosten für seine Luxusyacht einigten sich Middelhoff und Esch im Jahr 2012 außergerichtlich auf eine Zahlung von 2,5 Millionen Euro, Frist 30. September 2013. Überwiesen hat Middelhoff bis heute nicht, Esch geht gerichtlich gegen Middelhoff vor. Middelhoff selbst will von seinem Ex-Vermögensverwalter 33 Millionen Euro, weil der ihn falsch beraten und sein Privatvermögen riskiert haben soll.

Bei der Befragung stellt sich schnell heraus, dass Berger im Verfahren kaum helfen kann. Er pausiert oft lange, wenn Richter Schmitt ihm eine Frage gestellt hat, sagt dann „Das weiß ich nicht“ oder „Ich kann mich nicht mehr erinnern“. Nicht jedes Wort ist in dem großen Gerichtssaal Nummer 101 verständlich, die Stimme Bergers geht oft unter. Hilflos zuckt der Unternehmensberater irgendwann mit den Schultern und sagt: „Entschuldigen Sie, ich war noch nie Zeuge vor Gericht.“

Aber einen Termin zumindest kann er dann doch bestätigen: den 12. Januar 2009. „An einzelne Termine kann ich mich nicht erinnern“, sagt Berger im Landgericht Essen. Aber: „Dass dieses Gespräch stattgefunden hat, entnehme ich aus meinem Kalender.“ Auch den Inhalt kann er dank seiner E-Mails rekonstruieren. Aus der Korrespondenz schließe er, dass es „um die mögliche Gründung der BLM“ gehen sollte. Die BLM war eine Investmentagentur, die Berger 2009 gemeinsam mit Florian Lahnstein und Middelhoff gründete.

Ob der Termin irgendetwas mit Arcandor zu tun hatte und einen Charterflug Middelhoffs somit rechtfertigen würde, das lässt sich schlussendlich nicht beantworten. Der Flug nach Berlin hatte laut Staatsanwaltschaft 17.000 Euro gekostet. Der damalige Arcandor-Chef hatte ihn komplett von seinem Arbeitgeber zahlen lassen. Die Staatsanwälte glauben aber, dass es um private geschäftliche Termine Middelhoffs ging. Berger kann bei der Wahrheitsfindung nicht weiterhelfen. Er könne sich nicht erinnern, aber auch nichts ausschließen.

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