Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.11.2012

10:23 Uhr

Roland Berger wird 75

Vom Schnapsverkäufer zum Chefberater

Als Student gründete Roland Berger eine Wäscherei und einen Schnapsladen. Später beriet er die Kanzler Kohl und Schröder und sollte sogar Wirtschaftsminister werden. Und mit 75 Jahren ist noch lange nicht Schluss.

Roland Berger wird am Donnerstag 75 Jahre alt. dpa

Roland Berger wird am Donnerstag 75 Jahre alt.

München/DüsseldorfIm Jahr 1988 witterte Roland Berger, der prominenteste Unternehmensberater des Landes, das globale Geschäft. Berger verkaufte die Mehrheit seines Beratungshauses an die Deutsche Bank. Doch zehn Jahre später kauften Berger und die Partner die Beratung zurück. „Ich wollte noch mal ein großes Orchester dirigieren“, so sein Motiv.

Heute feiert Berger seinen 75. Geburtstag und auch wenn er sich aus dem operativen Geschäft der Roland Berger Strategy Partners zurückgezogen hat, von Ruhestand will er nichts wissen. „Ich bin ein neugieriger Mensch und habe meine Arbeit immer als Bereicherung empfunden, nicht als Last“, sagt er.

Roland Berger hat die Bundesregierungen von Helmut Kohl (CDU) und Gerhard Schröder (SPD) beraten, hat der Lufthansa bei ihrer Sanierung und der Computermesse Cebit bei ihrer Gründung beratend zur Seite gestanden und mehrere Konzernchefs auf ihre Posten vermittelt. In China und Japan ist er genauso zu Hause wie in Italien und Frankreich. Sein Beratungsunternehmen ist die Nummer fünf weltweit, beschäftigt 2700 Mitarbeiter und macht gut eine halbe Milliarde Euro Umsatz im Jahr. Aber als Berater macht er eigentlich dasselbe wie als 30-Jähriger 1967, als er als Einzelkämpfer mit einem Büro und einer Sekretärin begann.

Strategieberatung: Roland Berger glaubt wieder an den Euro

Strategieberatung

exklusivRoland Berger glaubt wieder an den Euro

Doch der Berater warnt, ohne Wachstum würden alle Rettungspläne ins Leere laufen.

„Ich wollte immer Unternehmer sein“, sagt Berger. Sein Vater war Direktor der Anker-Brotfabrik, seine Mutter führte ein Möbelhaus, und auch der Sohn wollte von Anfang an sein eigener Chef sein und Geld verdienen. Schon als Student der Betriebswirtschaft gründete er in München sein erstes Unternehmen, eine Wäscherei mit 15 Angestellten. Dabei wurde er wohlhabend und lernte Lektion eins: Werbung ist Gold wert. Vor dem Examen gründete er dann einen Schnapsladen – ein paar Regale, ein Kassierer und Discountpreise, fertig war das Erfolgsrezept. Und der künftige Berater lernte Lektion zwei: Kosten senken.

Gerade mal 29 Jahre jung, gründete Berger 1967 in München sein Beratungshaus - „mein Baby“, wie er sagt. Heute ist es die einzige große Strategieberatung mit europäischen Wurzeln. 2700 Mitarbeiter in 36 Ländern erwirtschaften schätzungsweise 700 Millionen Euro. In Mailand hatte Berger zuvor fünf Jahre das Beratermetier erkundet. Das kaum bekannte Geschäftsmodell brachte er nach Deutschland. Sein Gesellenstück lieferte er 1968 mit der Tui ab. Berger fädelte die Fusion der Reiseanbieter Touropa, Scharnow, Hummel und Dr. Tigges ein. „Unternehmensberatung war damals eine in Deutschland noch weitgehend unbekannte Disziplin“, sagt Berger.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×