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01.09.2011

19:23 Uhr

Rosneft-Chef Chudainatow

Vollstrecker von Wladimir Putins Gnaden

VonFlorian Willershausen

Mit seinem Exxon-Deal erfüllt der Chef des größten russischen Ölkonzerns Rosneft, Eduard Chudainatow, den Wunsch des Kremls: Einen neuen Partner für die Erschließung der arktischen Ölvorkommen zu finden.

Rosneft-Chef Eduard Chudainatow (r) mit Russlands Staatspräsident Dmitry Medvedev. dapd

Rosneft-Chef Eduard Chudainatow (r) mit Russlands Staatspräsident Dmitry Medvedev.

MoskauAls der Kreml Eduard Chudainatow vor fast genau einem Jahr auf den Chefsessel des größten russischen Ölkonzerns Rosneft beförderte, gab ihm Vize-Premierminister Igor Setschin einen Auftrag mit auf den Weg: Er solle den staatlichen Ölförderer "auf eine neue Ebene" heben. Im Januar war klar, was damit gemeint ist: Rosneft suchte einen Partner für die Erschließung schwieriger Ölfelder - und fand ihn in BP. Dem britischen Ölkonzern boten die Russen eine weitreichende strategische Allianz samt Überkreuzbeteiligung an.

Doch der "Deal des Jahres" scheiterte am hartnäckigen Widerstand der russischen BP-Beteiligung TNK-BP, deren russische Aktionäre die Partnerschaft über ein Schiedsgericht verbieten ließen. Im Vertrag des Gemeinschaftsunternehmens lasen die Richter nach, dass BP-Investitionen in Russland exklusiv über TNK-BP abzuwickeln sind.

Also verbrachte Chudainatow fast das gesamte erste Dienstjahr an der Rosneft-Spitze damit, einen neuen Partner für die Erschließung der arktischen Ölvorkommen zu finden, die tief im Meeresboden vergraben liegen und die die Russen ohne Know-how aus dem Ausland nicht heben können. Jetzt konnte Chudainatow Vollzug melden und mit Exxon Mobil einen Partner nennen.

Dass Rosneft den Schulterschluss mit dem weltgrößten Ölriesen sucht, ist indes nicht allein das Verdienst des sibirischen Ingenieurs, der bis zu seiner Nominierung für Töchter staatlicher Öl- und Gaskonzerne in den rohstoffreichen Provinzen arbeitete. Der blasse Rosneft-Präsident mit dem altmodischen Schnauzbart ist der Vollstrecker von Wladimir Putins Gnaden.

Letztlich war es Russlands mächtiger Regierungschef, der den Deal zwischen Rosneft und Exxon anschob. Dass Chudainatow lediglich die Details aushandelte, zeigen schon die gestrigen Bilder, als in Sotschi ein Memorandum unterzeichnet wurde: Chudainatow und der Explorationschef von Exxon Mobil signieren die Verträge, Putin und Exxon-Chef Rex Tillerson blicken ihnen über die Schultern.

Trotzdem darf sich Chudainatow mit der Tat schmücken, den Konzern auf eine neue Ebene gehoben zu haben - zumindest offiziell. Wie die Partnerschaft ausgestaltet wird, muss Chudainatow in den nächsten Monaten aushandeln. Die Vorgabe der Politik ist klar: Mit Hilfe der Amerikaner soll Rosneft die Schätze der Arktis heben - um die russischen Staatskassen zu füllen. Die Kontrolle über die Felder will der Staat behalten.

Die Ölindustrie ist für Russland die wichtigste Einnahmequelle. Schon darum achtet Putin darauf, die Spitzen der Energiekonzerne mit Managern ohne eigene Ambitionen zu besetzen. So ist Chudainatow formal einer der mächtigsten Wirtschaftslenker Russlands, ohne den Segen des Kremls geht aber nichts.

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