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14.01.2005

12:56 Uhr

Rudolph Moshammer im Porträt

Modeschöpfer und Kultfigur

Allenthalben traf man ihn in schicken Kneipen, nicht selten stand sein Rolls Royce - natürlich mit dem Kennzeichen M-RM - auffällig vor Nobelgaststätten. Der Modeschöpfer Rudolph Moshammer (64) galt als einer der schillerndsten Vertreter der Münchner Schickeria. Regelmäßig war der Mann mit der exzentrischen Ludwig II.-Frisur Gast bei Prominenten-Partys und in Talkshows. Die York-Shire-Hündin Daisy war seine ständige Begleiterin.

HB MÜNCHEN. Wie kaum ein anderer verstand es Moshammer, sich selbst publikumswirksam zu inszenieren. Mit seinem tiefschwarzen Haar und seinem stets makellosen Outfit verlieh der Modeschöpfer, der selbst am liebsten im 18. Jahrhundert gelebt hätte, seinen Auftritten gern einen herrschaftlichen Anstrich. Bis zum Tod seiner Mutter Else im Jahr 1993 waren Mutter und Sohn als unzertrennliches Paar in der Öffentlichkeit aufgetreten.

Moshammer hatte in den sechziger Jahren begonnen, extravagante Mode zu entwerfen. Seine Münchner Boutique „Carnaval de Venise“ in der Maximilianstraße mit Herrenmode der Luxusklasse aus Pelzen, Kaschmir oder Seide entwickelte sich zu einer der ersten Adressen in der High Society. Dass er angeblich nie eine Schneiderlehre absolviert hat, tat seinem Erfolg keinen Abbruch: Er kleidete Prominente aus Politik, Wirtschaft und Showgeschäft ein. Arnold Schwarzenegger, Startenor José Carreras, die Magier Siegfried & Roy, Schauspieler Richard Chamberlain und Thomas Gottschalk zählten zu seinen Kunden.

Moshammer wurde am 27. September 1940 in München geboren, wie vor einigen Jahren bei einer Gerichtsverhandlung in Österreich wegen eines Verkehrsdeliktes bekannt wurde. Er selbst hatte sich in der Öffentlichkeit aber stets fünf Jahre jünger gemacht.

Moshammers öffentliche Aktivitäten waren vielfältig. Gemeinsam mit seiner Mutter unterstützte er immer wieder Obdachlose, unter anderem mit Spenden. 1983 kaufte Moshammer die Traditions-Gaststätte „Hundskugel“, eines der drei ältesten Häuser in München, das 1440 erbaut wurde. Zuletzt setzte er sich für ein neues Heim für Obdachlose ein und warb in diesem Zusammenhang auch für die Münchner Obdachlosen-Zeitung „Biss“.

Moshammer schrieb auch Bücher mit Titeln wie „Elegant kochen ohne Schnickschnack“, „Mein geliebtes München“ und - mit Bezug auf sein Schoßhündchen - „Ich, Daisy. Bekenntnisse einer Hundedame“. Seiner über alles geliebten Mutter setzte er mit „Mama und ich“ ein literarisches Denkmal.

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