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13.04.2016

14:28 Uhr

Rücktritt bei Bilfinger

Ein Konzern vor der Zerschlagung

VonGeorg Weishaupt

Bilfinger-Chef Per Utnegaard ist mit der Sanierungsstrategie des Mannheimer Traditionskonzerns gescheitert. Seinem Nachfolger bei dem Industriedienstleister bleibt nur eine Sache übrig: die Zerschlagung. Ein Kommentar.

Noch ist der neue Bilfinger-Chef eine Schattenfigur: Es wird schwierig, einen internationalen Topmanager zu finden, der das arg gestutzte Unternehmen führen will. dpa

Bilfinger

Noch ist der neue Bilfinger-Chef eine Schattenfigur: Es wird schwierig, einen internationalen Topmanager zu finden, der das arg gestutzte Unternehmen führen will.

DüsseldorfDer Rücktritt von Vorstandschef Per Utnegaard markiert das Ende des einstigen Vorzeigekonzerns Bilfinger. Gleichzeitig ist er der Beginn der Zerschlagung des Mannheimer Konzerns. Damit ist die Sanierungsstrategie des gebürtigen Norwegers gescheitert, der erst vor gut zehn Monaten angetreten war, um den angeschlagenen Industriedienstleister wieder auf Kurs zu bringen.

Utnegaard wollte Bilfinger auf das Kerngeschäft konzentrieren, also auf die zwei Säulen Industriedienstleistungen sowie Building- und Facility-Management. Sein Plan: Er wollte den größten Verlustbringer, das Kraftwerksgeschäft, verkaufen. Doch der Plan ging bislang nicht auf, denn die hoch defizitäre „Powersparte“ lässt sich kaum an den Mann bringen. Die Energiewende sorgt dafür, dass die großen Versorger keine neuen Kohle- oder Gaskraftwerke mehr bauen oder alte modernisieren. Sie haben die Investitionen in Kraftwerke drastisch gekürzt. Und eine Trendwende ist nicht in Sicht. Damit sieht es mit dem Verkauf der Bilfinger-Sparte weiterhin schlecht aus.

Paukenschlag von Per Utnegaard: Bilfinger-Chef geht überraschend

Paukenschlag von Per Utnegaard

Bilfinger-Chef geht überraschend

Beim kriselnden Konzern Bilfinger kommt es völlig überraschend zum Führungswechsel. Vorstandschef Per Utnegaard legt nach weniger als einem Jahr sein Amt nieder. Ein Nachfolger soll bald präsentiert werden.

Doch das endgültige Ende von Utnegaards ursprünglicher Zwei-Säulen-Strategie deutete sich bereits im Januar ab. Da teilte Bilfinger mit, nun auch den Verkauf von großen Teilen der Immobiliensparte „Building and Facility“ zu prüfen. Offenbar hatten potenzielle Investoren ein Interesse an dem lukrativen Bereich bekundet.

Wenn der Konzern in seiner Not, einen Käufer für diese Sparte und für das Kraftwerksgeschäft finden würde, bliebe von dem einstigen stolzen Bilfinger-Umsatz von mehr als sieben Milliarden Euro am Schluss nur noch gut die Hälfte übrig.

Damit ist der Rücktritt von Utnegaard nur konsequent. Denn seine alte Strategie kann er so nicht mehr glaubwürdig verkaufen, weder den Beschäftigten und noch den vielen Kleinaktionären.

So endet die alte Strategie vom einstigen Baukonzern, der sich durch viele Zukäufe zu einem breit aufgestellten Industriedienstleister umwandelt, nun endgültig. Der frühere Bilfinger-Chef Herbert Bodner hat es vor Jahren versäumt, die Dutzenden Firmen, die er kaufte, zu einer Einheit zu formen.

Das sind Europas größte Baukonzerne

Platz 9

NCC AB – 8,42 Milliarden Euro Umsatz

Das schwedische Unternehmen mit seinen knapp 18.000 Mitarbeitern wurde erst 1988 gegründet. Heute besteht es aus vier großen Geschäftsbereichen, unter anderem „NCC Housing“ und „NCC Roads“.

Platz 8

Ferrovial (Spanien) – 9,7 Milliarden Euro Umsatz

Das Unternehmen aus Madrid baut und betreibt auch Autobahnen und Flughäfen. Der Konzern errichtete unter anderem das Guggenheim-Museum in Bilbao.

Platz 7

Balfour Beatty (Großbritannien) - 11,63 Milliarden Euro Umsatz

Bereits seit 1909 sind die traditionsreichen Briten im Baugeschäft tätig und gehören zu den Platzhirschen in Europa. Die Londoner beschäftigen europaweit rund 30.000 Mitarbeiter.

Platz 6

Strabag (Österreich) – 13,12 Milliarden Euro Umsatz

Aus Wien in die Welt: Die Österreicher haben vor allem in Osteuropa expandiert. Seit 2014 konnte der Konzern den zuvor stark abgerutschten Umsatz stabilisieren und zuletzt wieder leicht steigern.

Platz 5

Eiffage (Frankreich) – 14,06 Milliarden Euro Umsatz

Neben einigen TGV-Trassen gehört auch die Erweiterung des EU-Parlaments zu den großen Projekten des Konzerns. In Deutschland sind rund 3.000 Eiffage-Mitarbeiter beschäftigt.

Platz 4

Skanska (Schweden) - 16,36 Milliarden Euro Umsatz

Kaum eine Straße, ein Kraftwerk oder Bürogebäude in Schweden ist ohne Beteiligung des skandinavischen Bauriesen entstanden. Auch international sind die Schweden aus Solna mittlerweile breit aufgestellt.

Platz 3

Bouygues (Frankreich) - 32,43 Milliarden Euro Umsatz

Neben Immobilien und dem Straßenbau ist der Pariser Konzern Großaktionär des französischen Fernsehsenders TF1. 2015 musste das Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr leichte Umsatzeinbußen hinnehmen.

Platz 2

ACS (Spanien) - 34,93 Milliarden Euro Umsatz

Die Spanier haben in den vergangenen Jahren ein rasantes Wachstum hingelegt. Allein in den vergangenen drei Jahren stieg der Umsatz um rund zehn Milliarden Euro und ACS klettert das Treppchen weiter hoch. Zum Konzern gehört auch das deutsche Unternehmen Hochtief.

Platz 1

Vinci (Frankreich) – 38,52 Milliarden Euro Umsatz

Der größte Baukonzern Europas ist auch der größte Baukonzern der Welt und in der Kleinstadt Rueil-Malmaison nahe Paris beheimatet. Dem Konzern gehört unter anderem die Hälfte aller französischen Autobahnen. 2015 verzeichnete das Unternehmen ein Umsatzminus von knapp 0,5 Prozent.

Quelle: Deloitte

Das gelang auch einem selbsternannten Integrator an der Konzernspitze wie etwa Hessens Ex-Ministerpräsidenten Roland Koch nicht mehr. Zu lange durften die Manager der übernommenen Firmen weiter herrschen. Die Missstände in dem Firmengeflecht fielen erst auf, als die Unternehmen nicht mehr die gewohnten Gewinne machten.

Es wird schwierig, einen internationalen Topmanager zu finden, der das arg gestutzte Unternehmen führen will, und sich an die Arbeit macht, das beschädigte Image wieder zu polieren. Außerdem muss der neue Vorstandschef bereit sein, den weiteren Zerschlagungskurs des Großaktionärs – der Finanzinvestor Cevian – mitzutragen.

Kommentare (1)

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Herr Tom Schmidt

13.04.2016, 15:44 Uhr

Die Analyse ist bitter! Ich habe meine Bilfinger-Aktien rechtzeitig verkauft, habe noch einen guten Gewinn gemacht.

Für mich ist aber der Fall ein typisches Beispiel wie in der Börsenöffentlichkeit doch ungestraft Unsinn verzapft werden kann (ich meine allgemein und nicht das Handelsblatt mit diesem Artikel):

Bilfinger war ein fähiger deutscher Baukonzern (Realwirtschaft, Produktion, Technologie), der festgestellt hat, dass die Zukunft durch Dienstleistungen bestimmt wird. Warum? Weil es irgendwelche Analysten so verzapft haben. Darum wurde das neue Eldorado den Tätigkeitsschwerpunkt auf Hauslaktivitäten äh Tschuldigung Facility Management zu legen. So eine Kakophonie kann dann jeder erzählen, daher ist auch ein Politiker geeignet bei so etwas den Chef zu spielen. Dann fällt das ganze Kartenhaus zusammen, und alle die daneben standen und applaudierten sind weg und betreiben plötzlich Fehleranalyse.

Eigentlich fragt man sich wie man sehenden Auges so einen Schwachsinn zulassen kann... aber wenn wir die aktuellen Themen uns alle ansehen. Das Schema gibt es überall. Ich will die Flüchtlingskrise nicht schon wieder strapazieren... oder die Schulden nach der Finanzkrise sind jetzt höher als vor der Krise... der Kommentar wenn es zusammenfällt ist absehbar...

Das mag mit menschlichem Herdentrieb erklärbar sein... aber eines sollte dieser Herde klar sein, sie ist eben NICHT Teil der Aufklärung, sie ist einfach eine Herde, in der keiner weiss warum er läuft (bzw. der neben ihm macht es halt genauso) und wohin...

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