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29.08.2013

10:51 Uhr

Rücktritt nach Manager-Selbstmord

Das Denkmal Ackermann wankt

Es ist sein wichtigster Posten, den Ex-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann aufgibt: Chefaufseher beim Versicherungsriesen Zurich. Der Selbstmord eines Managers bringt ihn dazu. Doch es scheint auch andere Gründe zu geben.

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Ackermann zu Größerem berufen

Handelsblatt in 99 Sekunden: Ackermann zu Größerem berufen

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DüsseldorfVor einigen Wochen war Josef Ackermann wieder da. Als Spin-Doktor im Hintergrund spann er im Siemens-Aufsichtsrat die Fäden, um die Nachfolge von Vorstandschef Peter Löscher beim Industriekonzern zu regeln. Dann gingen Meldungen um, der Ex-Deutsche-Bank-Chef bringe sich selbst in Position, um auch den Aufsichtsratsvorsitzenden Gerhard Cromme zu stürzen und sich als Nachfolger zu etablieren.

Die Episode zeigt: Nach dem Rückzug von der Konzernspitze der Deutschen Bank ist Josef Ackermann weiter auf der Suche nach bedeutenden Posten in der Wirtschaft. Auch bei der Deutschen Bank hatte er sich einst als möglicher Aufsichtsratschef ins Gespräch gebracht. Ein ausgeprägter Machthunger ist spürbar. Dass der 65-Jährige jetzt sein derzeit wichtigstes Amt bei der Zurich Insurance Group aufgibt, ist ein Karrieredämpfer, der ihn hart treffen wird. Aber Ackermann scheint auch niemals so recht warm mit der Zurich geworden zu sein.

Die Umstände , unter denen Ackermann am Donnerstag mit sofortiger Wirkung das Mandat als Verwaltungsratspräsident des Versicherungskonzerns niedergelegt hat, sind alles andere als schmeichelnd. Der Selbstmord von Finanzchef Pierre Wauthier brachte ihn dazu. „Der unerwartete Tod Pierre Wauthiers hat mich zutiefst erschüttert“, wird Ackermann in einer Mitteilung zitiert. „Ich habe Grund zur Annahme, dass die Familie meint, ich solle meinen Teil der Verantwortung hierfür tragen, ungeachtet dessen, wie unbegründet dies objektiv betrachtet auch sein mag.“ Er sehe eine weitere erfolgreiche Führung des Verwaltungsrates in Frage gestellt.

An der Börse sackte die Zurich-Aktie im frühen Handel um 3,2 Prozent ab. Seit Jahresanfang hat der Titel damit rund sechs Prozent verloren, während der europäische Versicherungssektor insgesamt um über zehn Prozent zulegte.

Das Leben von Josef Ackermann

Herkunft

Josef ("Joe") Meinrad Ackermann wurde am 7. Febr. 1948 in Walenstadt (Kanton St. Gallen) als Sohn eines Landarztes geboren. Er wuchs mit zwei Brüdern, Karl und Daniel, im nahen Mels im Sarganserland auf.

(Quelle: Munziger.de)

Ausbildung

Von 1967 bis 1973 studierte Ackermann Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (Fachrichtung Bankwirtschaft) an der Schweizer Elitehochschule St. Gallen. Anschließend war er dort als wissenschaftlicher Assistent am Institut für Nationalökonomie tätig. 1977 promovierte er zum Dr. oec. Er ist Oberst der Schweizer Armee.

Start ins Berufsleben

Seine Berufskarriere begann Ackermann 1977 bei der Schweizerischen Kreditanstalt (SKA), bei der er eine steile und geradlinige Karriere durchlief. Wichtige Stationen seiner Laufbahn waren leitende Funktionen im Corporate Banking in New York, im Bereich Devisenhandel und Treasury in Lausanne und im Investment Banking bei der CS First Boston in London. Zuletzt leitete er den Bereich Multinational Services Schweiz in Zürich.

Berufliche Lebensplanung

Bereits 1990, als 42-Jähriger, rückte er in die Generaldirektion der Schweizerischen Kreditanstalt auf, 1993 wurde er deren Präsident. Als Präsident der SKA, der wichtigsten Tochtergesellschaft der mächtigen Schweizer Bank Credit Suisse (CS), war Ackermann nach CS-Chef Rainer E. Gut die unumstrittene Nummer zwei des Bankkonzerns. U. a. besorgte er die Integration der Schweizerischen Volksbank in die Credit Suisse Group. Dessen ungeachtet verließ A. im Juli 1996 etwas abrupt den Konzern und machte dafür Gründe der beruflichen Lebensplanung geltend, während in der Wirtschaftspresse vermutet wurde, Ackermann habe den Wettbewerb um den Vorsitz der neu strukturierten Credit Suisse Group gegen seinen Konkurrenten Lukas Mühlemann verloren. Ackermann äußerte aber auch Kritik am radikalen Umbau der Bankengruppe CS Holding zur Credit Suisse Group.

Wechsel zur Deutschen Bank

Im Herbst 1996 übernahm Ackermann bei der Deutschen Bank als Vorstandsmitglied zunächst den Geschäftsbereich Kreditrisiken, dann die Bereiche Marktrisiken, Treasury und Volkswirtschaft und schließlich den zukunftsträchtigen Bereich "Globale Unternehmen und Institutionen" (d. h. Großkundengeschäft und Investment Banking), der im Geschäftsjahr 1999 mehr als 60 Prozent zum Konzerngewinn der Deutschen Bank beitrug.

Vorstandssprecher der Deutschen Bank

Als enger Vertrauter des Aufsichtsratsvorsitzenden Hilmar Kopper galt A., der den früheren Bankchef Alfred Herrhausen wiederholt als sein Vorbild nannte, zu diesem Zeitpunkt bereits als aussichtsreicher Anwärter auf die Nachfolge von Rolf-Ernst Breuer, der im Mai 1997 das Amt des Vorstandssprechers der Deutschen Bank übernommen hatte. Im Sept. 2000 wählte der Vorstand der Deutschen Bank Ackermann überraschend frühzeitig zu seinem künftigen Sprecher mit Wirkung ab Mai 2002. Begleitet von großem Medieninteresse löste Ackermann auf der Hauptversammlung am 22. Mai Breuer als Vorstandschef der Deutschen Bank ab.

Vertragsverlängerung

Am 1. Febr. 2006 verlängerte der Aufsichtsrat Ackermanns Vertrag - nun in der Funktion eines Vorstandsvorsitzenden statt Vorstandssprechers - bis zur Hauptversammlung 2010. Gestärkt ging Ackermann nach Beobachtermeinung auch aus einer Neuordnung von Vorstand und Aufsichtsrat im Mai 2006 hervor: Nach dem Rücktritt von Aufsichtsratschef Rolf-Ernst Breuer übernahm der bisherige Finanzvorstand Clemens Börsig dessen Nachfolge.

Globale Finanzkrise

Insgesamt schrieb Ackermanns Bank im Krisenjahr 2008 erstmals in ihrer Geschichte rote Zahlen und verbuchte einen Verlust in Höhe von 3,8 Mrd. Euro, wobei in erster Linie die Investmentbanking-Sparte die Bilanz mit einem Jahresverlust von 8,5 Mrd. Euro belastete. Ackermann selbst verlor mit einem um 90 Prozent zurückgegangenen Jahresverdienst von 1,4 Mio. Euro seinen Platz als Topverdiener unter den DAX-Vorstandschefs.

Vetragsverlängerung bis 2013

Obwohl er noch bei der Jahrespressekonferenz im Febr. 2009 seinen Abschied für 2010 angekündigt hatte, nahm Ackermann im April 2009 überraschend das Angebot des Aufsichtsrats zur Verlängerung seines Vertrags als Vorstandsvorsitzender um drei Jahre bis 2013 an und beendete damit Spekulationen über den Aufsichtsratschef Clemens Börsig als seinen potenziellen Nachfolger. Im März 2009 hatte das Kontrollgremium eine Verdoppelung des Vorstands auf acht Mitglieder beschlossen. Neu in die Führungsetage gerückt waren dadurch u. a. Koinvestmentbanking-Chef Anshu Jain und Deutschland-Chef Jürgen Fitschen.

Abschied von der Deutschen Bank

Nach einem in den Medien breit kommentierten Machtkampf zwischen Ackermann und Aufsichtsratschef Clemens Börsig um die Nachfolgefrage beschloss der Aufsichtsrat Ende Juli 2011 eine personelle Neuordnung des Vorstands ab Juni 2012, bei der aber nicht Ackermanns Wunschkandidat Ex-Bundesbankchef Axel Weber, der kurz zuvor bei der Schweizer Bank UBS zugesagt hatte, zum Zug kam. Als neue gleichberechtigte Kovorsitzende der Deutschen Bank wurden die beiden Vorstände Jürgen Fitschen und Anshu Jain ernannt, die von Ackermann allerdings - auch nach ihrer Ernennung - nicht ausdrücklich unterstützt wurden. Legendär wurde in diesem Zusammenhang seine Einschätzung: "Die richtige Persönlichkeit kann alles lernen. Persönlichkeit aber kann man nicht lernen", die als Werbung für Weber und Abqualifizierung der internen Kandidaten interpretiert wurde.

Ackermann verabschiedete sich bei der Hauptversammlung am 31. Mai 2012 von der Deutschen Bank. Neuer Vorsitzender des Aufsichtsrats wurde Paul Achleitner, bisher Finanzvorstand des Versicherungskonzerns Allianz.

Nach der Deutschen Bank

Nachdem Ackermann auf einen Verbleib bei der Deutschen Bank verzichtet hatte, wurde bald über seinen geplanten Wechsel an die Spitze des Verwaltungsrats des Schweizer Finanz- und Versicherungskonzerns Zurich Financial Services AG, in dem er bereits seit 2010 als Vizepräsident tätig war, berichtet. Bei der Generalversammlung des Konzerns Ende März 2012 wurde Ackermann dann mit 82 Prozess der Stimmen erneut in den Verwaltungsrat des in Zurich Insurance Group AG umbenannten Unternehmens und in das Kontrollgremium der Tochter Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG gewählt und wurde anschließend zum Präsidenten beider Gremien bestimmt.

Ende August 2013 tritt er als Zurich-Präsident zurück, nachdem Finanzchef Pierre Wauthier Selbstmord begangen hatte. In Wauthiers Abschiedsbrief an den Versicherungskonzern wurde Ackermann als einziger Manager namentlich genannt, berichtete ein Insider.

Wauthier war am Montag tot in seiner Wohnung aufgefunden worden. Er hat sich mit großer Wahrscheinlichkeit selbst getötet, wie die Polizei am Dienstag mitgeteilt hatte. Über die Motive von Wauthiers Schritt gibt es keinerlei Angaben. Die Ermittler der Polizei sagten nicht, ob ein Abschiedsbrief gefunden wurde. Im persönlichen Gespräch hatte Wauthier stets einen ruhigen und sehr freundlichen Eindruck gemacht.

Am Mittwochabend verkündete Ackermann seinen Rücktrittsentschluss der Konzernleitung. Aus Ackermanns Umfeld heißt es, dass die Witwe Wauthiers in Gesprächen Ackermann die Schuld am Tod ihres Mannes gibt. „Das hat sie explizit geäußert“, heißt es. Auch wenn die Vorwürfe wohl Ergebnis von Wut und Schmerz sind: Ackermann wolle nicht, dass ihn ein Teil der Belegschaft vorwirft, für den Tod des sehr beliebten Finanzchefs verantwortlich gemacht zu werden. Wauthier wurde 53 Jahre alt.

Dennoch ist esv schwer zu glauben, dass Ackermann, ein Oberst der Schweizer Armee, bei der Zurich Fahnenflucht begeht. Und aus seinem Umfeld ist daher auch zu hören, dass das Drama um den Finanzchef zwar Auslöser des Rücktritts war, der Entschluss aber auch tiefer liegende Gründe habe. „Es hing nie sein Herzblut an der Zurich“, ist zu hören.

Kommentare (25)

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pendler

29.08.2013, 11:05 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Drecksbande

29.08.2013, 11:11 Uhr

Josef, Blessing, MBA Peter und natürlich unsere Energie CEOs Theyssen&Therium ... sie alle haben verwirkt.

Eine egomanische Kaste, die der "USA 1% Elite" hinterherläuft und die Gesellschaft in Dtl. sozial spaltet.

mmnews_de

29.08.2013, 11:12 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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