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24.08.2013

10:02 Uhr

Rückzug binnen zwölf Monaten

Steve Ballmer hört als Microsoft-Chef auf

VonChristof Kerkmann

Nach mehr als 13 Jahren an der Konzernspitze von Microsoft zieht sich Steve Ballmer zurück. Er hat den Software-Hersteller für das Zeitalter der mobilen Geräte umgebaut, hinterlässt aber viele offene Baustellen.

Microsoft-Vorstandschef Steve Ballmer amtiert seit dem Jahr 2000. Reuters

Microsoft-Vorstandschef Steve Ballmer amtiert seit dem Jahr 2000.

SeattleEs ist keine schmeichelhafte Reaktion für Steve Ballmer: Als Microsoft am Freitag überraschend ankündigte, dass der Firmenchef innerhalb der nächsten zwölf Monate zurücktritt, schoss der Aktienkurs des Software-Herstellers kräftig nach oben. Die Anleger glauben offenbar, dass der Konzern die enormen Herausforderungen ohne dem impulsiven Manager besser meistern kann. Ein Sonderausschuss soll nun im Auftrag des Verwaltungsrates einen Nachfolger suchen – auch Firmengründer Bill Gates beteiligt sich daran.

Die Anleger blieben am Freitag bei ihrer positiven Einschätzung von Ballmers Abgang: Die Aktie legte zum Handelsschluss um über sieben Prozent auf 34,75 Dollar zu. Das steigerte den Wert des großen Aktienpakets des langjährigen Chefs um rund 850 Millionen Dollar.

„Es gibt niemals den perfekten Zeitpunkt für einen solchen Übergang, aber jetzt ist der richtige Zeitpunkt“, erklärte Ballmer in der Mitteilung. Microsoft brauche einen Chef, der für längere Zeit den Wandel zu einem Unternehmen für Geräte und Dienstleistungen begleiten werde.

In einem Interview mit dem Online-Dienst „ZDNet“ sagte Ballmer, er habe rund zweieinhalb Monate über seinen Rückzug nachgedacht. Endgültig sei die Entscheidung zwei Tage vor der Ankündigung am Freitag gefallen.

„Das zu tun, ist aufwühlend und schwierig für mich“, ließ der 57-Jährige die Mitarbeiter in einer internen E-Mail (hier eine Übersetzung der Mail) wissen. Er unternehme diesen Schritt aber im besten Interesse der Firma.

Steve Ballmers Karriere

Geburt und Studium

Steven Anthony („Steve“) Ballmer wurde am 28. März 1956 als Sohn eines Schweizers und einer jüdischen Amerikanerin in Detroit geboren. An der Harvard University studierte er von 1974 bis 1977 Mathematik und Ökonomie. Dort lernte er Bill Gates kennen, der das Studium abbrach und 1975 Microsoft gründete. Fortan ist der Name Ballmer untrennbar mit Microsoft verknüpft.

Einstieg bei Microsoft

Nach einer kurzen Station bei Procter & Gamble begann Ballmer 1980 als erster Manager bei Microsoft in der Funktion des Vice President for Marketing. Schon bald stieg er zum Mann hinter Gründer Bill Gates auf. Im selben Jahr bekam Microsoft den Auftrag für IBM ein Betriebssystem zu entwickeln. So entstand MS-DOS. Der Umsatz stieg innerhalb eines Jahres von 16.000 auf 16 Millionen US-Dollar.

Das Unternehmen wächst rasant

Microsoft profitierte von Aufstieg des Personal Computers – der Konzern machte mit seinen Betriebssystemen von Windows 3.1 bis Windows 7 Milliardenumsätze. Noch immer ist Windows mit einem Marktanteil von über 90 Prozent das meistverbreitete Betriebssystem auf PCs.

Aufstieg zum CEO

Gemeinsam mit Bill Gates arbeitet Ballmer ab 1992 an der Diversifizierung des Konzerns. Unter Ballmers Führung integrierte Microsoft erstmals massiv das Internet in das Betriebssystem Windows. Ab 1998 leitete Ballmer das operative Geschäft, schon zwei Jahre später wurde er zum Geschäftsführer ernannt. Bill Gates blieb leitender Softwareentwickler und Chairman des Verwaltungsrates. Die Doppelspitze aus Ballmer und Gates bewährte sich. Bei der Belegschaft wurde Ballmer durch emotionale Auftritte berühmt. Wachstumsschwerpunkte setzte Ballmer in Konzernumstrukturierungen in der mobilen Kommunikation und mit Firmenkunden-Programmen.

Anschluss bei Smartphones verpasst

Nach Meinungen der Beobachter hat Microsoft jedoch zu lange auf seine monopolistische Stellung und auf das bewährte Softwaregeschäft vertraut. In den folgenden Jahren verschläft Microsoft die Innovationen, die Apple mit iPod und iPhone veröffentlichte und verliert den Status als wertvollste IT-Marke an den Konkurrenten. Das US-Magazin Forbes kürte Ballmer zum schlechtesten CEO einer amerikanischen Firma, da er sein Unternehmen „im Alleingang aus einigen der am schnellsten wachsenden und lukrativsten Märkte – Smartphones, Tablets– heraus gesteuert“ habe.

Innovationen und Kartellstrafen

Microsoft passt sich jedoch an die neue Zeit an. 2012 bringt der Software-Hersteller Windows 8 heraus, das für die Bedienung per Touchscreen optimiert ist und somit auch auf Tablet-Computern läuft. Zudem baut der Konzern mit dem Surface erstmals einen eigenen Computer. Das Handy-Betriebssystem Windows Phone überarbeitet Microsoft bereits in den Vorjahren.

Mehrere Kartellrechtsverfahren in den USA und Europa zwingen Microsoft jedoch zu hohen Geldstrafen. Umsatz und Gewinn von Microsoft schrumpfen, Stellen werden gekürzt.

Rücktrittsankündigung

Am 23. August 2013 kündigt Ballmer nach 33 Jahren bei Microsoft an, in den nächsten zwölf Monaten zurückzutreten. Er hat mittlerweile ein geschätztes Vermögen von 15,2 Milliarden Dollar anhäufen können - und durch den angekündigten Rücktritt stieg sein Vermögen um eine Milliarde Dollar wegen des steigenden Aktienkurses. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.

Quelle: Munzinger Personenarchiv

Microsoft steckt derzeit in einer schwierigen Übergangsphase. Getragen vom Erfolg seiner Windows-Betriebssysteme wurde das Unternehmen zu einer dominierenden Kraft im PC-Markt. Doch in den vergangenen Jahren verpasste der Konzern den Anschluss – an Google, das heute im Internet eine dominante Kraft ist; und an Apple, das mit iPhone und iPad die IT-Branche umkrempelte. 2007 verstieg sich Ballmer in die Aussage, das iPhone werde sich nicht sonderlich verkaufen. Sie steht stellvertretend dafür, dass Microsoft die Zeichen der Zeit zu spät erkannte.

Die Abschiedsmail von Steve Ballmer: „Ich liebe diese Firma“

Die Abschiedsmail von Steve Ballmer

„Ich liebe diese Firma“

Microsoft-Vorstandschef Steve Ballmer hat in einer E-Mail an die Mitarbeiter seinen Rückzug von der Spitze des Unternehmens angekündigt. Einen Nachfolger präsentiert er nicht – hat aber bestimmte Vorstellungen.

Dabei tat Microsoft in den vergangenen Jahren durchaus viel, um sich auf die Welt der mobilen Computer einzustellen. Der Konzern überarbeitete sein Mobilfunk-Betriebssystem, machte Windows für Tablet-Computer tauglich und modernisierte seine Internet-Dienste. Und erst im vergangenen Monat krempelte Ballmer die Struktur des gesamten Konzerns um, um die Entwicklung von Hardware und Diensten zu beschleunigen.

Kommentare (6)

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Rechner

23.08.2013, 19:12 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

OpenSourcer

23.08.2013, 19:30 Uhr

Der durchgeknallte Scharlatan Ballmer geht, hoffentlich verschwindet auch Microsoft bald!

Account gelöscht!

23.08.2013, 19:31 Uhr

Etwas skurril anzukündigen sich in einem Jahr zurück zu ziehen. In der Regel folgt auf eine solche Ankündigung die sofortige Absetzung des Managers. Dies zeigt in welch einer verlegenen Situation sich Microsoft gegenwärtig befindet.

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