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02.08.2016

07:39 Uhr

Rüdiger Grube wird 65

Der Bahnchef ist erst auf halber Strecke

Er ist so freundlich wie eh und je, obwohl die Zeiten schwierig sind. Bahnchef Rüdiger Grube steht mit 65 Jahren vor großen Herausforderungen. Warum ausgerechnet die kommenden Wochen dabei entscheidend sein werden.

Der Vorstandsvorsitzende der Deutsche Bahn AG will noch bis Ende 2017 arbeiten. dpa

Rüdiger Grube

Der Vorstandsvorsitzende der Deutsche Bahn AG will noch bis Ende 2017 arbeiten.

BerlinEs klang zuversichtlich, aber auch bescheiden. Die „ersten Erfolge“ stellten sich nach einem Jahr Konzernumbau ein, das zeige sich auch in der Bilanz, resümierte Bahnchef Rüdiger Grube das erste Halbjahr 2016. Gute Fahrgastzahlen im Fernverkehr und ein besseres Betriebsergebnis legte er vor, dann aber beschrieb er eine Fülle von Problemfeldern.

An seinem 65. Geburtstag am Dienstag denkt Grube nicht an Ruhestand. Die Deutsche Bahn steckt im Umbruch, und der Vorstandsvorsitzende möchte ihn noch ein paar Jahre gestalten - wenn man ihn lässt.

Bedrohlich ist die Lage des Staatskonzerns nicht, aber er steht längst nicht so gut da, wie man es von einem Transportriesen im prosperierenden Deutschland erwarten könnte. Vom Ziel des „profitablen Marktführers“ aus der „Strategie DB 2020“ hat sich Grube verabschiedet, jetzt strebt er nur noch an, „profitabler Qualitätsführer“ zu werden. Das steht exemplarisch für seine siebenjährige Amtszeit: Grube hat viel angekündigt, aber vieles bislang nicht erreicht. Der Manager befindet sich mit seiner Bahn auf halber Strecke.

Der Anfang im Mai 2009 war schwer und leicht zugleich. Er musste die Wunden der Datenaffäre heilen, die sein gestürzter Vorgänger und Freund Hartmut Mehdorn aufgerissen hatte. Und er begann bei der Bahn mitten in der akuten Finanzmarktkrise. Andererseits konnte er mit seiner offenen Art rasch den angeschlagenen Ruf der Bahn aufpolieren.

Was die Fernreise kostet

Neue Angebote ab August

Die Deutsche Bahn setzt in den Sommerferien ihre Preisschlacht gegen Fernbusse und Billigflieger fort. Die Strategie zeigt bei den Kunden offenbar Wirkung – für das erste Halbjahr 2016 meldete die Bahn am Mittwoch einen neuen Fahrgastrekord im Fernverkehr mit 66,7 Millionen Fahrgästen. Allerdings wird für Bahnfahrer mancher Service ab August auch teurer.

Sparpreis-Rabatt auch bei Bahncard50

Auch Kunden mit einer BahnCard 50 bekommen ab 1. August dauerhaft einen Rabatt von 25 Prozent auf Sparpreise im Fernverkehr. Dies war bisher regulär Inhabern einer BahnCard 25 vorbehalten.

Sparpreise für 19 Euro noch bis Ferienende

Eigentlich fangen die Sparpreise bei der Deutschen Bahn bei 29 Euro an. Sie lockt aber immer wieder für einen begrenzten Zeitraum mit 19-Euro-Angeboten. Diese Aktion wird nun noch einmal verlängert: 19-Euro-Sparpreise gibt es auf Fernstrecken noch bis zum 12. September, also bis zum Ende der Sommerferien.

Keine Sparpreis-Erstattung am Reisetag

Sparpreis-Tickets können ab August nur noch bis zum Tag vor der Abfahrt umgetauscht oder erstattet werden. Bisher war dies auch am Tag der Reise noch möglich. Allerdings führte diese Regelung dazu, dass gerade am Reisetag viele Tickets zurückgegeben wurden. Dem schiebt die Bahn nun einen Riegel vor.

Höherer Zuschlag für Ticketkauf im Zug

Wer erst im Zug ein Ticket kauft, muss ab August einen Bordzuschlag von 12,50 Euro zahlen – fünf Euro mehr als bisher. Damit will die Deutsche Bahn den Fahrkartenverkauf per Smartphone ankurbeln, der quasi bis wenige Sekunden vor Abfahrt möglich ist. Zudem soll das Bordpersonal mehr Zeit für Service bekommen. Allerdings kauft nach Angaben des Unternehmens ohnehin nur etwa ein Prozent der Kunden die Fahrkarte erst im Zug.

Teurere Reservierungen in der ersten Klasse

Beim Kauf einer Fahrkarte für die erste Klasse bleibt die Sitzplatzreservierung inklusive; Besitzer der BahnCard100 für die erste Klasse bekommen hundert Freireservierungen. Doch wer nur reserviert, ohne ein Ticket zu kaufen, muss dafür ab August 5,90 Euro statt bisher 4,50 Euro zahlen. Damit will die Bahn unterbinden, dass reservierte Sitzplätze am Ende nicht in Anspruch genommen werden.

Mit Charme und Fleiß gewann er Vertrauen bei Mitarbeitern, Regierenden, Verkehrspolitikern und Kunden. Im Jahr 2010 gelang Grube die Übernahme des europaweit aktiven Bus- und Bahnbetreibers Arriva, der Jahr für Jahr steigende Gewinne abwirft. Seit diesem Coup fehlt das Geld für Zukäufe in ähnlicher Größenordnung.

Grube war vor allem mit dem Versprechen angetreten, sich um das „Brot- und Butter-Geschäft“ zu kümmern, den Eisenbahnverkehr in Deutschland. Genau dort klemmt es noch immer. Im wichtigen Regionalverkehr verliert die Bahn weiterhin bei Ausschreibungen Strecken an die Konkurrenz. Es gibt zwar ein Konzept für ein größeres Fernverkehrsnetz bis zum Jahr 2030. Im Brennpunkt steht derzeit aber die Pünktlichkeit.

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