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29.01.2008

07:04 Uhr

Rüdiger Kapitza

Bohrende Fragen an den Gildemeister-Chef

VonW. Gillmann

Rüdiger Kapitza, Vorstandschef des Werkzeugmaschinenherstellers Gildemeister, ist ins Visier der Staatsanwaltschaft. Untreue, Steuerhinterziehung, Bestechung - die Liste der Vorwürfe, zu denen er dem Aufsichtsrat des Bielefelder Konzerns am Dienstag Rede und Antwort stehen muss, ist lang. Schon jetzt ist der Schaden für das Unternehmen enorm.

Muss sich erklären: Rüdiger Kapitza Foto: dpa Quelle: dpa

Muss sich erklären: Rüdiger Kapitza Foto: dpa

DÜSSELDORF. Am Dienstag wird es unangenehm für Rüdiger Kapitza. Der Aufsichtsrat des Bielefelder Werkzeugmaschinenherstellers Gildemeister trifft sich um zwölf Uhr in Bielefeld. Eigentlich steht die jährliche Analyse der Firmenstrategie auf der Tagesordnung. Doch unter dem Punkt Aktuelles geht es um ein heißeres Thema: die Zukunft von Vorstandschef Kapitza.

Die Vorwürfe gegen den 52-Jährigen, der Gildemeister seit 1996 führt, wiegen schwer. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld ermittelt wegen Untreue, Steuerhinterziehung, Bestechung und Bestechlichkeit. In einer Großrazzia hatten vor zwei Wochen 57 Beamte der Staatsanwaltschaft, der Steuerfahndung und der Kriminalpolizei Objekte in Deutschland und Österreich durchsucht - auch die Hauptverwaltung in Bielefeld und die Privatwohnung Kapitzas.

"Der Vorstand geht davon aus, dass sich die Vorwürfe als aufklärbar und unbegründet erweisen", teilte das Unternehmen mit. Aufsichtsratschef Hans Henning Offen will den Vorfall sorgfältig prüfen. "Wir müssen die Ergebnisse der Untersuchung abwarten. Die interne Revision wird einen Bericht vorlegen", sagte er dem Handelsblatt. Staatsanwalt Heinrich Rempe glaubt, dass es "eher Monate als Wochen" dauern werde, bis die Ermittlungen abgeschlossen werden.

Doch der Schaden für das Unternehmen ist neben dem beschädigten Image schon eingetreten: Bereits am Tag der Durchsuchung fiel der Kurs der Gildemeister -Aktie um zeitweise 25 Prozent, was die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) auf den Plan gerufen hat. Analysten senkten ihre Bewertungen stark. "Die Untersuchung schürt die Unsicherheit", meint ein Analyst.

Kapitza selbst, sonst ein eloquenter Verkäufer der Drehmaschinen aus Bielefeld, hat sich öffentlich noch nicht geäußert. Der ausgebildete Maschinenanlagenmechaniker, Industriekaufmann und Wirtschaftswissenschaftler hat auch noch nicht vor der Staatsanwaltschaft ausgesagt. Sein Rechtsbeistand, der Düsseldorfer Staranwalt Sven Thomas, der bereits Klaus Esser, Otto Graf Lambsdorff und Friedel Neuber verteidigte, wird demnächst bei der Staatsanwaltschaft vorsprechen.

Ins Rollen gekommen ist die Sache durch eine ganz normale Betriebsprüfung. Als die Prüfer auch Kapitzas Privatkonten unter die Lupe nahmen, stellten sie unklare Eingänge fest, die sich auf 1,35 Millionen Euro summieren sollen. Kapitza erklärt die Zahlungen angeblich mit einem Geschenk über 500 000 Euro von seiner Frau. Außerdem habe ein Handwerksmeister aus Österreich ein Darlehen über 850 000 Euro gegeben. Zweifel erweckt diese Version, weil Kapitza von seiner Frau getrennt lebt, sie inzwischen Selbstanzeige wegen unversteuerter Einkommen erstattet hat und Kapitza mit einem Jahreseinkommen von rund 1,3 Millionen Euro wohl kaum Darlehen eines Handwerkers benötigt.

Die Staatsanwaltschaft untersucht nun intensiv die Spur zur Werbeagentur Montfort in Klaus/Vorarlberg. Von hier sollen, so der Anfangsverdacht, überhöhte Provisionen auf Kapitzas Konten zurückgeflossen sein. Für Montfort ist Gildemeister der größte Kunde. Die Österreicher erledigen einen Großteil der Werbung und des Marketings, über 80 Millionen in den vergangenen Jahren.

Kapitza und Montfort-Chef Richard Morscher ("Ritchie Rich") , gegen den ebenfalls ermittelt wird, kennen sich gut. Nach einem Bericht der "Neuen Westfälischen" besitzen beide ein seltenes Motorrad der Marke "Münch Mammut". Auch soll die Agentur Gildemeister eine Flugbereitschaft zur Verfügung gestellt haben, zu überhöhten Kosten, vermuten die Fahnder. Außerdem baute Kapitza die europäische Vertriebszentrale 2005 in die direkte Nachbarschaft von Montfort. Rüdiger Kapitza wird dem Aufsichtsrat viel erklären müssen.

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