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26.01.2010

13:00 Uhr

Ruhrgebiets-TV

Zalbertus gegen den Zeitungskonzern

VonHans-Peter Siebenhaar

Der Medienunternehmer André Zalbertus startet einen Ruhrgebietssender mit 24 Stunden Liveübertragung. Wie bereits mit seinen Center-TV-Kanälen will Zalbertus auch mit dem neuen Sender Kasse bei Investoren machen. Doch das Projekt ist zugleich ein Frontalangriff auf den WAZ-Konzern.

Ambitioniert: André Zalbertus will mit seinem Center TV Ruhr noch in diesem Jahr die Nummer eins im Revier werden. blacksock© blacksock - Fotolia.com

Ambitioniert: André Zalbertus will mit seinem Center TV Ruhr noch in diesem Jahr die Nummer eins im Revier werden.

DÜSSELDORF. Bescheidenheit war nie seine Zier. André Zalbertus wollte schon immer hoch hinaus. Heute ist der Düsseldorfer Mr. Heimatfernsehen. Sein neuestes Projekt: ein Heimatsender aus dem Ruhrgebiet, der rund um die Uhr live überträgt. Damit greift er den Zeitungskonzern WAZ direkt an. Denn der Essener Quasimonopolist verfolgt mit seiner Beteiligung am Regionalkanal NRW TV längst eigene TV-Pläne.

Doch davon lässt sich der vor Selbstsicherheit strotzende Zalbertus nicht verunsichern. Er verspricht, mit seinem Center TV Ruhr noch in diesem Jahr die Nummer eins in der Lokalberichterstattung im Revier zu werden. Am 22. Februar startet der seit zwei Jahren existierende Sender mit seiner Live-Berichterstattung rund um die Uhr, mehr als eine Million Kabelhaushalte mit 2,3 Millionen Zuschauern will er erreichen.

Im Ruhrgebiet will der gebürtige Düsseldorfer seine preiswerte Geschäftsstrategie fortsetzen. Für seine Lokalsenderkette mit Sitz in Bochum hat er ein "Selbstfahrerstudio" entwickelt, bei dem der Moderator zur One-Man-Show wird. Er kommt praktisch ohne weitere Hilfskräfte aus. Damit spart Zalbertus viel Geld. Er rechnet in diesem Jahr mit einem Umsatz von zwei Millionen Euro. Damit sei er in den schwarzen Zahlen, beteuert der Erfinder des Billigfernsehens.

In der Branche hat er sich mit seinem preiswerten Regionalfernsehen nicht nur Freunde gemacht. Auf Podien wird er als Unternehmer des "Blöd-TV" tituliert, weil seine Sender mit abgefilmten Straßenbahnfahrten und stundenlangen Karnevalsübertragungen nicht den traditionellen Regionalsendern entsprechen. An dem Medien-Millionär perlt solche Kritik ab. Er glaubt zutiefst an sein Geschäftsmodell. Von Selbstzweifeln ist der einstige Pfadfinder ohnehin nicht geplagt.

Zalbertus stammt aus einfachen Verhältnissen, der Vater Schweißer bei Henkel, die Mutter Hausfrau. Der Filius sollte Beamter werden, studierte an der Freien Universität Berlin Lehramt für Deutsch und Geschichte. Doch eigentlich interessierten ihn die Medien. Nach seiner Ausbildung an der Münchener Journalistenschule ging er 1989 zu RTL. Und hatte Glück: Die Mauer in Berlin fiel, Zalbertus war live für den Kölner Sender dabei. Schnell folgten Auslandsstationen, vier Jahre Moskau und eineinhalb auf Zypern.

Dann gründete er seine eigene Firma, AZ Media, der Hoflieferant von RTL. Kurz vor Weihnachten hat er die letzten zehn Prozent der Anteile an den Zeitungskonzern Madsack ("Hannoversche Allgemeine Zeitung") verkauft. Seitdem ist er finanziell unabhängig. Doch zurücklehnen will sich der 49-Jährige noch nicht. Mit dem Heimatfernsehen im "Pott" hat er nun seine Mission gefunden. "Wir wollen das CNN des Ruhrgebiets werden", sagt Zalbertus vollmundig, obwohl seine Firma nur 20 Angestellte hat.

Doch sieht der Fernsehunternehmer das nicht als Problem. Denn für kostenloses Bildmaterial sollen künftig "Bürgerreporter" sorgen. Er hat bereits 350 iPhones - jenes populäre Apple-Handy - gekauft, mit denen Zuschauer zum Kameramann mutieren sollen. Doch die Konkurrenz schläft nicht. NRW TV arbeitet bereits an einer Nachrichtensendung aus dem Ruhrgebiet und einem Kulturmagazin aus Essen, hieß es gestern in WAZ-Kreisen.

Das Lokalfernsehen für den "Pott" ist nicht das erste derartige Projekt für Zalbertus. Er hat Center-TV-Kanäle in Köln und Düsseldorf gegründet und dort die Mehrheitsbeteiligungen an Investoren und Zeitungshäuser wie DuMont Schauberg und "Rheinische Post" verkauft. Ähnliches hat er im Ruhrgebiet vor. "Ich bin kurz davor, Anteile zu verkaufen", sagt er. Mr. Heimatfernsehen verhandelt bereits mit zwei Investoren außerhalb der Medienbranche.

Im Geiste denkt der Mann, der sich gerne im silbernen G-Modell von Mercedes durch die Republik fahren lässt, ohnehin global. In diesen Tagen hat er sich seine Sendelizenz für Singapur geholt. Der Stadtstaat ohne große eigene Identität braucht dringend Heimatfernsehen - davon ist Zalbertus überzeugt. Er sucht schon einmal nach zahlungskräftigen Partnern.

Kommentare (1)

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Thorsten

27.01.2010, 09:43 Uhr

Vergessen wir doch auch so fantastische "Projekte" wie bratwurst-TV und German-Autobahn TV nicht. Trash in der Reinform. Mehr davon...

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