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20.01.2014

18:01 Uhr

RWE-Chef

Terium warnt vor wirtschaftlichem Aus für Kernkraft

ExklusivLaut Peter Terium, Vorstandsvorsitzender von RWE, ist vor den schwindenden Margen im Energiegeschäft auch Atomstrom nicht sicher. Terium hält ein vorzeitiges Aus der Kernkraft für möglich – wegen Unwirtschaftlichkeit.

Peter Terium, Vorstandsvorsitzender der RWE AG: Unrentable Kernkraftwerke würden abgeschaltet. dpa

Peter Terium, Vorstandsvorsitzender der RWE AG: Unrentable Kernkraftwerke würden abgeschaltet.

DüsseldorfRWE-Chef Peter Terium mahnt dringende Reformen für den Strommarkt an – ansonsten hält er selbst ein vorzeitiges Aus von Kernkraftwerken für möglich. „Bei den jetzigen Strompreisen inklusive Brennelementesteuer sind die operativen Kosten für den Betrieb eines Kernkraftwerks so hoch, dass die Margen minimal geworden sind. Es wird also spannend“, sagte Terium im Interview mit dem Handelsblatt (Dienstagausgabe). Bei einem weiteren Verfall des Strompreises seien auch die Kernkraftwerke „im roten Bereich“.

„Es wäre nicht zu verantworten, ein Kraftwerk weiter laufen zu lassen, wenn ich damit jeden Tag Geld verliere“, sagte Terium, „dieses Geld habe ich nicht. Und meine Aktionäre geben es mir auch nicht.“ Terium begrüßt es zwar, dass Energieminister Sigmar Gabriel so zügig eine Reform des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) angeht. Das reicht ihm aber nicht. Wie andere Betreiber von Großkraftwerken fordert er auch ein Reform des Strommarktes, weil die Renditen der Atom-, Kohle- und Gaskraftwerke dramatisch gesunken sind.

Welche Kraftwerke RWE abschalten will

Amer 8

Der Energieversorger RWE will in den nächsten Jahren zahlreiche Kraftwerke aus dem Markt nehmen. Darunter ist auch das Steinkohlekraftwerk Amer 8 in den Niederlanden. Die Anlage mit einer Erzeugungskapazität von 610 Megawatt soll Anfang 2016 stillgelegt werden.

Moerdijk 2

Die meisten der Anlagen, die RWE aus dem Markt nehmen will, sind Gaskraftwerke, wie etwa Moerdijk 2 in den Niederlanden. Die Anlage hat eine Erzeugungskapazität von 430 Megawatt und soll bereits Ende dieses Jahres langfristig konserviert werden.

Gersteinwerk F und Gersteinwerk G

Auch die Anlagen Gersteinwerk F und Gersteinwerk G sollen eingemottet werden. Gersteinwerk F noch in diesem Jahr und Gersteinwerk G Mitte 2014. Die Gaskraftwerke haben jeweils eine Erzeugungskapazität von 355 Megawatt und stehen in Deutschland.

Weisweiler H und Weisweiler G

Weisweiler H und Weisweiler G arbeiten ebenfalls mit Gas. Die deutschen Kraftwerke haben jeweils eine Erzeugungskapazität von 270 Megawatt und sollen bis Oktober 2013 langfristig konserviert werden.

Emsland B und Emsland C

Die deutschen Gaskraftwerke Emsland B und Emsland C haben jeweils eine Erzeugungskapazität von 360 Megawatt und sollen bis Mitte 2014 zumindest in den Sommermonaten abgeschaltet werden.

„Wir brauchen Reservekapazitäten, um die Schwankungen bei Solar- und Windstrom abzufangen“, forderte Terium. Und dafür müssten die Betreiber entlohnt werden: „Da die energiepolitische Debatte oft etwas verworren ist, nehme ich ein Bild aus dem Fußball: Wer Meister werden will, braucht eine starke Ersatzbank. Die Leute auf der Ersatzbank werden auch bezahlt, obwohl sie nicht immer spielen.“

Von

juf

Kommentare (7)

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Energischer

20.01.2014, 18:41 Uhr

Ja, endlich! Das wäre ja der Knüller. endlich ist Atom Strom schon im operativen Bereich nicht mehr rentabel. Dann können wir endlich raus aus dem Dreck und uns darum kümmern, wie wir die aus erneuerbaren Energiequellen gewonnene kw speichern, damit der Strom nicht ausgeht, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind gerade Pause macht. Im Schulunterricht hatte ich mal gehört, durch Elektrolyse könne man H2O in H und O spalten. klingt irgendwie einfach, wenn man bedenkt, dass unser Lehrer das auch vorgeführt hat. Im Chemie-Saal. Dann kann das so schwer nicht sein, oder? Und zurückgewinnen könnte man dann den Strom durch eine Brennstoffzelle, wie in der Raumfahrt seit Jahrzehnten. übrig bleibt dann wieder H2O und Energie.... so einfach....

Smitti

20.01.2014, 19:25 Uhr

Sehenswert, wie "einfach" das ist: http://m.youtube.com/watch?v=m2eVYWVLtwE

Speicher

20.01.2014, 19:42 Uhr

@Energischer
Prinzipiell gebe ich Ihnen Recht, ich halte die Elektrolyse und Speicherung im Gasnetz aufgrund der verfügbaren Kapazitäten längerfristig für die beste Speichermöglichkeit, die in Sicht ist (was natürlich auch daran liegt, dass eben nichts gescheites in Sicht ist).
Ihr Beispiel hat allerdings einen massiven Haken: Weder Ihr Chemielehrer noch die Raumfahrt muss damit Geld verdienen. Elektrolyse-Speicherung ist nach aktuellem Stand wirtschaftlich unrentabel. Daher bräuchte es eher hier eine Unterstützung von Staats-Seite. Jetzt schon die Gaskraftwerke als Reservekapazität "leben lassen" und langfristig als zumindest teilweise saubere Reservekapazität dann zur Verfügung haben.
Atomstrom und Kohlestrom als Reservekapazität ist ein Witz, beides viel zu träge zum Ausgleich von starken Schwankungen...

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